Bewertung und Kritik zu

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GEÄCHTET
von Ayad Akhtar
Regie: Nicolai Sykosch 
Premiere: 6. Oktober 2018
Staatsschauspiel Dresden

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Der UntertanZum Inhalt: AMIR  Der Islam kommt aus der Wüste. Von Menschen, die streng gedacht und streng gelebt haben. Für die das Leben etwas Hartes, Erbarmungsloses war. Etwas, das man erleiden muss … Juden haben anders auf diese Situation reagiert. Sie haben immer und immer und immer wieder drüber diskutiert … Ich meine, schau in den Talmud. Sie betrachten die Dinge aus hundert verschiedenen Blickwinkeln, wollen alles relativieren, leichter machen, lebbarer … Was sie auch tun – Muslime machen es anders. Muslime denken nicht darüber nach. Sie unterwerfen sich. Genau das bedeutet übrigens Islam. Unterwerfung.
Dem aufstrebenden New Yorker Anwalt Amir Kapoor könnte es nicht besser gehen: Demnächst soll er zum Partner der jüdischen Kanzlei werden, in der er arbeitet, er ist verheiratet mit der erfolgreichen und gut­aussehenden Künstlerin Emily, und von seinen pakistanischen Wurzeln hat er sich so vollkommen distanziert, dass er ein Vorbild an Integration darstellt. Doch als Emilys Galerist Isaac und Amirs Kollegin Jory zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen werden, zeigt die glänzende Fassade mit zunehmendem Alkoholkonsum schnell ihre Risse. Unterdrückte Vorurteile und rassistische Klischees werden auf den Tisch gepackt, Anschuldigungen erhoben und Affären aufgedeckt. Religiöse Konflikte und karrieristische Bestrebungen wechseln sich rasant mit persönlichen Verletzungen und Eifersucht ab, bis die unterschwelligen Bilder, die man sich vom anderen gemacht hat, plötzlich Wirklichkeit werden. 

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MOSES UND ARON
von Arnold Schönberg
Regie: Calixto Bieito 
Premiere: 29. September 2018 
Semperoper Dresden
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Zum Inhalt: Moses wird vom biblischen Gott damit beauftragt, das Volk Israel von falschen Göttern und aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien. Da Moses sich dem Auftrag zuerst verweigert, stellt ihm Gott seinen Bruder Aron zur Seite. Und so kämpfen die ungleichen Brüder in der Wüste um die Vermittlung des Nichtvermittelbaren und die Befreiung des Volkes aus Unmündigkeit und politischer Knechtschaft. Aron mit sichtbaren Wundern und wohlgesetzter Rede, mit Tanz, Ekstase und dem Goldenen Kalb; während Moses um Ausdruck und Reinheit seiner religiösen Vision ringt, um verzweifelt zu schließen: »O Wort, du Wort, das mir fehlt!« Mit diesem Satz endet die Oper, die Arnold Schönberg mit seinem Tode 1951 nach über zwanzig Jahren der Beschäftigung unvollendet hinterließ. »Moses und Aron« ist ein im besten Sinne herausforderndes Schlüsselwerk des Musiktheaters, ein stilistisch enorm vielschichtiges Werk mit Sprechgesang, gewaltigen Chören und faszinierenden Klangbildern aus polyphonen Stimmführungen, abwechslungsreicher Instrumentation und abgestufter Dynamik.

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ODYSSEE
von Roland Schimmelpfennig
Regie: Tilmann Köhler 
Premiere: 15. September 2018
Staatsschauspiel Dresden
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Der UntertanZum Inhalt: Homers ODYSSEE ist das früheste große europäische Epos über eine Kolonialisierung und ihre Folgen. In ihm schlägt sich zugleich, wie Horkheimer und Adorno anmerkten, „die Erinnerung an Geschichte nieder, welche Sesshaftigkeit, die Voraussetzung aller Heimat, aufs nomadische Zeitalter folgen ließ.“ Die zehnjähre Irrfahrt des mythischen Helden Odysseus, der durch seine List den Krieg gegen Troja entschieden hatte und danach über das Mittelmeer trieb, um seine Heimatstadt Ithaka zu erreichen, zeigt, wie der Krieg in der Fremde die Kolonisatoren selbst zu Nomaden und Migranten macht. Odysseus ist sich selbst, seiner Heimat und seiner Frau Penelope fremd geworden, und als Fremder kehrt er zurück – aber wohin?
Roland Schimmelpfennig, dessen Texte eine neue Form dramatischer Literatur bilden und weit über den deutschsprachigen Raum gespielt werden, hat im Auftrag des Staatsschauspiels Dresden die ODYSSEE neu und für die Bühne des Schauspielhauses geschrieben. Wie auch bei Homer werden in seiner ODYSSEE viele der Ereignisse nicht unmittelbar dargestellt, sondern als bereits vergangene erzählt oder auch erfunden. Penelope liebt einen Lehrer in dessen Kleinwagen, der Lehrer erzählt immer neue Geschichte von Odysseus, bis dieser schließlich heimkehrt nach Ithaka. Auf dem Weg dorthin fragen sich Odysseus und seine Begleiter, was das eigentlich ist, Heimat, und ob es ein Grundrecht darauf gibt. Sie begegnen dem Zyklopen, der die Eindringlinge vernichten will, andere nehmen sie auf und feiern mit ihnen, aber der kurze Willkommensrausch ist schnell vorbei.

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WIR SIND AUCH NUR EIN VOLK
von Jurek Becker
Regie: Jan-Christoph Gockel 
Premiere: 8. September 2018
Staatsschauspiel Dresden
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Der UntertanZum Inhalt: Wenn Ossis und Wessis einander nicht verstehen, hilft nur eins: das Fernsehen. Also beschließen dessen Chefs, die Serie zur Einheit zu produzieren. Für das Drehbuch des ‚Straßenfegers‘ wird der angesagte Autor Steinheim verpflichtet. Blöd nur, dass der nie im Osten war. Ein Crashkurs soll ihn auf Vordermann bringen. Als Studienobjekt dient das ostdeutsche Schlitzohr Benno Grimm nebst Familie. Die Grimms sind ‚Osten pur‘: Benno, Mitte Fünfzig, ehemals Dispatcher, jetzt abgewickelt, ist immer noch imstande, „ganze Sätze zu formulieren“. Trude, seine Frau, hält sich als Lehrerin für unbelastet: „was immer das bedeutet“. Ihr Vater, ein Rentner, hat sich von der Wiedervereinigung sowieso nichts versprochen, weshalb er „nicht so enttäuscht ist wie diese Trottel.“ Sohn Theo, ein abgebrochener Philosophiestudent, motzt gegen die ganze Fernsehsache, bei der die Familie „die Rolle von Insekten spielen soll, die sich einer unter der Lupe ansehen kommt.“ Genau das will Steinheim, doch die Grimms wissen, dass das gut honorierte Dasein als Insekten nur solange funktioniert, wie sich das Fernsehen für sie interessiert. Also inszenieren sie ihr Ost-Dasein, dass dem Wessi Hören und Sehen vergeht.

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DER UNTERTAN
von Heinrich Mann
Regie: Jan-Christoph Gockel 
Premiere: 7. September 2018
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Der UntertanZum Inhalt: Der ‚Untertan‘ ist Diederich Hessling – „ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.“ Er misstraut dem Vater und verehrt ihn doch. Die Macht der Schule ist ihm zuwider, den strengen Einsatz des Rohrstocks lobt er trotzdem. Heßling ist einer, der nach oben buckelt und nach unten tritt.

In einer bitteren Satire analysierte Heinrich Mann visionär die nationalistische Politik und deutsche Mentalität der Vorkriegszeit und zeichnet eine Gesellschaft und ihre Protagonisten, die sich immer willenloser von den Strömungen des Zeitgeistes treiben lassen. Sie huldigen einem falschen Patriotismus und sind rücksichtslos auf ihre kleinen Vorteile bedacht. Die herrschende Moral ist doppelbödig. Eine Moral, die sich allein nach dem persönlichen Nutzen ausrechnet – mal kommt eine Brise Antisemitismus gelegen, mal die Angst vor dem Sozialismus. Frauen sind begehrenswert, wenn sie reiche Erbinnen sind oder sich in jenen Tabuzonen bewegen, die nicht zum Bereich der Öffentlichkeit gehören. Kurt Tucholsky rühmte den Roman als „Enthüllung des deutschen Seelenzustandes“ und als „Anatomie-Atlas“ des Wilhelminischen Kaiserreichs. – Heute sind die Fürsten lange fort. Und der deutsche Untertan? Gibt es ihn noch?

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CIRCUS SARRASANI. THE GREATEST SHOW ON EARTH
von Rainald Grebe
Regie: Rainald Grebe 
Premiere: 26. Mai 2018 
Staatsschauspiel Dresden

Zum Inhalt: Jahrelang gab es für viele nichts Aufregenderes als einen Zirkusbesuch. Menschen aller Stände, Klassen und Schichten strömten auf der Suche nach dem wohligen Schauer hinter sicheren Gittern, dem atemlosen Staunen über waghalsige Salti und der hemmungslosen Heiterkeit der Clowns in das Rund der Arena. Keiner, der je dort war, konnte den Geruch von Sägespänen, Tieren, Schweiß und Popcorn vergessen; keiner die Erwartung, gerade heute den ungeheuerlichsten Attraktionen aus den entlegensten Orten der Welt zu begegnen. Live, handgemacht, ohne Netz und doppelten Boden!
Zu jenen magischen Orten der Unterhaltung gehörte der Circus Sarrasani. Um 1900 von Hans Stosch-Sarrasani in Dresden gegründet, war er bald einer der größten und elegantesten in Europa. Kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde in der Dresdner Neustadt ein festes Zirkusgebäude errichtet, das „Theater der 5000“. Heute scheint die Zeit des Zirkus zu Ende, nicht nur in Dresden. Die Gründe sind vielfältig. Der Zirkus war Weltausstellung, Völkerschau, Panoptikum und Jahrmarkt. Doch nie galt er als Kunstform, nie erfuhr er staatliche Förderung, immer stak er mittendrin in der Marktwirtschaft. Ein internationales Ding. Ein Riesenunternehmen. Ein Übertreibungsapparat. – Rainald Grebe macht sich auf die Suche nach Sarrasani, nach dem verlorenen Zirkus, auf die Suche nach Artisten und Raubtieren, nach U und E. Manege frei für ein Stück Dresden.

Weiterlesen: Circus Sarrasani. The Greatest Show on Earth

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VON DER LANGEN REISE AUF EINER HEUTE ÜBERHAUPT NICHT MEHR WEITEN STRECKE 
von Henriette Dushe
Regie: Babett Grube 
Premiere: 18. Mai 2018 
Staatsschauspiel Dresden

Zum Inhalt: Auf in ein besseres, bunteres, freieres Leben! Mit Enthusiasmus plant der Vater die Ausreise aus der DDR, schreibt Packlisten, wappnet seine Töchter gegen alle Schikanen und redet die Sorgen der Mutter klein. Doch es ist eine Reise, deren Ende in der niedersächsischen Provinz nie zur Ankunft wird, und gerade der, der sie am meisten wollte, wird sich im neuen Leben nicht zurechtfinden, sich in sich selbst zurückziehen, verschwinden. Statt der großen Träume und Erwartungen durchlebt die Familie eine Zeit voller Enttäuschung und Verfolgungswahn, voller Ärger und gegenseitiger Vorwürfe. Trost und Verständnis finden sich nur selten und die Deutungshoheit über die Familienerinnerung wird zum Kampfplatz, auf dem jede der Töchter sich doch noch zu behaupten versucht. Für ihr 2013 entstandenes Stück komponiert Henriette Dushe eine mehrstimmige Partitur, in der die Erinnerungen der Schwestern und der Mutter immer wieder um die Leerstelle des Vaters kreisen und in ihrer Vehemenz zum Maßstab für die Stabilität der Familie und der eigenen Identität werden. Jede definiert sich über das, woran sie sich erinnert, und wer sich nicht miterinnern oder sogar anders erinnern will, wird zur Gefahr für das mühsam aufgebaute eigene Selbst. Der Schlussstrich, den die Mutter will, ist unmöglich und die Vergangenheit muss immer neu verhandelt werden, um mit der Gegenwart zurecht zu kommen. Am Ende steht das Versprechen der Mutter, dass alles gut werde, doch da ahnt man als Zuschauer*in schon, wie es um die Versprechen dieser Familie bestellt ist.

Weiterlesen: Von der langen Reise auf einer heute überhaupt nicht mehr weiten Strecke

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ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
Regie: Sebastian Hartmann 
Premiere: 29. März 2018 
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DekalogZum Inhalt: Dostojewski lässt in seinem Roman, erschienen 1861, den fiktiven Autor Iwan Petrowitsch auf den Zyniker Fürst Walkowski treffen, dem es Vergnügen bereitet, alles Gerede über Altruismus und selbstaufopfernde Liebe als bloße Illusion zu verspotten. Beide begegnen sich eines Abends im von Dostojewski als düsterer Großstadtmoloch geschilderten Petersburg. Walkowski hat seinen Sohn, den willensschwachen, kindlichen Aljoscha, bei seinem Verwalter und dessen Familie, den Ichmenews, untergebracht, bei denen auch der junge Dichter aufwuchs. Die Tochter der Ichmenews, Natascha, verliebt sich und verlässt mit Aljoscha die Familie. Walkowski verklagt seinen Verwalter und bezichtigt ihn der Intrige. In rasanter Folge gehen die Liebesverwirrungen sowie deren skrupellose Instrumentalisierung und der soziale Abstieg ganzer Familien ineinander über. Despotisch ist nicht nur der Fürst, sondern alle Figuren sind von ihrem verletzten Selbst und der Sucht nach Genugtuung getrieben. Hinter den großen Emotionen aber geht es schlicht um Vermögensanteile: „Das Leben ist ein Handelsgeschäft; werfen sie ihr Geld nicht umsonst weg“, rät Walkowski dem mittellosen Dichter.

Weiterlesen: Erniedrigte und Beleidigte

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3.7
Durchschnittsnote aller Stücke
5 8
4 9
3 4
2 2
1 3
Kritiken: 14

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