Münchner Volkstheater



Münchner Volkstheater
www.muenchner-volkstheater.de
Brienner Str. 50 - 80333 München
Telefon: 089 5234655
SPIELPLAN

Bewertung und Kritik zu

Feeling Faust

Bewertung und Kritik zu

FEELING FAUST 
nach Johann Wolfgang Goethes Faust I & II
Regie: Claudia Bossard 
Premiere: 28. Oktober 2022 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Heinrich, mir graut vor dir, sagt Gretchen am Ende von Goethes Faust I. Zurecht! Schließlich hinterlässt der Wissenschaftler Faust alleine im ersten Teil vier Leichen. Im zweiten Teil wird es nicht viel besser. Auf seinen Reisen gemeinsam mit Mephisto erobert er die globale Welt – er wird Kriegsherr, Kolonisator und Großunternehmer. Eigentlich ging die Wette Mephistos nur darum, dass Faust zum Augenblick sagen soll, verweile doch, du bist so schön. Irgendwie hat Faust da etwas verwechselt. Anstatt sich zu seinen Gefühlen und einem "Miteinander" zu bekennen, hat er sein Ego weiter aufpoliert. Nach der Kolonisation, zwei Weltkriegen und angesichts der Klimakrise und einer Weltwirtschaft, die Ungerechtigkeit erzeugt, präsentiert sich Goethes Faust vollkommen neuartig: Wir blicken gegenwärtig auf die Trümmer der Selbstermächtigungsgeschichte eines alten weißen Mannes. Die Krisen unserer Zeit sind als Krise der Männlichkeit lesbar. Revolutionen beginnen in der Phantasie – so hinterfragt Claudia Bossard in assoziativen Bildern den Mythos Faust und seine Geschlechterkonstruktionen.

Unser Fleisch, unser Blut

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UNSER FLEISCH, UNSER BLUT 
von Jessica Glause und Ensemble
Regie: Jessica Glause 
Premiere: 16. Oktober 2021 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: In den meisten Industrienationen liegt der Fleischkonsum seit Jahrzehnten relativ konstant auf hohem Niveau. In Deutschland werden jährlich fast 60 Kilogramm pro Person gegessen. Doch kaum jemand weiß, wie ein Schlachthof von innen aussieht, wie die Tiere zuvor gehalten wurden und manch einer weiß kaum mehr, welches Teil vom Tier er da gerade genau verzehrt. Fleisch wird konsumiert, aber über die Tötung der Tiere, auch über die Verantwortung, darüber wird geschwiegen. Aus Interviews mit Menschen, die mit der Fleischproduktion zu tun haben, machen Jessica Glause und Team einen Abend gegen das Verdrängen. Die daraus entstandenen fiktionalen Figuren Metzger, Tierärztin, Koch und zwei Bäuerinnen vertreten kaleidoskopartig verschiedene Positionen. Und stoßen dabei auch an ihre Grenzen: Können die Produzent*innen und wir Konsument*innen überhaupt Einfluss nehmen im Kreislauf unseres neoliberalen Systems? Und was sagen eigentlich die Tiere selbst dazu? Oder frisst einer immer nur den Anderen?

Edward II.

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EDWARD II. 
von Christopher Marlowe
Regie: Christian Stückl 
Premiere: 15. Oktober 2021 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Kaum hat Edward II. nach dem Tod seines Vaters den Thron bestiegen, bringt er schon die ganze Welt gegen sich auf. Nach Jahren der Verbannung holt er seinen Geliebten Gaveston an seine Seite, überhäuft ihn mit Geld und Ehren und macht ihn zum wichtigsten politischen Berater. Blanker Hass schlägt dem Paar entgegen: Statt in den Krieg zu ziehen und die bedrängten Grenzen zu verteidigen, turtelt Edward mit dem französischen Schmeichler herum, dem dahergelaufenen Bauern, der die gesamte alteingesessene Ordnung torpediert.

Königin Isabella bangt um ihre Familie, der Adel um seine Macht, die Kirche um ihre Prinzipien. Als man Edward unverhohlen droht, einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen, kann er nicht mehr anders, als Gaveston wieder wegzuschicken. Doch nach dem erneuten Abschied ist die Kluft zwischen Edward und seinem Gefolge unüberwindbar geworden, die königliche Ehe ein Trümmerhaufen. Gedemütigt verbündet Isabella sich mit Mortimer, der insgeheim längst den Sturz des Königs plant. Um ihn endgültig aus dem Weg zu räumen, holen sie Gaveston zurück an den Hof. Eine gnadenlose Jagd beginnt.

ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM

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ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM 
von Werner Schwab
Regie: Abdullah Kenan Karaca 
Premiere: 20. Mai 2021 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Im Wirtshaus hocken sie heruntergekommen wie jeden Abend. Die Hasi und der Schweindi häkeln für den geplanten Nachwuchs. Der Karli langt seiner Herta eine. Der Jürgen doziert von der Tugend der Gewaltlosigkeit und der Bratwurst des einfachen Mannes. Die Fotzi schafft Geld für die Jukebox an. Und die Wirtin erfüllt die allseitigen Bedürfnisse nach Bier, Wein und etwas zum Fressen. Man tauscht Philosophisches, Anzügliches, Beleidigendes und Handgreifliches aus.

Alles wie gehabt, wenn da nicht ein schönes Paar penetrant in die Aufmerksamkeit hineindrängen würde. Die Ausstrahlung der Bessergestellten und ihre provozierende Bedürfnislosigkeit sprengen den Rahmen. Während hier der Triebdrang mit am Tisch sitzt, scheinen die da drüben sich "zu fein zum Vögeln. Die küssen sich und sind fertig mit sich. Das sind wahrscheinlich welche, die überhaupt keinen menschlichen Geruch haben.“ Der Anblick der Harmonie ist angesichts der eigenen Unzulänglichkeiten nicht mehr auszuhalten. Die Makellosigkeit muss sich einverleibt werden, damit kein Widerspruch mehr zum eigenen Selbst besteht! In Werner Schwabs "europäischem Abendmahl" zerfleischt sich eine Gesellschaft selbst, wobei ihr die Sprache um die Ohren fliegt.

Spielzeit

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SPIELZEIT 
Eine Webserie
Regie: Fanny Rösch / Sebastian Husak / Alexander Löwen / Leo van Kann 
Online-Premiere: 29. April 2021 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Kurze, pointierte Szenen geben Einblicke in den Theateralltag und Probenwahnsinn in einer besonderen Zeit. Die Webserie zeigt den Versuch, während einer Pandemie Kunst zu produzieren. Das Reigen-Prinzip von Schnitzler wird spielerisch aufgegriffen und als freie Vorlage für die Erarbeitung der Episoden genutzt. In der Garderobe, während der Vorstellung, nach der Probe, nachts im leeren Zuschauersaal, auf einen Joint im Werkstatthof – jenseits von Publikum und Bühnenlicht findet das wirkliche Drama statt. Jede*r Regisseur*in hat zwei Folgen entwickelt und umgesetzt. Die Figuren der Serie werden vom Ensemble und den Mitarbeiter*innen des Münchner Volkstheaters dargestellt. 

Der Bau

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DER BAU
nach Franz Kafka
Regie: Mirjam Loibl 
Premiere: 7. August 2020 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Was könnte nicht alles geschehen! Gut, dass das Tier in Kafkas Erzählung vorgesorgt hat. In einem riesigen, unterirdischen Bau mit einem Labyrinth von Gängen hat es sich verschanzt, bergeweise Vorräte angelegt, mit Zähnen und Klauen zur Verteidigung bereit. Am liebsten würde es sein Erdreich gar nicht mehr verlassen, das Ergebnis blut- und schweißgetränkter Arbeit, sein Lebenswerk und ganzer Stolz. Endlich nun die Früchte ernten, die Stille und den Überfluss genießen – doch zwanghaft grübelt das Tier über Schwachstellen in der Konstruktion des Baus, Sicherheitslücken, Versäumnisse vergangener Tage, die im Nu alles zunichtemachen könnten. Da durchbricht ein rätselhaftes Geräusch die Stille. Nachbarn? Eindringlinge? Wasserschaden? Fieberhaft jagt das Tier durch seine Höhlen, um die Ursache auszumachen. Plötzlich wird der Bau zur Falle und die Suche nach dem unsichtbaren Feind zum Kampf mit dem eigenen Ich.

Das hässliche Universum

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DAS HÄSSLICHE UNIVERSUM 
von Laura Naumann
Regie: Sapir Heller 
Premiere: 29. Juli 2020 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Ein Flirren liegt in der Luft. Überall versammeln sich Menschen in Chats, verlinken Videos und kommentieren das Ende der Welt. Rosa - Hoffnungsträgerin und Anführerin für die einen, Projektionsfläche ihrer Wut für die anderen - gelingt es, eine Nachricht global an jeden existierenden Bildschirm zu verschicken: "Alles muss brennen", schreibt sie. Und ihre Anhängerschaft zündet die Zivilisation an - denn nie wieder soll diese so sein, wie sie war. Ist dann endlich alles anders? Kann die Menschheit auf der Erde dann noch einmal von vorne beginnen?
Während die Welt, wie wir sie kennen, zu Grabe getragen wird, spielt eine Band ihr letztes Konzert: Die Ruinen der Stadt rauchen, eine Grabrednerin trinkt zu viel Riesling und all die Lieder, die noch einmal gespielt werden müssen, bevor die Welt untergeht, verwachsen zu einem unwiederbringlichen Konzert.
Wie konnte Rosa, das Internetphänomen, die Überhörten und Übersehenen zum Griff in die Streichholzschachtel bewegen? Eine alleinerziehende Mutter bekommt Besuch von einem Agenten mit Sonnenbrille, jemand verübt ein Kanzlerinnenattentat - oder ist das alles Fake, manipuliert? Wo kann man die Wahrheit anklicken? Lohnt es sich, an Utopien zu glauben? Und wer passt bei der Revolution eigentlich auf die Kinder auf?

Am Wiesnrand

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AM WIESNRAND
von Stefanie Sargnagel
Regie: Christina Tscharyiski 
Premiere: 30. Januar 2020 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Bier, Gaudi, Flirts, im besten Fall ein bisschen Trachtensex mit einem echten Bayern – auf die Wiesn ist Verlass. Was vor über 200 Jahren mit einem Pferderennen im Zuge der Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Ludwig mit seiner Braut Therese begann, verspricht heute einen 16 Tage währenden Ausnahmezustand schrankenlosen Gelages. Denn klar ist: Auf dem größten Volksfest der Welt gelten eigene Regeln. Zwischen Tradition und Trachtenfasching, bayerischer Gemütlichkeit und Exzess, Riesenrad und Kotzhügel entsteht so Jahr für Jahr ein eigentümlicher sozialer Ort, den der Wiener Literaturstar Stefanie Sargnagel fasziniert unter die Lupe nimmt. Was sie inmitten enthemmter Massen, großer Gefühle und niederer Triebe erlebt, bringt Christina Tscharyiski auf die Bühne, nach „JA EH! – Beisl, Bier und Bachmannpreis“, das den Publikumspreis des Radikal jung Festivals 2018 gewann, ihre zweite Inszenierung eines Sargnagel-Textes. Für musikalischen Halt im Taumel der Ekstase sorgt das Art-Pop Kollektiv EUROTEURO, das dem Schauspielensemble mit Songs voll Euphorie, Resignation und Optimismus zur Seite steht.

Wer hat meinen Vater umgebracht

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WER HAT MEINEN VATER UMGEBRACHT
nach Édouard Louis
Regie: Philipp Arnold 
Premiere: 13. Dezember 2019 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Seine ganze Kindheit wünscht sich Édouard  Louis sein Vater möge verschwinden. Jede Begegnung mit seinem Vater erweist sich als schwierig – aus Scham. Der Sohn schämt sich seiner Andersartigkeit, der machistische Vater schämt sich der Andersartigkeit seines Sohnes. In prekären Verhältnissen wächst er als fünftes Kind in einem von Armut und Alkohol geprägten Elternhaus auf. Auch außerhalb der Familie hat es Louis nicht leicht: Er ringt um seine Identität in der nordfranzösischen Provinz, wo ein homophobes, bildungsfeindliches und gewaltbereites Klima vorherrscht. Jeder Versuch der Anpassung scheitert. Erst mit dem Übertritt in ein Gymnasium in der nächstgelegenen Großstadt gelingt es ihm, dieser Atmosphäre zu entkommen. Viele Jahre später, mittlerweile hat er Soziologie studiert, verarbeitet er seine Erfahrungen als Schriftsteller. In seinem vielbeachteten jüngsten Werk „Wer hat meinen Vater umgebracht“ versucht sich der Sohn dem Vater anzunähern, sein Handeln und seine Einstellungen zu verstehen. Es ist ein wütendes und zugleich zärtliches Buch geworden. Der 27jährige Louis prangert ein politisches System an, das die Armen nicht unterstützt sondern durch Kürzungen der Sozialleistungen weiter an den Rand treibt. Die Einsicht, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse ein Urteil bedeutet, lässt eine späte Annäherung zwischen Vater und Sohn zu.

Der haarige Affe

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DER HAARIGE AFFE 
von Eugene O'Neill
Regie: Abdullah Kenan Karaca 
Premiere: 28. November 2019 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Yank, Heizer im Kesselraum eines Luxusdampfers, ist erfüllt vom Glauben an Technik und Fortschritt, überzeugt von seiner eigenen Kraft und Leistungsfähigkeit. Ein Blick aus den Augen einer Millionärstochter, die aus Sensationslust in den Kesselraum hinuntersteigt, löst in ihm einplötzliches Erkennen seiner Situation aus:

Er begreift sich als minderwertige Kreatur, als haarigen Affen, der nirgends dazugehört. Sein Rachefeldzug führt ihn auf die mondäne Fifth Avenue, doch sein Versuch, Passanten zu provozieren, scheitert an deren kühler Überlegenheit. Schließlich wird er von der Polizei niedergeknüppelt und ins Gefängnis gebracht. Nach seiner Entlassung wendet er sich an die Gewerkschaft, aber auch hier findet er keine Aufnahme. So bleibt ihm als letztes der Weg in den Zoo, zum Affengehege, doch der freigelassene Affe zerquetscht ihn in tödlicher Umarmung.


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