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Bewertung und Kritik zu

EINMETERFÜNFZIG
eine Theaterphantasie mit Abstand
Regie: Rainald Grebe 
Premiere: 19. September 2020 
Staatsschauspiel Dresden 

Zum Inhalt: Arbeiten in Corona-Zeiten bedeutet Stillstand und Unsicherheit. Für manche nur ein paar Wochen. Für andere für immer. Was das für eine Schauspielbühne bedeuten kann, entwirft Rainald Grebe in seiner Theaterphantasie. Stellen Sie sich vor: Die letzte Vorstellung im Schauspielhaus liegt Monate zurück. Die Bühnen sind leer, die Garderoben verwaist, durch die Werkstätten zirkuliert der Notstrom, im Fundus bröckelt Mörtel auf die Kostüme. Und kein Pförtner sitzt am angestammten Platz! Nur im „Bauch“ des Hauses rumort es. Ein Hubpodium setzt sich in Bewegung, darauf eine kleine Gruppe spielwütiger Schauspieler. Es sind die letzten ihrer Art, von allen verlassen, selbst vom Publikum.
Heute aber ist Tag der offenen Tür! Der Termin wurde vor Monaten festgelegt, das Programm mit Umsicht geplant. Es gibt Interviews mit lokalen Größen, Szenen aus der Weltliteratur, dazu eine Live-Band, geschnipselte Videos und eine fulminante Technikshow. Auch der neue Spielplan wird vorgestellt. Und weil keiner mehr da ist, der den Künstlern zur Hand geht, der das Licht anmacht, die Haare unter Glatzen steckt und bei Texthängern hilft – machen sie alles selbst. Denn sie sind Schauspieler! Sie spielen Techniker, Souffleusen, Stellwerker, Beleuchter, Maskenbildnerinnen und zuletzt auch die Zuschauer. Alles mit dem verordneten Abstand, um zu beweisen: Der Abstand ist bedeutungslos, denn sie sind Spieler. Sie müssen nicht eng umschlungen im Kuss erstarren, um als Liebespaar durchzugehen. Die Jack the Rippers der Welt – auf der Bühne kommen sie trotz Hygieneverordnungen wirkungsvoll zum Stich, und die Protagonisten des bürgerlichen Trauerspiels trennen sowieso Welten, nicht Einmeterfünfzig.

Mit: Elias Baumann, Leo Goldberg, David Kosel, Isabella Krieger, Birte Leest, Ahmad Mesgarha, Anna-Katharina Muck, Klaus-Dieter Werner sowie Jens-Karsten Stoll und Dietrich Zöllner (Live-Musik)

Regie: Rainald Grebe
Bühne: Janna Skroblin
Kostüme: Ira Hausmann
Musik: Jens-Karsten Stoll
Video: Tina Wilke
Licht: Peter Paul Lorenz
Dramaturgie: Kerstin Behrens


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Theatergeschichten
  · 20.09.20
''Ein Lautsprecher senkt sich aus dem Schnürboden herab und erinnert an die Abstandsregeln. Das Programm der bevorstehenden Spielzeit wird skizziert, etwa durch einen kurzen biographischen Hinweis auf Hans Fallada, auf seine Anbiederung an den Nationalsozialismus. Münchhausen fliegt schon einmal auf einer Kanonenkugel durch den Bühnenraum. Kostproben erinnern an Erfolge der Vergangenheit, an Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss oder an die Rocky Horror Show. Anna-Katharina Muck prahlt mit ihrer Heiligen Johanna der Schlachthöfe von 2009, und Ahmad Mesgarha instrumentiert, was seit Jack Benny in Sein oder Nichtsein immer für einen Lacher gut ist: die Eitelkeit des Schauspielers, der seine Auftritte vermisst und stattdessen Abendbrot – Schnittchen mit Kräuterbutter – bereiten muss.

Vorhänge senken und heben sich vor dem Nichts, eine Projektion brillant gefilmter Videos von Tina Wilke bringt den gemeinhin unsichtbaren Schnürboden ins Blickfeld. Die Musik, zumeist live von zwei, vom Ensemble hurtig unterstützten Musikern, Jens-Karsten Stoll und Dietrich Zöllner, vorgetragen, aber auch vorproduziert – Henry Mancinis Moon River auf einer singenden Säge –, ist ein essentieller Bestandteil des Abends. Am Schluss – die Pointe: Isabella Krieger und Elias Baumann gehen auf einander zu, brüllen sich an und küssen sich. Von wegen Einmeterfünfzig.'' schreibt Thomas Rothschild am 20. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
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