Unser Fleisch, unser Blut

Bewertung und Kritik zu

UNSER FLEISCH, UNSER BLUT 
von Jessica Glause und Ensemble
Regie: Jessica Glause 
Premiere: 16. Oktober 2021 
Münchner Volkstheater 

Zum Inhalt: In den meisten Industrienationen liegt der Fleischkonsum seit Jahrzehnten relativ konstant auf hohem Niveau. In Deutschland werden jährlich fast 60 Kilogramm pro Person gegessen. Doch kaum jemand weiß, wie ein Schlachthof von innen aussieht, wie die Tiere zuvor gehalten wurden und manch einer weiß kaum mehr, welches Teil vom Tier er da gerade genau verzehrt. Fleisch wird konsumiert, aber über die Tötung der Tiere, auch über die Verantwortung, darüber wird geschwiegen. Aus Interviews mit Menschen, die mit der Fleischproduktion zu tun haben, machen Jessica Glause und Team einen Abend gegen das Verdrängen. Die daraus entstandenen fiktionalen Figuren Metzger, Tierärztin, Koch und zwei Bäuerinnen vertreten kaleidoskopartig verschiedene Positionen. Und stoßen dabei auch an ihre Grenzen: Können die Produzent*innen und wir Konsument*innen überhaupt Einfluss nehmen im Kreislauf unseres neoliberalen Systems? Und was sagen eigentlich die Tiere selbst dazu? Oder frisst einer immer nur den Anderen?

Mit: Jakob Immervoll, Maral Keshavarz, Jonathan Müller, Anne Stein, Mara Widmann und Joe Masi

Regie: Jessica Glause
Bühne & Kostüme: Mai Gogishvili
Komposition: Joe Masi
Live-Musik: Joe Masi
Dramaturgie: Katja Friedrich
Licht: David Jäkel


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No meat today!
  · 01.11.21
''Glauses Projekt stellt die verschiedenen Perspektiven einander gegenüber und bringt einem das Leiden der Tiere nahe: Gesellschaftskritik anhand vieler Details. Dazu die Analyse der Strukturen plus Zukunftsversprechen. Heißt die Lösung tierfreies Fleisch aus dem 3D-Drucker?

Diese ganze Textüberlast könnte die Zuhörenden erschlagen, wird aber erträglich und szenisch fassbar gemacht durch temperamentvolle, revuehafte Tanz- und Musikeinlagen (Musikkomposition: Joe Masi) rund um eine Torte aus Weißwürsten. Da blökt die Ziege, muht die Kuh, wiehert das Pferd. Der Karneval der Tiere (Bühne und Kostüme: Mai Gogishvili) spielt sich aufs bunteste auf verschiedenen Podien ab, die herauf und herunter fahren durch ein spielfreudiges Leben in Licht und Schatten (Licht: David Jäkel).

Glücklicherweise sind Glauses Figuren wie der sympathische, bayerische Traditionsmetzgermeister aber nicht nur wandelnde Thesen, sondern glaubhafte Menschen. Wird sie jetzt denunziert, die Freude an der duftenden Leberkässemmel? Nein.Vielmehr gilt der Rap: „No meat, no milk, no wool, no silk, no eggs, no honey, my choice, my money…" schreibt Petra Herrmann am 1. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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