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Bewertung und Kritik zu

DAS FERNE LAND 
von Jean-Luc Lagarce
Regie: Nicolas Charaux 
Premiere: 1. März 2018  
Münchner Volkstheater 

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Zum Inhalt: Louis ist krank und wird bald sterben. Mit seinem engsten Freund reist er nach vielen Jahren der Abwesenheit zurück in sein Elternhaus in eine Provinzstadt, um seiner Familie seinen baldigen Tod zu verkünden. Doch die Zeit ist in der Heimat nicht mit derselben Geschwindigkeit weitergeflossen wie für Louis. Und mit seiner Ankunft werden lang vergangene und noch präsente Konflikte wieder an die Oberfläche gespült: Seine Mutter, sein Bruder samt Frau und Kindern, seine jüngere Schwester – allesamt können sich nicht von der Vergangenheit lösen. Louis findet sich zwischen der biologischen Familie, der er in jungen Jahren entflohen ist – und der sozialen Familie von Freunden und Liebhabern, die er sich selbst gewählt hat, wieder.

Längst Verstorbene treten auf – wie der Vater, Liebhaber und Freunde von Louis  – und es erhebt sich ein polyphoner Gesang über das gelebte Leben aller, ihrer Kämpfe und Niederlagen, ihrer Erinnerungen und Abrechnungen, ihrer Geheimnisse, Geständnisse und unerfüllten Träume. Auf intime und bewegende Weise entblättert der Text das Leben, das die Figuren hätten leben wollen, zeichnet ihr persönliches Scheitern nach und gibt Einblicke in die fragile menschliche Psyche aller – und in das Menschsein an sich.

Regie: Nicolas Charaux 
Bühne und Kostum: Pia Greven 
Sounddesign: Bernhard Eder 
Dramaturgie: Nikolai Ulbricht 

TRAILER


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Melancholische Szenen eines AIDS- und Familiendramas
  · 12.04.18
In Frankreich ist Jean-Luc Lagarce der meistgespielte zeitgenössische Autor, nur Shakespeare und Molière stehen häufiger auf dem Spielplan. In Deutschland kennen ihnen auch viele Theater-Insider nicht. Daran hat auch die hervorragende Kino-Adaption seines Stücks „Einfach das Ende der Welt“ (2016) wenig geändert.

Der französische Regisseur Nicolas Charaux inszenierte am Münchner Volkstheater die deutsche Erstaufführung von "Das ferne Land": ein fast dreistündiger Abend über einen Verlorenen. Von seiner Familie in der Provinz trennt ihn die tiefe Kluft, die Didier Eribon in seinem soziologischen Essay „Rückkehr nach Reims“ analysierte. Seine Schwester Suzanne flüchtet ins Plappern, sein Bruder Antoine reagiert wütend und aggressiv auf die Rückkehr des „verlorenen Sohns“. Aber auch in seiner Wahlfamilie findet er keinen Halt: der Liebhaber starb vor kurzem selbst an AIDS und geistert ebenso wie der Vater nur durch die Erinnerungen von Louis. Zwischen One-Night-Stands und einem langjährigen Freund, der ihn in die alte Heimat begleitet, fühlt er sich einsam.

Wie fern sich die Figuren sind, verdeutlicht Regisseur Charaux mit intelligentem Einsatz von Videos. Nicht nur die bereits Toten, sondern auch Louis tritt in Schlüsselszenen nur als Projektion auf der Leinwand mit ihnen in Kontakt. Eine Kommunikation auf Augenhöhe ist den Figuren nicht möglich. Gregor Knop ragt als Gast des Münchner Volkstheaters in der Hauptrolle des Louis heraus und wird zum Zentrum der melancholischen Szenen.

Mit dem Lichtdesign von Günther E. Weiß und der fast leeren Bühne von Pia Greven evoziert Charaux eine traurig-düstere Grundstimmung. Nach der Pause dauert es aber eine Weile, bis sich die Atmosphäre langsam wieder aufbaut. Ein weiterer Makel der Inszenierung ist, dass das Tableau der emotional verwahrlosten Figuren, die sich elf Spielerinnen und Spieler teilen, sehr überladen wirkt. An diesen Punkten bleibt die Theateradaption deutlich unter der Messlatte, die Xavier Dolan mit seiner Verfilmung des Stoffs sehr hoch gelegt hat. Dennoch war „Das ferne Land“ eine interessante Annäherung an den französischen Dramatiker Jean-Luc Lagarce, den die deutsche Theaterlandschaft für sich entdecken muss.

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Das ferne Land
  · 02.03.18
''Auf Pia Grevens Bühne ein paar nummerierte Stuhlreihen wie in einem Vortragssaal, frische Gräber, die auch Blumenbeete sein könnten, ein Klavier für ein wenig Musik (Bernhard Eder). Dahinter asphaltgraue Wände. Sie lenken nicht ab von der grandiosen Leistung der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die die handlungsarmen Szenen lebendig werden lassen. Dialogreste, Bewusstseinsfetzen, Erinnerungen, Spiegelungen. Louis hebt den Arm, die anderen tuns ihm nach, er lässt ihn sinken, sie auch. 

Die einzelnen Charaktere wiederholen sich, ihre Worte und ihre Gedanken. Sie wollen sich möglichst präzise ausdrücken und werden immer vager – paradox, man kennt das. Wenige große emotionale Ausbrüche, man tut sich auch so weh. Aber die Stimmung stimmt, der träge Rhythmus der Provinz. Das Leben läuft weiter, fast beiläufig: Keine große Sache. Und doch alles. 
Auf intime Weise zeigt der Text das Leben, das die Figuren hätten leben wollen, wenn es ihnen nur möglich gewesen wäre. Und doch haben sie etwas geschafft, sind nicht nur gescheitert. Ein Einblick in die fragile Psyche aller und in die menschliche Existenz als solche. 

Nicolas Charaux, Jahrgang 82, hat mit Das ferne Land seine dritte beeidruckende Regiearbeit am Münchner Volkstheater vorgelegt. Ein - bis auf ein paar Längen im zweiten Teil - beeindruckender und bewegender Abend. 

Und wieder ein Beleg für die Frische des Ensembles des Münchner Volkstheaters, das diesmal um einige Gäste wie Reinhard Winter, Gregor Knop und Marie Goyette sehr glücklich erweitertet wurde.'' schreibt Petra Herrmann am 3. März 2018 auf KULTURA-EXTRA
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