PIGS

Bewertung und Kritik zu

PIGS 
interaktive Installation von Miriam Tscholl
Premiere: 23. Juni 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Der Mensch ist ein Allesfresser. Seit 2,6 Millionen Jahren findet sich neben pflanzlicher auch tierische Nahrung auf dem menschlichen Speiseplan. In Europa das meistverzehrte Tier jedoch im Islam und im Judentum verboten – kein Tier wird ambivalenter betrachtet als das Schwein. Es steht für Glück und Wohlstand, und doch möchte niemand als solches bezeichnet werden. Menschen und Schweine gleichen einander physiologisch, und dennoch distanzieren wir uns von ihnen wie von keinem anderen Tier. Nicht erst seit dem Skandal im Tönnies-Schlachthof wissen wir alle: Fleischproduktion ist oft grausam und wichtiger Mitverursacher der Klimakrise. Ernährung ist eine Frage der Identität geworden und führt zu Streit in Familien und Kantinen. Greenpeace fordert, den Fleischkonsum bis 2050 zu halbieren. Doch warum bleibt dieser in Deutschland seit Jahrzehnten hoch, obwohl viele sich Veränderungen wünschen und das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum und Klimakrise besonders in der jungen Generation rasant gestiegen ist?

Mit: Hardy Punzel und Fabian Raabe

Inszenierung: Miriam Tscholl
Ausstattung: Bernhard Siegl
Musik: Polina Lapkovskaja,
Licht: Stefan Maria Schmidt
Dramaturgie: Christina Schlögl


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Nie wieder Schweinefleisch
  · 24.06.22
''Das Publikum wird von Bildschirm zu Bildschirm gejagt, mal per Du, mal per Sie angesprochen und aufgefordert, vorformulierte Fragen aus einer Menükarte an ein Gegenüber der Wahl zu stellen. Was also ist interaktiv an dem Nicht-Stück von Miriam Tscholl? Die Befolgung von Anweisungen und Befehlen? Die Aufforderung zum Gehorchen ("Wollt ihr das totale Geschwätz?") bei dem Widerspruch nicht zum Kalkül gehört? Die Frage, ob sich die Klimakatastrophe durch individuellen Verzicht auf Fleisch, Eier oder Garnelen in den Griff kriegen lässt, oder ob es nicht sinnvoller wäre, zum Boykott aller Politiker aufzurufen, die die Autoindustrie fördern, ist im vorliegenden Katalog nicht vorgesehen.

Was uns da aus Hildesheim hereinweht ist Pseudokommunikation der schlichten Art. Verglichen mit dem „Dialog“ mit „Fachleuten“, die inzwischen daheim – bei der Bratwurst? – sitzen und die man nicht unterbrechen kann, weil sie nur Abbilder sind, kommuniziert die Schauspielerin, der Schauspieler auf der Bühne im „normalen“ Theater weit mehr mit dem Publikum. Wie die Dinge liegen, werden wir den interaktiven Installationsschachsinn jedoch noch eine Weile ertragen müssen. Es hört uns ja niemand.'' schreibt Thomas Rothschild am 24. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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