Schauspielhaus Stuttgart



Bewertung und Kritik zu

Maria Stuart

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MARIA STUART 
von Friedrich Schiller
Regie: Michael Talke 
Premiere: 14. Mai 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Seit fast zwanzig Jahren ist Maria Stuart, Queen of Scots, Gefangene der englischen Königin Elisabeth. Nach einem tödlichen Attentat auf ihren Ehemann war die schottische Königin zur Flucht zu ihren Verwandten nach England gezwungen. Aus Angst, dass Maria ihren Anspruch auf den englischen Thron erheben könnte, ließ Elisabeth sie jedoch prompt auf Schloss Fotheringhay einsperren. Elisabeth, die Virgin Queen, steht unter Druck. Ihr Volk drängt sie zur Heirat und verlangt die Hinrichtung Marias. Auch ihre Berater nötigen sie, nach Jahren des Zögerns endlich zu handeln – Lord Burleigh fordert eine schnelle Hochzeit zum Wohl des Staates, der alte Talbot eine Begnadigung Marias. Graf Leicester indessen spekuliert selbst auf eine Heirat mit Elisabeth und pocht auf ein Treffen der beiden Königinnen. Während Elisabeth von allen Richtungen vereinnahmt wird, plant der junge Mortimer auf Fotheringhay die gewaltsame Befreiung Maria Stuarts und treibt so die Geschichte ihrem unweigerlich blutigen Ende entgegen.

Odyssey. A Story for Hollywood

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ODYSSEY. A STORY FOR HOLLYWOOD 
Nowy Teatr, Warschau
Regie: Krzysztof Warlikowski 
Premiere: 7. April 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Odyssey. A Story for Hollywood nimmt uns mit auf eine Reise von Homer und seinem Helden Odysseus zu Hanna Krall und ihrer Heldin Izolda, einer polnischen Jüdin. Ihr Kampf um die Rettung ihres Mannes während des Krieges stellt sie vor Herausforderungen, die es mit jeder Herkulesaufgabe aufnehmen können. Zwei gewaltige Konflikte: Der eine steht im Zusammenhang mit dem ersten Krieg der Menschheit - der Belagerung von Troja -, der andere ist unauflöslich mit den Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges verknüpft.
Was hat das alles heute mit uns zu tun? Wohin würden wir gerne nach langen Irrfahrten zurückkehren? Wie sieht unser Hades aus, und wo sind all unsere Götter geblieben? Wo ist Pallas Athene, die so gerne das Herz von Odysseus erobern wollte? Und wo ist die Heilige Mutter Maria, die Izolda beschützt hat? Haben selbst die Götter den Glauben an die Möglichkeit einer glücklichen Rückkehr verloren und blicken in eine Zukunft, in der unsere Welt einen unumkehrbaren Kurs eingeschlagen hat? Wir alle leben in Angst, und allein können wir nichts dagegen tun. Wir versuchen sie zu besiegen, indem wir leichtsinnig sind.

Verbrennungen

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VERBRENNUNGEN 
von Wajdi Mouawad
Regie: Burkhard C. Kosminski 
Premiere: 5. Februar 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Sie ist verstummt. Fünf Jahre bis zu ihrem Tod spricht Nawal kein einziges Wort mehr. Bei der Testamentseröffnung erhalten ihre Kinder, die Zwillinge Johanna und Simon, zwei verschlossene Briefe. Einer ist an ihren älteren Bruder, von dessen Existenz sie nichts wussten, und der andere ist an ihren totgeglaubten Vater adressiert. Die Suche nach ihnen führt sie in die Heimat der Mutter, in den Nahen Osten – und in die kollektive Tragödie des Krieges. Sie finden heraus, wer ihre Mutter wirklich war, welches Geheimnis sie jahrelang mit sich herumgetragen hatte und wie tief die Familie in die von Bürgerkrieg geprägte Vergangenheit verstrickt ist.

Fly Ganymed

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FLY GANYMED 
von Paulus Hochgatterer
Regie: Nikolaus Habjan 
Premiere: 15. Januar 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Was wissen wir eigentlich von den vielen Kindern, die sich ganz alleine auf gefährliche Fluchtrouten begeben und selbst für erfahrene Beobachter nahezu unsichtbar bleiben? Die ohne Schutz und Begleitung versuchen, über die Grenze in ein sicheres Land zu kommen?
Ein neunjähriger Junge flieht vor dem Krieg. Er muss sein Dorf verlassen und wird von seinem Großvater einem Schlepper übergeben. Mit dessen Hilfe soll er nach Deutschland in Sicherheit gebracht werden. In einem Pipeline-Rohr auf einem LKW versteckt, tritt er eine gefährliche Reise an. Auf dieser Fahrt lernt er zu überleben.
Unberechenbarkeit und Willkür begleiten ihn, und er erfährt, dass jede Grenze, die er überquert, Gefahren und Demütigungen mit sich bringt. Aber ganz alleine ist er nicht. Denn in seinem Versteck ist noch ein anderes Flüchtlingskind, ein älteres Mädchen, das viel weiß, keine Angst hat und ihm hilft. Halt findet er in Geschichten und Erinnerungen an seinen Großvater und sein Dorf. Sie geben ihm die Gewissheit, dass etwas von seinem Zuhause bleibt und immer bleiben wird.

Robin Hood

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ROBIN HOOD 
Familienstück für alle ab 6 Jahren
Regie: Corinna von Rad 
Premiere: 28. November 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Wer war Robin Hood? Der Outlaw aus dem Sherwood Forest, der schlitzohrige Verbrecher, der gejagte und geliebte Bandit und der beste Bogenschütze der Welt, dem alle Herzen zufliegen, der von den Reichen stiehlt und es den Armen gibt – der Kämpfer für die Unterdrückten?
Durch seinen Übermut wird Robin Hood zum Gesetzlosen und Mörder. Der Sherwood Forest wird nicht nur zu seinem Versteck, sondern auch zu seinem neuen Zuhause. Mit seinen Freunden Little John und Mary kämpft er gegen die Herrschenden und ihre zynischen Repräsentanten, die das Volk hungern lassen, um ihren Reichtum weiter anzuhäufen, den gerechten Kampf gegen eine selbstverständlich gewordene Ungerechtigkeit.
Mit List, Lüge und Verstellung zwingt er sogar seinen größten Feind, den Sheriff von Nottingham, in die Knie. Und wenn ihm die Gesetzestreuen zu sehr auf den Fersen sind, findet Robin Hood Zuflucht und Schutz im Wald, wo er jeden Baum und jeden Stein kennt, wo er der uneingeschränkte Herrscher ist. Erst als er dem schrecklichen Guy von Gisbourne begegnet, gerät er in Gefahr und muss um sein Leben fürchten.
Die Spuren von Robin Hood führen ins 13. Jahrhundert nach England. Dort wurde Robin Hood zur Legende, in Balladen besungen und zum Volkshelden erkoren. Jedes Jahrhundert hat seinen eigenen Robin Hood geschaffen, vom mordenden Banditen über den schlauen Betrüger bis zum gerechten Adligen reichen die Interpretationen. Ob es diese sagenumwobene Figur wirklich gab, weiß niemand. Zum Mythos ist Robin Hood jedenfalls geworden.

Am Ende Licht

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AM ENDE LICHT 
von Simon Stephens
Regie: Elmar Goerden 
Premiere: 13. November 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Am 6. Februar 2017 stirbt Christine nachmittags in einem Supermarkt an einer Gehirnblutung. Zur selben Zeit verabredet sich ihr untreuer Ehemann Bernhard mit zwei jüngeren Frauen in einem Hotel zum Sex.
Ihre Tochter Jess, eine Volksschullehrerin, wacht neben einem Fremden auf und beginnt sich in ihren neuen One-Night-Stand zu verlieben. Christines zweite Tochter Ashe streitet mit ihrem Ex-Partner, einem ehemaligen Drogenabhängigen, über die Unterhaltszahlungen für ihr gemeinsames Kind. Und ihr Sohn Steven, der sich lustlos durch sein Jurastudium quält, kämpft um seinen Freund, der ihn zu verlassen droht.

algo pasó (la última obra)

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ALGO PASÓ (LA ÚLTIMA OBRA) 
von Bola de Carne, Thomas Köck, Anna Laner & Andreas Spechtl
Premiere: 23. Oktober 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Warum verschwindet etwas? Wann verschwindet etwas? Und wohin verschwindet es? Und was bleibt zurück? Warum verschwinden Menschen? Welche Spuren hinterlassen Menschen, die verschwinden, welche Spuren hinterlassen ganze Zivilisationen, die verschwinden, und wie soll man die lesen, entziffern, und wozu? Was wäre das für ein Archiv, und wer könnte darüber entscheiden, was dieses Archiv speichert, welche Geschichten gespeichert werden sollen? Und was bedeutet das Verschwinden eigentlich für die Kunst? Für das Theater? Dieses immer flüchtige Medium, das vielleicht überhaupt nur im Verschwinden existiert.
Gerade in den Ländern Mittel- und Südamerikas hat der Begriff des Verschwindens noch ganz andere politische Dimensionen. Unter dem Begriff „los desaparecidos“ (die Verschwundenen) versteht man dort Menschen, die von staatlichen oder quasistaatlichen Sicherheitskräften heimlich verhaftet oder entführt und anschließend gefoltert oder ermordet wurden. Ganz zu schweigen von deutschen Waffen, die in Mexiko in Bundesstaaten verschwinden, in die sie nie hätten gelangen dürfen, und dort am Verschwinden von Menschen beteiligt sind. 

An und aus

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AN UND AUS 
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Burkhard C. Kosminski 
Premiere: 25. September 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Ein kleines Hotel am Hafen. Jeden Montag treffen sich hier Frau Z. und Herr A., Frau A. und Herr Y., Frau Y. und Herr Z. Drei Paare, die sich untereinander betrügen, ohne zu wissen, dass im Zimmer nebenan der eigene Mann, die eigene Frau mit einer anderen, einem anderen im Bett liegt. Denn das Hotel betreten sie immer nacheinander. Vielleicht passen sie so aber auch besser zueinander? Der junge Mann mit der Brille, der im Hotel arbeitet, kennt alle Gäste und ihre heimlichen Treffen. Auch er ist verliebt. Aber das Mädchen, das er liebt, arbeitet oben auf dem Berg und kann dort nicht weg. Plötzlich ein kurzes Flackern − Licht aus, Licht an. Ein Moment der Irritation, irgendetwas stimmt nicht. Auf einmal hat Frau Z. zwei Köpfe und Herrn A. fehlt der Mund. Das Herz von Herrn Y. brennt, während Frau A. versteinert. Das Mädchen fährt mit dem Fahrrad durch die Nacht und sucht nach dem Jungen. Was sich im Hotel und draußen abspielt, wird zu einer surrealen Bilderwelt vergrößert. Nichts bleibt, wie es ist.

Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit

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SIEBZEHN SKIZZEN AUS DER DUNKELHEIT 
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Tina Lanik 
Premiere: 10. Juli 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Am Ende läuft es immer auf das Eine hinaus – Sex. Eine Frau trifft auf einen Mann, der wiederum auf eine Frau trifft, die auf einen Mann trifft. So reichen sie sich über die Szenen hinweg die Hände zu einem verführerischen Tanz.
1896 schrieb Arthur Schnitzler die zehn Szenen des Reigen und durchwanderte mit seinen Figuren alle Gesellschaftsschichten vom Proletariat bis zur Aristokratie. Schnitzler verhandelte die Mechanik von Machtverhältnissen, Erotik, Verlangen und Liebe und ließ seine Geschichten in einen Höhepunkt münden, der lediglich durch einen Gedankenstrich angedeutet wird. Das Stück wurde zu einem Skandal und lag bis in die 1980er Jahre unter einem von Schnitzler selbst verhängten Aufführungsverbot.
Roland Schimmelpfennig durchbricht die Struktur dieses Reigens, verleiht dem Tanz einen neuen Rhythmus mit einer heutigen Melodie. In der Dunkelheit begegnen sich zehn Figuren: ein Filmproduzent und eine Schauspielerin, ein junger Autor und ein Partygirl, ein Paar in einer offenen Ehe, eine Prostituierte und ein Soldat, ein Hotelmanager und ein Zimmermädchen. Schimmelpfennig lotet die Machtverhältnisse zwischen den Paaren neu aus, zeigt Abhängigkeitsstrukturen und alternative Beziehungskonzepte auf. Die schnitzlerschen Figuren begegnen uns im heutigen Gewand. Aus bloßen Gedankenstrichen werden Aktionen, mal explizit gewalttätig und übergriffig, mal Leerstellen, die der Fantasie überlassen bleiben, und mal Akte der Selbstermächtigung.

Leuchtfeuer

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LEUCHTFEUER 
von Nancy Harris
Regie: Sophia Bodamer 
Premiere: 10. Juli 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Als Colm mit seiner Ehefrau Bonnie zum ersten Mal seit vielen Jahren in den Heimatort seines Vaters, eine Insel vor West Cork, Irland, zurückkehrt, scheint zunächst alles anders. Seine Mutter Beiv, eine berühmte bildende Künstlerin, die auf der Insel zurückgezogen lebt, hat das halbe Haus abgerissen und beschlossen, nur noch gläserne Wände zu installieren, um sich so bewusst zur Schau zu stellen. Die Leute im Dorf reden ohnehin. Seit dem mysteriösen Tod ihres Mannes, der vor zehn Jahren auf dem Meer umkam, wird sie des Mordes beschuldigt und steht konstant unter Beobachtung. Und auch für Beiv birgt der Besuch ihres Sohnes einige Überraschungen. Colm hat ihr seine Hochzeit mit der Kunststudentin Bonnie verschwiegen und scheint auch sonst keinerlei Interesse an einem harmonischen Wiedersehen zu haben. Schnell werden alte Wunden aufgerissen. Colms großer Zorn auf Beivs Egoismus und ihre Unzulänglichkeiten als Mutter überschattet den gesamten Besuch. Das plötzliche Auftauchen seines alten Jugendfreundes Donal lässt die Situation schließlich eskalieren. Die Vergangenheit zieht alle in einen Strudel aus alten und neuen Verletzungen, Schuldzuweisungen und unerwiderter Liebe. 


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