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Bewertung und Kritik zu

DAS BLAUE WUNDER
von Thomas Freyer, Ulf Schmidt
Regie: Volker Lösch 
Premiere: 26. Januar 2019 
Staatsschauspiel Dresden 

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Zum Inhalt: „So geht’s nicht weiter. Etwas muss sich ändern. Grundlegend und sofort.“ Davon überzeugt, bricht eine Gruppe Dresdner Bürger zu neuen Ufern auf. Natürlich per Schiff; die Dresdner sind erfahrene Dampfschifffahrer. Der Kurs ihrer Reise geht hart nach rechts, ihr Logbuch ist das „Blaue Buch“, in dem die Grundlinien für eine alternative Zukunft beschrieben werden.
Verrückt, auf wie viele Fragen dieses Buch eine Antwort hat! Natürlich darauf, wie das Zusammenleben auf dem Schiff organisiert werden muss, und was dabei die Frauen zu tun und zu lassen haben, und wie man die Geburtenrate steigert, damit am Ende der Reise die Richtigen in der Mehrzahl sind. Steht alles drin im „Blauen Buch“. Ebenso, was man mit einer erfahrende Schiffsmannschaft macht, von denen keiner eine Deutsche oder ein Deutscher ist ...
Das „Blaue Buch“ gibt Antworten, wo andere nur Fragen stellen. Mit Fragen aber kommt keiner zu neuen Ufern. Ressentiments und Zweifel bringen vom rechten Kurs ab! Gut, dass die Passagiere davon nicht gequält werden. Sie kämpfen dafür, dass das „Blaue Buch“ konsequent umgesetzt wird. 
Wenn einigen das übertrieben und radikal erscheint, sei’s drum: Für einen Kurswechsel braucht es Entschlossenheit. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und wenn Dresden die Hauptstadt der Bewegung werden soll, dann darf nicht gekleckert werden. 
Volker Löschs neue Inszenierung spielt mit grotesker Überzeichnung durch, was passiert, wenn die politischen Forderungen der neuen Rechten kompromisslos umgesetzt werden. Und fragt: Wer leistet in Dresden Widerstand dagegen?

Mit Ursula Hobmair, Holger Hübner, Hannah Jaitner, Karina Plachetka, Matthias Reichwald, Daniel Séjourné, Oliver Simon, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi

Regie: Volker Lösch
Bühne: Cary Gayler
Kostüme: Carola Reuther
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Kerstin Behrens

TRAILER


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Eindrucksvolle, aber groteske Inszenierung mit viel Doppelmoral
  · 12.02.19
Ein dynamisches Bühnenbild mit guten Schauspielern mit starkem politischen Inhalt.
Es wird ein Bild einer sich sehr schnell radikalisierenden Partei gezeichnet, welche letztlich nur noch mordet, vergewaltigt und sich zu guter Letzt auch noch mit dem islamischen Staat verbündet. Politisches Theater arbeitet mit Übertreibungen, aber in diesem Stück schwingen viele Verzerrungen und Unwahrheiten mit.
Das Stück arbeitet mit Zitaten aus dem Parteiprogramm und von Personen, die der AfD angehören. Nur leider verschwimmen diese Zitate oft mit fiktiven Inhalten und werden somit verzerrt und aus dem Zusammenhang gerissen. Die DDR wird als Unrechtsstaat angeprangert und zeitgleich bietet man vielen Menschen die Plattform, die sich genau ein solches System zurückwünschen würden.
Aktivist*innen und linksextremen Menschen wird immer wieder die Plattform für ausführliche Statements gegeben. Vom aktiven Studenten, über Mission Lifeline, über die organisierte Antifa bis hin zu einem Mitglied kommunistischer Initiativen wird hier eine Büne geboten, um sich immer wieder in der Opferrolle zu präsentieren. Polizeigesetze werden (zurecht) angeprangert, aber ein starker Staat mit zwanghaften Umverteilungssystemen propagiert. Eine Auffassung der Freiheit, bei der eine große Portion Doppelmoral mitschwingt.
In der Rhetorik ist man dem politischen Theater der ganz finsteren tage unseres Landes sehr nahe. So wird ein verzerrtes Bild eines AfD'lers gezeichnet, der sämliche unmenschliche Eigenschaften in sich vereint, nur Böses im Sinn hat und letztlich nur noch vergewaltigt, plündert und mordet. Das kann einfach nicht die Art und Weise politischer Auseinandersetzungen im 21. Jahrhundert sein.
Am Ende des Stückes ruft man schließlich zum Abbruch aller Dialoge mit der AfD auf und fordert alle Parteien auf, dem zu folgen. In SED-Manier verlangt man die absolute Isolierung dieser "Menschen", die stärker diffamiert werden, als so manche Minderheit zur Nazizeit.
Es bleibt überspitztes Theater und regt zum Nachdenken an. Jedoch fing ich eher an darüber nachzudenken, wie grotesk der vermeintlichenKampf gegen die AfD geführt wird.
Von der verzerrten Details, kann man sich gern selbst überzeugen. Danach gibt es auch öffentliche Diskussionen über das Werk, welche jedoch sehr polemisch und selbstgefällig geführt werden.
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1 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Holzschnittartige Groteske und Selbstvergewisserung linker Initiativen
  · 26.01.19
Über weite Strecken werden Versatzstücke aus diversen Wahlprogrammen der AfD aneinandergereiht. Dramaturgisch klappert das Gerüst dieses Theaterabends gewaltig. Lösch und sein Team zeichnen mit groben Strichen das Bild sich schnell radikalisierender Fanatiker, die sich in Säuberungsaktionen gegenseitig liquidieren und in einer finale Volte mit Islamisten verbünden. Frauen werden zu Gebärmaschinen degradiert, Migranten werden in „Ankerkammern“ abgedrängt. Die Arbeitslosen und prekär Beschäftigten, die auf mehr soziale Gerechtigkeit hofften, werden im Maschinenraum des Stahlskeletts ausgebeutet. Der holzschnittartige, zur Groteske überzeichnete Abend macht es der AfD leicht, ihn achselzuckend abzutun und predigt vor allem zu den ohnehin Bekehrten, die die AfD niemals wählen würden.

Bemerkenswert ist dieser künstlerisch und ästhetisch enttäuschende Abend vor allem als große Selbstvergewisserung der linken Initiativen in Dresden. In der zweiten Hälfte dieses nur zwei Stunden kurzen, pausenlosen Aufführung senkt sich der Eiserne Vorhang in immer kürzeren Abständen. Der Plot wird durch Statements von zahlreichen, im Programmheft aufgeführten lokalen Aktivist*innen unterbrochen, die über ihre Aktionen gegen AfD und Pegida berichten und die eine große Sorge eint: Was passiert, wenn es nach der Landtagswahl 2019 zu einer schwarz-blauen Regierung kommt? Die meisten treten mit vollem Namen auf, manche anonym, mit dem Rücken zum Publikum oder ganz im Dunkeln, aus Angst vor Übergriffen, falls sie erkannt werden.

Der Dresdner Bürgergesellschaft Mut zu machen und die Vielfalt der lokalen Initativen vorzuführen, ist das zweite zentrale Anliegen von Volker Löschs Inszenierung im Staatsschauspiel Dresden, die bereits vorab viel Staub aufwirbelte. In der Schlusszene kommt der Bürger*innenchor auf die Bühne und skandiert gemeinsam: „Engagiert Euch! Gemeinsam können wir es schaffen, dass Sachsen richtig geil wird!“ Mit stehenden Ovationen werden sie für dieses Statement nach einem Abend gefeiert, der vermutlich in Dresden noch länger nachhallen und weitere Diskussionen auslösen wird.

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Schiff der völkischen Träume
  · 27.01.19
''Die Waffe der Kunst ist die Kunst, eine andere hat sie nicht. Schon deswegen ist das ein geglückter Abend. Doch eine überregionale Relevanz erlangt das Stück erst durch die Entscheidung, den (erstaunlich vielen) Dresdner Initiativen gegen Rechts eine Bühne zu geben: Mission Lifeline, Tolerave, das Bündnis gegen Rassismus, Herz statt Hetze, Banda Internationale und das Straßengezwitscher kommen neben anderen zu Wort und können sich nach ihren Statements den verdienten Beifall abholen. Dass einige der Eingeladenen die Anonymität einer dunklen Bühne bevorzugen, ist sowohl Zustandsbeschreibung als auch Anklage gegen die herrschenden Verhältnisse. 

Die Stars des Abends sind am Ende ganz klar die Initiativen und AktivistInnen mit ihren klaren Ansagen, die leider bitter notwendig sind in unserer Zeit. Das Theatrale bleibt da zweitrangig. Sicher könnte man eine Handvoll Szenen nennen, die nicht zu Ende gedacht scheinen, wo der Effekt über der Plausibilität gestanden zu haben scheint, wo die Fantasie der Autoren und des Regisseurs sich vergaloppiert - doch wozu? Dieses Stück ist notwendig. Auch im Wortsinne: Es ist eine Not zu wenden. Und ich hoffe sehr, es kommt noch rechtzeitig.'' schreibt Sandro Zimmermann am 27. Januar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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