Der haarige Affe

Bewertung und Kritik zu

DER HAARIGE AFFE 
von Eugene O'Neill
Regie: Abdullah Kenan Karaca 
Premiere: 28. November 2019 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Yank, Heizer im Kesselraum eines Luxusdampfers, ist erfüllt vom Glauben an Technik und Fortschritt, überzeugt von seiner eigenen Kraft und Leistungsfähigkeit. Ein Blick aus den Augen einer Millionärstochter, die aus Sensationslust in den Kesselraum hinuntersteigt, löst in ihm einplötzliches Erkennen seiner Situation aus:

Er begreift sich als minderwertige Kreatur, als haarigen Affen, der nirgends dazugehört. Sein Rachefeldzug führt ihn auf die mondäne Fifth Avenue, doch sein Versuch, Passanten zu provozieren, scheitert an deren kühler Überlegenheit. Schließlich wird er von der Polizei niedergeknüppelt und ins Gefängnis gebracht. Nach seiner Entlassung wendet er sich an die Gewerkschaft, aber auch hier findet er keine Aufnahme. So bleibt ihm als letztes der Weg in den Zoo, zum Affengehege, doch der freigelassene Affe zerquetscht ihn in tödlicher Umarmung.

Regie: Abdullah Kenan Karaca
Bühne: Vincent Mesnaritsch
Kostüm: Elke Gattinger

TRAILER


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Von Erniedrigten und Beleidigten
  · 06.12.19
''Ein schwieriges Stück, das doch sehr seiner Zeit verhaftet ist. Welcher Kohlekumpel könnte sich heute noch als Motor des Fortschritts empfinden? Und die Zeit der Klassenkämpfe? Sie scheint zumindest in unseren Breiten vorbei zu sein. Aktuelle Parallelen sucht die Inszenierung nicht. Es geht ihr wohl um die grotesk übersteigerte, gewiss zeitlose Opposition von oben und unten, um Fragen von Macht und Ausbeutung. Da gelingen mit den Karikaturen von Mildred, der Millionärstochter (Nina Steils) und ihrer Gouvernante Katherine (Luisa Deborah Daberkow), die auf der schiefen Ebene des Schiffes so schön lächerlich nach unten rutschen, einige überzeugende Bilder. Auch Jonathan Müller als Yank und Silas Breiding als Long spielen rußgeschwärzt und mit schlechten Zähnen, was das Zeug hält. Sie könnten begeistern. Zumal sie das abstrakte und gleichzeitig wandlungsfähige Bühnenbild (Vincent Mensnaritsch) voller dunkler Abschüssigkeiten, schwarzem Stahl und rötlicher Glut effektvoll unterstützt. Dazu die wunderbare Lichtregie (Björn Gerum). Sie trennt die einzelnen Szenen im wahrsten Wortsinne „blendend“ - wie bei einem scan-Vorgang. Dennoch lässt einen dieser Abend bei aller Wucht, bei all den stark dargestellten Emotionen seltsam kalt.

Regisseur Abdullah Kenan Karaca hat das 100 Jahre alte Stück empfindlich gekürzt, vielleicht zu beherzt. So wirken die handelnden Figuren kaum als Personen, sondern als holzschnittartige Stereotype, Abziehbilder ihrer Klasse. Lediglich der vergleichsweise lange Eingangsmonolog des Paddy (Jakob Immervoll) lässt einen Menschen erkennen. Doch just dieser Paddy spielt im Verlauf des Stückes ganz schnell keine Rolle mehr. Dafür geht die 90minütige Inszenierung ab der Gewerkschaftsszene rasch einem nicht ganz geglückten Schluss entgegen: King Kong im Schattenreich mordet unter Gebrüll und zu Musik. Als alle Zuschauer gemerkt hatten, dass das wirklich schon das Ende war: höflicher Beifall.'' schreibt Petra Herrmann am 6. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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