Odyssey. A Story for Hollywood

Bewertung und Kritik zu

ODYSSEY. A STORY FOR HOLLYWOOD 
Nowy Teatr, Warschau
Regie: Krzysztof Warlikowski 
Premiere: 7. April 2022 
Schauspiel Stuttgart

Zum Inhalt: Odyssey. A Story for Hollywood nimmt uns mit auf eine Reise von Homer und seinem Helden Odysseus zu Hanna Krall und ihrer Heldin Izolda, einer polnischen Jüdin. Ihr Kampf um die Rettung ihres Mannes während des Krieges stellt sie vor Herausforderungen, die es mit jeder Herkulesaufgabe aufnehmen können. Zwei gewaltige Konflikte: Der eine steht im Zusammenhang mit dem ersten Krieg der Menschheit - der Belagerung von Troja -, der andere ist unauflöslich mit den Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges verknüpft.
Was hat das alles heute mit uns zu tun? Wohin würden wir gerne nach langen Irrfahrten zurückkehren? Wie sieht unser Hades aus, und wo sind all unsere Götter geblieben? Wo ist Pallas Athene, die so gerne das Herz von Odysseus erobern wollte? Und wo ist die Heilige Mutter Maria, die Izolda beschützt hat? Haben selbst die Götter den Glauben an die Möglichkeit einer glücklichen Rückkehr verloren und blicken in eine Zukunft, in der unsere Welt einen unumkehrbaren Kurs eingeschlagen hat? Wir alle leben in Angst, und allein können wir nichts dagegen tun. Wir versuchen sie zu besiegen, indem wir leichtsinnig sind.

Mit: Mariusz Bonaszewski, Stanisław Brudny, Agata Buzek, Andrzej Chyra, Magdalena Cielecka, Ewa Dałkowska, Bartosz Gelner, Małgorzata Hajewska-Krzysztofik, Jadwiga Jankowska-Cieślak, Wojciech Kalarus, Marek Kalita, Hiroaki Murakami, Maja Ostaszewska, Jaśmina Polak, Piotr Polak, Jacek Poniedziałek; im Video: Maja Komorowska und Krystyna Zachwatowicz-Wajda

Inszenierung: Krzysztof Warlikowski
Text: Krzysztof Warlikowski, Piotr Gruszczyński mit Adam Radecki
Mitarbeit: Szczepan Orłowski und Jacek Poniedziałek
Künstlerische Mitarbeit: Claude Bardouil
Bühne und Kostüme: Małgorzata Szczęśniak
Dramaturgie: Piotr Gruszczyński
Mitarbeit: Anna Lewandowska
Musik: Paweł Mykietyn
Licht: Felice Ross
Video und Animation: Kamil Polak


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Elizabeth Taylor und Hannah Arendt auf der Bühne
  · 08.04.22
Fast die ganze Aufführung hindurch wird langsam und leise gesprochen. Was man auf Teilen der Bühne sieht, wird mittels Video und mit sich verändernder Perspektive auf eine große Leinwand projiziert. Das hat insofern eine Logik, als Film eines der abgehandelten Themen ist, genauer: die Frage, ob das Kino den Holocaust darstellen kann und wenn ja, auf welche Weise. 

In dem Stück treten allerlei historische Persönlichkeiten auf: Elizabeth Taylor, Marek Hlasko, Roman Polański, Claude Lanzmann. Und Izolda Regensberg, die tatsächlich existiert hat und deren Lebensgeschichte Hanna Krall nacherzählt hat. Eine lange Szene zeigt das Treffen von Hannah Arendt und Martin Heidegger 1950 im Schwarzwald, zu dem sich ein buddhistischer Mönch gesellt, der sich verlaufen hat. Und man fragt sich ganz nebenbei, welcher deutscher Autor zwei polnische Philosophen zu Bühnenfiguren zu machen imstande wäre.

Odyssey. A Story for Hollywood ist, ganz unzeitgemäß, Bildungstheater, vollgestopft mit Anspielungen, unter anderem auf Shakespeares Richard III., auf Malaparte, auf Coetzee, auf den Filmregisseur Theo Angelopoulos. Und weil ich nicht so tun möchte, als hätte ich alle Zitate selbst identifiziert: Dank an die Pressesprecherin des Stuttgarter Theaters, die mich vorweg mit den Informationen versehen hat. Und Dank an Zofia Zielińska, die mir einst die Grundzüge der polnischen Sprache beigebracht hat. Am Schluss verneigt sich Warlikowski vor dem leider nur halb gefüllten Saal, wie immer mit zerrauftem Haar und bedröppelt, als wäre ihm der Jubel des Publikums peinlich.'' schreibt Thomas Rothschild am 8. April 2022 auf KULTURA-EXTRA
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