DRESDEN


Staatsschauspiel Dresden
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Theaterstraße 2 - 01067 Dresden
Telefon: 03 51.49 13-50
SPIELPLAN & KARTEN

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Bewertung und Kritik zu

Watership Down – Unten am Fluss

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WATERSHIP DOWN – UNTEN AM FLUSS 
nach dem Roman von Richard Adams
Regie: Tom Kühnel 
Premiere: 3. Juni 2022 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Fiver konnte Gefahr spüren, etwas Schreckliches würde geschehen. Sein Bruder Hazel glaubte ihm, sie mussten fort. Mit ein paar Gefährten machen sich die Wildkaninchen auf den Weg, eine neue Heimat zu suchen. Sie müssen all ihren Mut aufbringen, um sich aus Schlingen zu befreien und despotischer Kaninchen zu erwehren. Den ungleichen Kampf zwischen Mensch und Tier – sie fechten ihn aus, wählen die wilde Natur anstelle eines behüteten Lebens im Gehege. WATERSHIP DOWN handelt von der Rebellion in einem Kaninchenbau und der Suche der Rebellen nach der besten aller Welten. Der Roman wurde zum Klassiker der animal fantasy und gilt mittlerweile als eine der großen literarischen Auseinandersetzungen mit dystopischen Gesellschaftssystemen im 20.  Jahrhundert.

Vor den Vätern sterben die Söhne

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VOR DEN VÄTERN STERBEN DIE SÖHNE 
nach Thomas Brasch
Regie: Sebastian Hartmann 
Premiere: 2. Juni 2022 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Thomas Braschs Prosaband VOR DEN VÄTERN STERBEN DIE SÖHNE erschien 1977 in der Bundesrepublik und machte den Autor ­schlagartig berühmt. Kurz zuvor war Brasch aus der DDR ausgereist. 1945 als Kind jüdischer Emigranten in London geboren und in der DDR aufgewachsen, ist Braschs Leben ein Spiegel der Nachkriegszeit in der Spannung von Aufbruch und Enttäuschung. Verhaftet wegen angeblicher „staatsfeindlicher Hetze“, wird Brasch nach dem Gefängnis zur Arbeit „in die Produktion“ geschickt. Der junge Autor nutzt die Zeit und die Begegnungen, die er macht, und schreibt eine ungemein dichte und doch leichte Prosa. Realistische Schilderungen werden zu poetischen Bildern von der Sehnsucht nach einem anderen, sinnhaften, sinnlichen und freien Leben. Der junge Robert, einer der Protagonisten in Braschs Erzählungen, fordert ein Leben „ohne Fabriken, ohne Autos, ohne Zensuren, ohne Stechuhren. Ohne Angst. Ohne Polizei.“ Braschs Texte sind einerseits geprägt vom Leben in der DDR, andererseits gehen sie in ihrer Phantasie und poetischen Spannweite weit über eine orts- und zeitbezogene Milieuschilderung hinaus. Sie erzählen von den Widersprüchen, Konflikten und den Seelenzuständen der Menschen in der Zeit des Kalten Krieges und von einer großen Sehnsucht nach einer gerechten und gewaltfreien Welt. Sebastian Hartmann wird in seiner fünften Arbeit am Staatsschauspiel Dresden die Dichtung Braschs auf der Bühne des Schauspielhauses zum theatralen Erlebnis machen.

Wallenstein

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WALLENSTEIN 
von Friedrich Schiller
Regie: Frank Castorf
Premiere: 14. April 2022 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein einschneidendes Ereignis der deutschen und europäischen Geschichte, das in seiner künstlerischen Aneignung Schiller wie auch später Bertolt Brecht zum Überarbeiten tradierter Kunstformen geführt hat. Schiller entwirft mit seinem Wallenstein das Porträt eines sich selbst ermächtigenden Herrschers, der einen Platz für sich in Europa beansprucht und sich damit gegen das überkommene Machtgefüge auflehnt. Der historische Wallenstein war einer der ersten modernen Kriegsunternehmer, bei ihm waren Feldzüge auch wirtschaftliche Unternehmungen. Im Krieg werden Grenzen neu gezogen, am Ende wird die Beute verteilt unter den Herrschenden, während ganze Bevölkerungen zu Nomaden werden, wenn sie nicht ermordet oder ausgehungert worden sind. Dreihundert Jahre nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag begann mit einem Attentat der Erste Weltkrieg, der nach nur kurzer Friedenszeit in den Zweiten Weltkrieg mündete – eine Geschichte von Völkermord und Zerstörung, die fast dreißig Jahre anhielt. Mit den von Schiller ‚erfundenen‘ Figuren Max Piccolomini und Wallensteins Tochter Thekla führte Schiller einen unbedingten Freiheitsbegriff und ein ethisches Korrektiv in die Handlung ein, so wie er sie in seinen theoretischen Schriften entworfen hatte. Doch welchen Bestand hat ein ‚kategorischer‘ ethischer Anspruch, wenn es im Krieg, damals wie heute, um die Ressourcen dieser Welt geht?
Erstmals inszeniert Regisseur Frank Castorf in Dresden und zeigt seine Lesart von Schillers Monumentaldrama und seine Reflexionen zur deutschen und europäischen Geschichte.

Zwei Krawatten

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ZWEI KRAWATTEN 
von Georg Kaiser / Mischa Spoliansky
Regie: Matthias Reichwald 
Premiere: 12. April 2022 
Staatsoperette Dresden 

Zum Inhalt: Der Kellner Jean wird auf einer eleganten Abendveranstaltung von einem der Ballgäste zum Tausch der Krawatten überredet: Kaum ist die einfache schwarze Krawatte ersetzt durch die weiß-seidene, beginnt für Jean ein taumelndes Leben in der gehobenen Gesellschaft. Ein Tombola-Los beschert ihm eine Reise nach Amerika, die er in Begleitung der betuchten und investmentfreudigen Mabel antritt. Als er sich in seiner angestammten Kellerkaschemme von Freundin Trude halbherzig verabschiedet und diese sich kurzerhand entschließt, ihm heimlich nachzureisen, ahnen beide noch nicht, dass Trude sich als gesuchte Millionenerbin entpuppen wird. Angekommen in den pulsierenden Metropolen der Neuen Welt, muss Jean bald feststellen, dass er von den weiblichen Großindustriellen als Kapitalanlage vermarktet wird, denn: „Alles ist Geschäft“. Wird er seine große Chance im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nutzen?

Die turbulente Kabarett-Revue von Mischa Spoliansky und Georg Kaiser lässt mit Jazzband-Klängen und amerikanischen Modetänzen das Berlin der 1920er Jahre auferstehen und stellt hochaktuelle Fragen nach Schein und Sein, nach der Willkür gesellschaftlicher Zuschreibungen und wahrem Reichtum.

Transverse Orientation

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TRANSVERSE ORIENTATION 
von Dimitris Papaioannou
Premiere: 2. Juni 2021 (Biennale de la Danse de Lyon) 
Deutschland-Premiere: 1. April 2022 
Hellerau Dresden

Zum Inhalt: Der visuelle Philosoph, Künstler und Choreograf Dimitris Papaioannou, der sich in seinen Arbeiten mit existenziellen Fragen des Lebens und des Menschseins auseinandersetzt, erzeugt mit der Fragmentarisierung und Erschaffung menschlicher Körperbilder eindringliche surreale Bilder. Bezugnehmend auf große Themen der Kunstgeschichte und griechischen Mythologie wendet sich die junge Generation in „Transverse Orientation“ gegen einen riesigen Stier, der eine gewalttätige, antiquierte Macht symbolisiert. Der Stier wird getötet, so wie der mythische Held Theseus den Minotaurus (halb Mensch, halb Stier) auf Kreta getötet hat: in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dennoch hat Papaioannou Bewunderung und Mitgefühl für die Archetypen, die er symbolisch schätzt: „Sie haben den Lauf der Geschichte bestimmt und den Menschen eine Richtung gegeben“. Mit einem großartigen Gespür für Komposition, Timing und Sinn für Humor ist „Transverse Orientation“ sowohl eine Ode an die Vorfahren als auch ein Abschied von ihnen – mit Potenzial für Neues.

Alice

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ALICE 
nach Lewis Carroll
Regie: Mina Salehpour 
Premiere: 15. Januar 2022 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Im Zentrum der Geschichte stehen ein Mann und ein Mädchen. Wer bin ich, fragt das Mädchen, das durchs Eis gebrochen und tief hinabgesunken ist in eine Wunderwelt, in der Blumen sprechen, Raupen lebenspraktische Ratschläge erteilen, eine verrückte Teegesellschaft die Zeit totschlägt und alle vor einer ungerechten Königin zittern.
Charles Dodgson liebt die kleine Alice. Für sie erfindet er all die fantastischen Geschichten, Wortspiele und Rätsel. Indem er sie fotografiert, versucht er den Moment festzuhalten, aber die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Alice wird erwachsen und blickt zurück auf die gespenstischen Seiten der Geschichte, als sie stumm sein musste.

Rise Like A Virus

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RISE LIKE A VIRUS 
von Joachim Gottfried Goller
Online-Premiere:15. Januar 2021 (Universität Mozarteum Salzburg) 
Premiere: 13. November 2021 (Fast Forward) 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: „Manchmal hat er das Gefühl, alle haben die 80er vergessen“, schreibt Joachim Gottfried Goller in seiner Vita über sich selbst. Warum die 80er für ihn, der 1992 geboren ist, wichtig sind, erklärt er nicht. Seine Inszenierung RISE LIKE A VIRUS entstand im 3. Studienjahr im Lockdown-Winter 20/21 am Mozarteum in Salzburg und könnte ein Hinweis sein. Die vorletzte Dekade des 20. Jahrhunderts bringt das Ende der Systemopposition zwischen Ost und West und ist von Entwicklungen geprägt, die bis heute wirken: Digitalisierung, Umweltschutz, Krieg, Hungerkatastrophen, Tschernobyl, der neoliberale Turn, die Immunschwächekrankheit AIDS. AIDS ist das Thema von RISE LIKE A VIRUS. Die Inszenierung traut sich, einer Party zu ähneln und in Situation, Szene und Soundtrack engagiert, klug und spielerisch die Atmosphäre einer Pandemie einzufangen. Der Abend handelt von Schicksalen, explizitem Sex und der Rebellion gegen Grenzen aller Art. 1981 wurden die Folgen einer Infektion mit dem HI-Virus zur pandemischen Krankheit erklärt. Für die Betroffenen waren sie, anders als heute, Todesurteile. Vor allem die sexuelle Übertragbarkeit von HIV führte zu einer ungeheuerlichen Stigmatisierung von sozialen Gruppen und Lebensweisen. Über Nacht schien zunichte gemacht, wofür die Bürgerbewegungen der 60er Jahre gekämpft hatten: Toleranz und Gleichberechtigung.

Serce (Herz)

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SERCE (HERZ) 
nach Joseph Conrad
Regie: Wiktor Bagiński 
Premiere: 5. März 2021 (TR Warszawa) 
Deutschland-Premiere: 11. November 2021 (Saal & Online, Fast Forward Festival) 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: SERCE ist Wiktor Bagińskis Debüt am TR Warszawa, mit dem er den Preis des polnischen Forums für junge Regie einlöste und sein Studium an der Theaterakademie Krakau abschloss. Bagińskis eigene Biografie wird hier zum Ausgangspunkt einer beeindruckenden künstlerischen Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Europas und ihren Folgen bis heute. Mit der Autorin Martyna Wawrzyniak überschreibt er Conrads HERZ DER FINSTERNIS mit der Geschichte eines jungen Polen, der als Person of Color ohne Vater aufwächst, den er auch nie kennenlernt. Seine Reise ins Herz der eigenen Geschichte wird am TR Warszawa von einem weißen Ensemble gespielt. Bagiński öffnet damit auf der Bühne einen außerordentlichen Raum: der Begegnung, des Konflikts, des Erzählens über eines der zentralen Themen unserer Gegenwart:
„Meine Tragödie ist nicht, dass ich schwarz bin. Meine Tragödie ist nicht einmal, dass ich ein schwarzer Pole bin. Die Tragödie, die ich – in Anlehnung an James Baldwin – am meisten fürchte, besteht darin, eine Theologie zu akzeptieren, die sich weigert, zu leben. Es geht um die Möglichkeit zu erwägen, ein Untermensch zu sein. Wenn eine solche Möglichkeit, oder vielmehr nur ein Gedanke, zugelassen wird, dann beginnt der Kampf um die eigene Menschlichkeit. SERCE gibt den Diskurs zugunsten der Erfahrung auf. Der Erfahrungen von Verlust und Ablehnung, die Leid brachten. Aber die Suche nach diesem einen Moment, in dem der Hass zur Welt kommt, erlaubt die unbekümmerte Bejahung der ABWESENHEIT. Abwesenheit eines Vaters.“ Wiktor Bagiński

FUCK YOU, EU.RO.PA!

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FUCK YOU, EU.RO.PA! 
von Nicoleta Esinencu
Regie: Délit B.-malthet 
Premiere: November 2020 (Maillon, Theater der Stadt Straßburg) 
Deutschland-Premiere: 11. November 2021 (Online, Fast Forward Festival) 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Nicoleta Esinencu wurde 1978 in einem Land geboren, das es heute nicht mehr gibt. So wie die Protagonistin in FUCK YOU, EU.RO.PA!, dem Stück, das die moldawische Autorin als Stipendiatin auf Schloss Solitude in Stuttgart schrieb und das ihr 2005 den rumänischen dramAcum-Preis und ein Aufführungsverbot in Moldawien einbrachte. Esinencus Monolog ist ein selbstbewusstes Spiel mit dem Gegenüber, ist Geständnis, Anklage, Symptomsammlung und Gedächtnis einer Transformation: vom Kommunismus zum Postkommunismus, in die neue Zeit, in der sich alles und vieles nicht ändert, vom Heilsversprechen zur Desillusionierung.

Die rechtschaffenen Mörder

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DIE RECHTSCHAFFENEN MÖRDER 
nach dem Roman von Ingo Schulze
Regie: Claudia Bauer 
Premiere: 22. Oktober 2021 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Norbert Paulini, ein berühmter Dresdner Antiquar, versorgt in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine kleine geistige Elite mit seinen Büchern, die wie Kostbarkeiten begehrt werden. Nach dem Fall der Mauer leidet Paulini unter seinem Statusverlust und finanziellen Nöten: Seine hochgeschätzten Raritäten sind nun frei auf dem Markt verfügbar. Die einst so treue Kundschaft bleibt aus. Verbittert tritt der Antiquar den seelischen und räumlichen Rückzug an und nimmt zunehmend rechtsextreme Positionen ein. So zumindest schildert es Schultze, Ingo Schulzes fiktives Alter Ego, ein inzwischen erfolgreicher, kosmopolitischer Schriftsteller, der Paulini in DDR-Zeiten verehrte. Beide lieben nun dieselbe Frau, Lisa. Doch nicht nur das macht sie zu Rivalen: Schultze, der nach 1989 die Demokratisierung des Landes voranbringen wollte, hat in der westlichen Welt Fuß gefasst und die Gesetze des Marktes verinnerlicht. Zwischen ihm und Paulini, der ökonomisch und sozial abgehängt in einem Nest in der Sächsischen Schweiz haust, liegen Welten. Ihre unterschiedlichen Wertvorstellungen führen zu einer Entfremdung und Feindschaft, die symptomatisch für das gesellschaftliche Klima unserer Gegenwart sind.
Als Paulini und Lisa gewaltsam zu Tode kommen, stellt sich die Frage, ob Schultze in die Tat verwickelt ist. Seine moralische Integrität steht damit auf dem Prüfstand und mit ihr die schnellen Antworten, wenn es um die Suche nach den Schuldigen für die Spaltung unserer Gesellschaft geht.
„Im Dresdner Stadtteil Blasewitz lebte einst ein Antiquar …“: was in Ingo Schulzes Dresden-Roman wie ein Märchen beginnt, mündet in eine Auseinandersetzung mit den Ursachen gesellschaftlicher Polarisierungen und deren Auswirkungen.


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