Der Bau

Bewertung und Kritik zu

DER BAU
nach Franz Kafka
Regie: Mirjam Loibl 
Premiere: 7. August 2020 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: Was könnte nicht alles geschehen! Gut, dass das Tier in Kafkas Erzählung vorgesorgt hat. In einem riesigen, unterirdischen Bau mit einem Labyrinth von Gängen hat es sich verschanzt, bergeweise Vorräte angelegt, mit Zähnen und Klauen zur Verteidigung bereit. Am liebsten würde es sein Erdreich gar nicht mehr verlassen, das Ergebnis blut- und schweißgetränkter Arbeit, sein Lebenswerk und ganzer Stolz. Endlich nun die Früchte ernten, die Stille und den Überfluss genießen – doch zwanghaft grübelt das Tier über Schwachstellen in der Konstruktion des Baus, Sicherheitslücken, Versäumnisse vergangener Tage, die im Nu alles zunichtemachen könnten. Da durchbricht ein rätselhaftes Geräusch die Stille. Nachbarn? Eindringlinge? Wasserschaden? Fieberhaft jagt das Tier durch seine Höhlen, um die Ursache auszumachen. Plötzlich wird der Bau zur Falle und die Suche nach dem unsichtbaren Feind zum Kampf mit dem eigenen Ich.

Mit: Jan Meeno Jürgens, Steffen Link, Pola Jane, O´Mara

Regie: Mirjam Loibl
Bühne & Kostüme: Thilo Ullrich
Musik: Constantin John
Dramaturgie: Rose Reiter

TRAILER


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Hörspiel in Theater-Höhle
  · 09.08.20
Nach den ersten beiden Inszenierungen, „Die Goldberg-Variationen“ in der Regie des Intendanten und „Das hässliche Universum“ von Sapir Heller, waren die Kritiker*innen positiv überrascht: statt des statischen, blutleeren Corona-Abstandstheaters, das viele für die Zeit nach der Wiedereröffnung bis zum erhofften Impfstoff befürchteten, freuten sich die Rezensent*innen über energiegeladenes, lebendiges Vollgas-Theater.

Am dritten Abend des Sommer-Volkstheaters war davon leider wenig zu spüren. Mirjam Loibl, die am benachbarten Resi als Assistentin von Ivan Panteleev und Frank Castorf erste Erfahrungen gesammelt hat, nahm sich Franz Kafkas kleine Erzählung „Der Bau“ vor. Ein nicht näher bezeichnetes Tier berichtet in diesem Monolog stolz, wie es sich ein unterirdisches Labyrinth anlegte und fleißig Vorräte ansammelte, verstrickt sich dabei aber immer tiefer in Paranoia und Furcht vor Eindringlingen.

In die Mitte der abgedunkelten Bühne wuchtete Thilo Ullrich ein turmartiges Gebilde. Die drei Spieler*innen Pola Jane O´Mara, Steffen Link und Jan Meeno Jürgens kriechen und krabbeln durch die schmalen Gänge und sprechen die Textpassagen abwechselnd oder im Chor. Diese spielerischen Momente live auf der Bühne machen jedoch nur einen Teil der einstündigen Inszenierung aus. Zentrale Passagen werden zum Hörspiel aus dem Off.

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