Glaube Liebe Hoffnung

Bewertung und Kritik zu

GLAUBE LIEBE HOFFNUNG
von Ödön von Horváth
Regie: Christian Stückl 
Premiere: 30. November 2018 
Münchner Volkstheater 
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Zum Inhalt: Mitten in der Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit der 30er Jahre kämpft die junge Elisabeth um ihre Existenz. Als Vertreterin für feine Damenwäsche versucht sie sich durchzuschlagen, benötigt dafür jedoch einen Wandergewerbeschein für 150 Mark. Entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, bietet sie dem Anatomischen Institut ihre Leiche zum Verkauf an. Erfolglos, denn Leichen gibt es zu Hauf in diesen schwierigen Zeiten. Der Präparator des Instituts leiht ihr schließlich die 150 Mark, nicht wissend, dass Elisabeth damit ein Bußgeld begleichen muss, weil sie in der Vergangenheit ihr Gewerbe ohne Lizenz ausgeübt hat.

Als die Wahrheit ans Licht kommt, wird Elisabeth zu einer Haftstrafe verurteilt. Arbeitslos und vorbestraft landet Elisabeth in einem Teufelskreis: ohne Arbeitserlaubnis keine Arbeit, ohne Arbeit kein eigenes Einkommen, ohne eigenes Einkommen keine Chance auf ein rechtschaffenes Leben. Selbst die Liebe zu dem Polizisten Alfons scheitert an Elisabeths Vergangenheit, die sie bei jedem ihrer Schritte verfolgt, wie ein Schatten. Am Ende verliert Elisabeth ihren Glauben, ihre Liebe und die Hoffnung in einer Gesellschaft, die den Einzelnen lieber zugrunde gehen sieht, als ihre Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit in Frage zu stellen.

Regie: Christian Stückl 
Bühne & Kostüm: Stefan Hageneier 
Musik: Tom Wörndl 
Dramaturgie: Daphne Ebner 

TRAILER


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Tieftraurig und hochkomisch
  · 02.12.18
''Schwarz und anthrazitgrau staffeln sich aufziehbare Bühnenwände (vom bewährten Stefan Hageneier) in die Tiefe des Raumes, schwarz gekleidet sind die Akteure allesamt. Grellbunt leuchten aber die Farben ihrer Darstellung. Besonders die männlichen Figuren sind grotesk überzeichnete Karikaturen ihrer selbst, grandios verkörpert von dem jungen Ensemble. Der bösartige Oberpräparator (Timocin Ziegler), der verklemmte Unter-Präparator (Oleg Tikhomirov), der zynische Amtsgerichtsrat (Pascal Fligg), der beflissene Polizist (Jakob Gessner) – tragikomische Figuren, die spielen, was das Zeug hält: Lacher gegen die Dunkelheit, die diese nur noch schwärzer machen. 

Dafür haben Christian Stückl und die Dramaturgin Daphne Ebner die Szenen ein wenig angereichert, etwa um eine ebenso bedrohliches wie burleskes Bild im Wirtshaus. Dorthin hat der Polizist seine Elisabeth ausgeführt, auf deftige Würscht und ein dunkles Bier. Leider unter die stadtbekannte saubere Gesellschaft, den Ober- und Vizepräparator, den Amtgerichtsrat nebst Gattin, die immerhin vergeblich versucht, Elisabeths Katastophe aufzuhalten. Denn noch weiß der Schupo nichts von der Vergangenheit seiner Braut. Da wird gesabbert, gefurzt und auf Kosten der Frauen gewitzelt („Ein Äffchen ist ein kleiner Affe, was ist die Verkleinerungsform der Made???“), dass es einem - wie Elisabeth auch - den Appetit verdirbt und das Lachen im Halse stecken bleibt. 

Unbedingt hingehen und selber sehen: So farbig kann schwarz sein!'' schreibt Petra Herrmann am 2. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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