Schauspielhaus Stuttgart



Bewertung und Kritik zu

Ein Volksfeind

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EIN VOLKSFEIND 
von Henrik Ibsen
Regie:  Burkhard C. Kosminski 
Premiere: 24. September 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Viel Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung verspricht das neue Kurbad einer verschuldeten Kleinstadt. Touristen und Badegäste sollen in den Ort gelockt werden. Dann aber macht der Badearzt Tomas Stockmann eine Entdeckung: Das vermeintlich heilende Wasser ist verseucht. Schuld daran ist pikanterweise der giftige Schlamm aus der Gerberei seines Schwiegervaters, der durch schlampig verlegte Zuflussrohre ins Badewasser gelangt. Aber damit nicht genug, auch das Trinkwasser der Stadt scheint davon betroffen – ein Umweltskandal, der es in sich hat.

PIGS

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PIGS 
interaktive Installation von Miriam Tscholl
Premiere: 23. Juni 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Der Mensch ist ein Allesfresser. Seit 2,6 Millionen Jahren findet sich neben pflanzlicher auch tierische Nahrung auf dem menschlichen Speiseplan. In Europa das meistverzehrte Tier jedoch im Islam und im Judentum verboten – kein Tier wird ambivalenter betrachtet als das Schwein. Es steht für Glück und Wohlstand, und doch möchte niemand als solches bezeichnet werden. Menschen und Schweine gleichen einander physiologisch, und dennoch distanzieren wir uns von ihnen wie von keinem anderen Tier. Nicht erst seit dem Skandal im Tönnies-Schlachthof wissen wir alle: Fleischproduktion ist oft grausam und wichtiger Mitverursacher der Klimakrise. Ernährung ist eine Frage der Identität geworden und führt zu Streit in Familien und Kantinen. Greenpeace fordert, den Fleischkonsum bis 2050 zu halbieren. Doch warum bleibt dieser in Deutschland seit Jahrzehnten hoch, obwohl viele sich Veränderungen wünschen und das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum und Klimakrise besonders in der jungen Generation rasant gestiegen ist?

Maria Stuart

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MARIA STUART 
von Friedrich Schiller
Regie: Michael Talke 
Premiere: 14. Mai 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Seit fast zwanzig Jahren ist Maria Stuart, Queen of Scots, Gefangene der englischen Königin Elisabeth. Nach einem tödlichen Attentat auf ihren Ehemann war die schottische Königin zur Flucht zu ihren Verwandten nach England gezwungen. Aus Angst, dass Maria ihren Anspruch auf den englischen Thron erheben könnte, ließ Elisabeth sie jedoch prompt auf Schloss Fotheringhay einsperren. Elisabeth, die Virgin Queen, steht unter Druck. Ihr Volk drängt sie zur Heirat und verlangt die Hinrichtung Marias. Auch ihre Berater nötigen sie, nach Jahren des Zögerns endlich zu handeln – Lord Burleigh fordert eine schnelle Hochzeit zum Wohl des Staates, der alte Talbot eine Begnadigung Marias. Graf Leicester indessen spekuliert selbst auf eine Heirat mit Elisabeth und pocht auf ein Treffen der beiden Königinnen. Während Elisabeth von allen Richtungen vereinnahmt wird, plant der junge Mortimer auf Fotheringhay die gewaltsame Befreiung Maria Stuarts und treibt so die Geschichte ihrem unweigerlich blutigen Ende entgegen.

Odyssey. A Story for Hollywood

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ODYSSEY. A STORY FOR HOLLYWOOD 
Nowy Teatr, Warschau
Regie: Krzysztof Warlikowski 
Premiere: 7. April 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Odyssey. A Story for Hollywood nimmt uns mit auf eine Reise von Homer und seinem Helden Odysseus zu Hanna Krall und ihrer Heldin Izolda, einer polnischen Jüdin. Ihr Kampf um die Rettung ihres Mannes während des Krieges stellt sie vor Herausforderungen, die es mit jeder Herkulesaufgabe aufnehmen können. Zwei gewaltige Konflikte: Der eine steht im Zusammenhang mit dem ersten Krieg der Menschheit - der Belagerung von Troja -, der andere ist unauflöslich mit den Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges verknüpft.
Was hat das alles heute mit uns zu tun? Wohin würden wir gerne nach langen Irrfahrten zurückkehren? Wie sieht unser Hades aus, und wo sind all unsere Götter geblieben? Wo ist Pallas Athene, die so gerne das Herz von Odysseus erobern wollte? Und wo ist die Heilige Mutter Maria, die Izolda beschützt hat? Haben selbst die Götter den Glauben an die Möglichkeit einer glücklichen Rückkehr verloren und blicken in eine Zukunft, in der unsere Welt einen unumkehrbaren Kurs eingeschlagen hat? Wir alle leben in Angst, und allein können wir nichts dagegen tun. Wir versuchen sie zu besiegen, indem wir leichtsinnig sind.

Verbrennungen

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VERBRENNUNGEN 
von Wajdi Mouawad
Regie: Burkhard C. Kosminski 
Premiere: 5. Februar 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Sie ist verstummt. Fünf Jahre bis zu ihrem Tod spricht Nawal kein einziges Wort mehr. Bei der Testamentseröffnung erhalten ihre Kinder, die Zwillinge Johanna und Simon, zwei verschlossene Briefe. Einer ist an ihren älteren Bruder, von dessen Existenz sie nichts wussten, und der andere ist an ihren totgeglaubten Vater adressiert. Die Suche nach ihnen führt sie in die Heimat der Mutter, in den Nahen Osten – und in die kollektive Tragödie des Krieges. Sie finden heraus, wer ihre Mutter wirklich war, welches Geheimnis sie jahrelang mit sich herumgetragen hatte und wie tief die Familie in die von Bürgerkrieg geprägte Vergangenheit verstrickt ist.

Fly Ganymed

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FLY GANYMED 
von Paulus Hochgatterer
Regie: Nikolaus Habjan 
Premiere: 15. Januar 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Was wissen wir eigentlich von den vielen Kindern, die sich ganz alleine auf gefährliche Fluchtrouten begeben und selbst für erfahrene Beobachter nahezu unsichtbar bleiben? Die ohne Schutz und Begleitung versuchen, über die Grenze in ein sicheres Land zu kommen?
Ein neunjähriger Junge flieht vor dem Krieg. Er muss sein Dorf verlassen und wird von seinem Großvater einem Schlepper übergeben. Mit dessen Hilfe soll er nach Deutschland in Sicherheit gebracht werden. In einem Pipeline-Rohr auf einem LKW versteckt, tritt er eine gefährliche Reise an. Auf dieser Fahrt lernt er zu überleben.
Unberechenbarkeit und Willkür begleiten ihn, und er erfährt, dass jede Grenze, die er überquert, Gefahren und Demütigungen mit sich bringt. Aber ganz alleine ist er nicht. Denn in seinem Versteck ist noch ein anderes Flüchtlingskind, ein älteres Mädchen, das viel weiß, keine Angst hat und ihm hilft. Halt findet er in Geschichten und Erinnerungen an seinen Großvater und sein Dorf. Sie geben ihm die Gewissheit, dass etwas von seinem Zuhause bleibt und immer bleiben wird.

Robin Hood

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ROBIN HOOD 
Familienstück für alle ab 6 Jahren
Regie: Corinna von Rad 
Premiere: 28. November 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Wer war Robin Hood? Der Outlaw aus dem Sherwood Forest, der schlitzohrige Verbrecher, der gejagte und geliebte Bandit und der beste Bogenschütze der Welt, dem alle Herzen zufliegen, der von den Reichen stiehlt und es den Armen gibt – der Kämpfer für die Unterdrückten?
Durch seinen Übermut wird Robin Hood zum Gesetzlosen und Mörder. Der Sherwood Forest wird nicht nur zu seinem Versteck, sondern auch zu seinem neuen Zuhause. Mit seinen Freunden Little John und Mary kämpft er gegen die Herrschenden und ihre zynischen Repräsentanten, die das Volk hungern lassen, um ihren Reichtum weiter anzuhäufen, den gerechten Kampf gegen eine selbstverständlich gewordene Ungerechtigkeit.
Mit List, Lüge und Verstellung zwingt er sogar seinen größten Feind, den Sheriff von Nottingham, in die Knie. Und wenn ihm die Gesetzestreuen zu sehr auf den Fersen sind, findet Robin Hood Zuflucht und Schutz im Wald, wo er jeden Baum und jeden Stein kennt, wo er der uneingeschränkte Herrscher ist. Erst als er dem schrecklichen Guy von Gisbourne begegnet, gerät er in Gefahr und muss um sein Leben fürchten.
Die Spuren von Robin Hood führen ins 13. Jahrhundert nach England. Dort wurde Robin Hood zur Legende, in Balladen besungen und zum Volkshelden erkoren. Jedes Jahrhundert hat seinen eigenen Robin Hood geschaffen, vom mordenden Banditen über den schlauen Betrüger bis zum gerechten Adligen reichen die Interpretationen. Ob es diese sagenumwobene Figur wirklich gab, weiß niemand. Zum Mythos ist Robin Hood jedenfalls geworden.

Am Ende Licht

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AM ENDE LICHT 
von Simon Stephens
Regie: Elmar Goerden 
Premiere: 13. November 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Am 6. Februar 2017 stirbt Christine nachmittags in einem Supermarkt an einer Gehirnblutung. Zur selben Zeit verabredet sich ihr untreuer Ehemann Bernhard mit zwei jüngeren Frauen in einem Hotel zum Sex.
Ihre Tochter Jess, eine Volksschullehrerin, wacht neben einem Fremden auf und beginnt sich in ihren neuen One-Night-Stand zu verlieben. Christines zweite Tochter Ashe streitet mit ihrem Ex-Partner, einem ehemaligen Drogenabhängigen, über die Unterhaltszahlungen für ihr gemeinsames Kind. Und ihr Sohn Steven, der sich lustlos durch sein Jurastudium quält, kämpft um seinen Freund, der ihn zu verlassen droht.

algo pasó (la última obra)

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ALGO PASÓ (LA ÚLTIMA OBRA) 
von Bola de Carne, Thomas Köck, Anna Laner & Andreas Spechtl
Premiere: 23. Oktober 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Warum verschwindet etwas? Wann verschwindet etwas? Und wohin verschwindet es? Und was bleibt zurück? Warum verschwinden Menschen? Welche Spuren hinterlassen Menschen, die verschwinden, welche Spuren hinterlassen ganze Zivilisationen, die verschwinden, und wie soll man die lesen, entziffern, und wozu? Was wäre das für ein Archiv, und wer könnte darüber entscheiden, was dieses Archiv speichert, welche Geschichten gespeichert werden sollen? Und was bedeutet das Verschwinden eigentlich für die Kunst? Für das Theater? Dieses immer flüchtige Medium, das vielleicht überhaupt nur im Verschwinden existiert.
Gerade in den Ländern Mittel- und Südamerikas hat der Begriff des Verschwindens noch ganz andere politische Dimensionen. Unter dem Begriff „los desaparecidos“ (die Verschwundenen) versteht man dort Menschen, die von staatlichen oder quasistaatlichen Sicherheitskräften heimlich verhaftet oder entführt und anschließend gefoltert oder ermordet wurden. Ganz zu schweigen von deutschen Waffen, die in Mexiko in Bundesstaaten verschwinden, in die sie nie hätten gelangen dürfen, und dort am Verschwinden von Menschen beteiligt sind. 

An und aus

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AN UND AUS 
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Burkhard C. Kosminski 
Premiere: 25. September 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Ein kleines Hotel am Hafen. Jeden Montag treffen sich hier Frau Z. und Herr A., Frau A. und Herr Y., Frau Y. und Herr Z. Drei Paare, die sich untereinander betrügen, ohne zu wissen, dass im Zimmer nebenan der eigene Mann, die eigene Frau mit einer anderen, einem anderen im Bett liegt. Denn das Hotel betreten sie immer nacheinander. Vielleicht passen sie so aber auch besser zueinander? Der junge Mann mit der Brille, der im Hotel arbeitet, kennt alle Gäste und ihre heimlichen Treffen. Auch er ist verliebt. Aber das Mädchen, das er liebt, arbeitet oben auf dem Berg und kann dort nicht weg. Plötzlich ein kurzes Flackern − Licht aus, Licht an. Ein Moment der Irritation, irgendetwas stimmt nicht. Auf einmal hat Frau Z. zwei Köpfe und Herrn A. fehlt der Mund. Das Herz von Herrn Y. brennt, während Frau A. versteinert. Das Mädchen fährt mit dem Fahrrad durch die Nacht und sucht nach dem Jungen. Was sich im Hotel und draußen abspielt, wird zu einer surrealen Bilderwelt vergrößert. Nichts bleibt, wie es ist.


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