Don Juan

Bewertung und Kritik zu

DON JUAN 
von Molière
Regie: Achim Freyer 
Premiere: 19. Juni 2021 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Mit dem Ehrgeiz des großen Eroberers eilt Don Juan von Sieg zu Sieg, um sein grenzenloses Verlangen zu stillen. Den Komtur, der seine Tochter schützen wollte, hat er ermordet, Donna Elvira aus dem Kloster entführt, geheiratet und verlassen. Die ganze Lust der Liebe liegt in der Abwechslung – eine Heirat ist für ihn wie ein Schluck Wasser. 
Fasziniert und besorgt begleitet Sganarelle, Don Juans Diener, die erotischen Abenteuer seines Herrn, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt und weder an Himmel noch Hölle glaubt. Weder fürchtet er die Rache von Donna Elviras Brüdern, die ihn verfolgen, noch den Fluch seines Vaters, der ihn wegen seines amoralischen Lebenswandels verurteilt. 
Auf dem Friedhof entdeckt er das Grab und die Statue des von ihm getöteten Komturs und lädt sie zu sich ein. Als der steinerne Gast tatsächlich zum Abendessen erscheint, wird Don Juans letzte Herausforderung zum Gottesgericht. 

Spiel: Matthias Leja, Paula Skorupa, Celina Rongen, Felix Strobel, Valentin Richter und Klaus Rodewald
Gesang: Josefin Feiler / Esther Lee-Freye
Puppenspiel: Léa Duchmann, Helga Lázár / Adeline Johanna Rüss und Anniek Vetter

Inszenierung, Bühne & Kostüme: Achim Freyer
Mitarbeit Regie: Sebastian Sommer
Mitarbeit Bühne: Moritz Nitsche
Mitarbeit Kostüm: Wicke Naujoks
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Klaus-Peter Kehr und Ingoh Brux
Korrepetition: Angela Rutigliano


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Der Verführer am Faden
  · 26.07.21
''Achim Freyer bedient sich aus seinem üppigen Fundus und ergänzt ihn mit Anspielungen auf Mozart, der ihm ja vertraut ist, aber geben wir es zu: an seine Zauberflöten, an seine ebenfalls in Stuttgart realisierte Philip-Glass-Trilogie, an seinen Berliner Eugen Onegin, an seinen Mannheimer Ring reicht dieser Molièresche Don Juan in der historischen Übersetzung von Friedrich Samuel Bierling nicht heran, weder in der Fantasie der Entwürfe mit ihren Reminiszenzen an den Zirkus und an die Commedia dell’arte, noch in der Choreographie. Erstaunlich, wie wenig Freyer zum Komtur einfällt, der bei Molière Kommandeur und hier Commentur heißt. Und wenn auf der Bühne "Reich mir die Hand, mein Leben" geträllert wird, kann meine Nachbarin nicht an sich halten und muss ihre musikalische Bildung unter Beweis stellen, indem sie mitsummt. In die Hölle fährt Don Juan zu einer flüchtigen Projektion, die an den österreichischen Maler Markus Prachensky erinnert.

Im eigentlichen Mittelpunkt dieser Inszenierung steht nicht der erotisch getriebene und umtriebige Freibeuter mit den vielen Gesichtern (ist er vielleicht doch homosexuell oder impotent?), sondern Matthias Leja als der plebejische Skanarell (Mozarts Leporello). Und in einer angedeuteten „Pause“ sitzt das ganze Ensemble schweigend auf der Rampe. Nicht das Schlechteste an diesem warmen Sommerabend.'' schreibt Thomas Rothschild am 24. Juli 2021 auf KULTURA-EXTRA
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