Bayerische Staatsoper München



Bewertung und Kritik zu

Tristan und Isolde

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TRISTAN UND ISOLDE 
von Richard Wagner
Regie: Krzysztof Warlikowski 
Premiere: 29. Juni 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: In kaum einer anderen Oper verdichtet sich der genretypische Konflikt einer Dreiecksbeziehung so elementar und am Ende transzendierend wie in Richard Wagners Tristan und Isolde: Die Liebe Tristans und Isoldes als Passion steht hier über allen gesellschaftlichen Normen. König Marke wird als rechtmäßiger Ehemann Isoldes von ihr und Tristan hintergangen, und Wagners Musik beglaubigt und legitimiert den Ehebruch. Schon im ersten Aufzug verleitet gemeinsame Todessehnsucht Tristan und Isolde zum Plan des Doppelsuizids. Auf welchen psychologischen Ursprung ist dieser Todeswunsch zurückzuführen? Unwissend nehmen die Protagonisten statt des Todestrankes einen Liebestrank zu sich. Entspringen die nun überbordenden Emotionen wirklich erst einem vermeintlich magischen Liebeszauber?

Auch die Musik überschreitet alle Grenzen, indem Wagner die traditionelle Tonalität in chromatischen Klängen ausreizte und damit moderne Kompositionstechniken in das 20. Jahrhundert hinein maßgeblich beeinflusste. Der zwiespältige harmonische Verlauf, mit dem das Vorspiel der Oper eingeleitet wird und der im Verlauf der Handlung wiederholt leitmotivisch wiederkehrt, wurde als „Tristan-Akkord“ sprichwörtlich.

Lear

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LEAR 
nach William Shakespeare
Regie: Christoph Marthaler 
Premiere: 23. Mai 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: König Lear will sein Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll am meisten bekommen. Da Cordelia in nur schlichten einfachen Worten ihre Liebe beschreibt, enttäuscht sie ihren Vater, und geht leer aus. Unter den beiden anderen Töchtern wird das Reich aufgeteilt, und alsbald herrschen Zwietracht und Intrige. Lear zerbricht daran, wird ein machtloser Bettler und verfällt dem Wahn.

Basierend auf William Shakespeares Tragödie King Lear – das Libretto richtete Claus H. Henneberg ein – komponierte Aribert Reimann die Oper Lear, die als Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper 1978 im Nationaltheater zur Uraufführung kam. Reimanns Komposition zeigt eine Dramaturgie, die in hohem Tempo das Spiel der Machtbesessenheit zum Movens macht. Lears Gesangslinie von exorbitanter Virtuosität gekennzeichnet verdeutlicht den gebrochenen König mit seinen nur auf der Oberfläche wirrwirkenden Redeweisen. Die instrumentalen Cluster-Strukturen dieses Monumentalwerks erschaffen eine atemberaubende Atmosphäre und sind Grund dafür, dass als Opernklassiker des 20. Jahrhunderts diese Metamorphose als Spiegel unserer Zeit nicht mehr wegzudenken ist.

Der Rosenkavalier

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DER ROSENKAVALIER 
von Richard Strauss
Regie: Barrie Kosky 
Premiere: 21. März 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: Ein sonderbar‘ Ding, der Rosenkavalier. Da hatte sich Richard Strauss mit Salome und Elektra gerade einen Ruf als Bürgerschreck auf der Opernbühne erarbeitet, war, wie er selbst schrieb, „an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit heutiger Ohren“ gegangen – um dann zusammen mit seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal das Publikum ausgerechnet mit den anachronistisch wehenden Walzern einer Hochadelskomödie in einem imaginierten Wien eines fantasierten 18. Jahrhunderts zu erobern. Das Wunderbare an dieser Sonderlichkeit ist dabei, dass Strauss und Hofmannsthal das Künstliche dieser Welt in Sprache und Musik auf die Spitze treiben und zu einem traum- und albtraumhaften Szenarium anwachsen lassen, in dem Platz ist für all die Themen, die den Rosenkavalier so bestechend machen: die Möglichkeiten und die Unmöglichkeit von Liebe, die Dringlichkeit und die Unerbittlichkeit der vergehenden Zeit, die Unverzichtbarkeit und unerbittliche Bedingtheit von Autonomie und Entscheidungsfreiheit.

Barrie KoskyRosenkavalier zollt auch meist weniger rezipierten Quellen des Werks wie der französischen Operette L’ingenu libertin von Claude Terrasse und Louis Artus Tribut, fügt den liebgewonnenen Figuren von Sophie und Octavian, Ochs und Marschallin dadurch überraschende Facetten hinzu und erweitert in opulenten Bildern die Münchner Inszenierungsgeschichte des Werkes um ein aufregendes Kapitel.  

Il segreto di Susanna

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IL SEGRETO DI SUSANNA 
von Ermanno Wolf-Ferrari
Regie: Axel Ranisch 
Premiere: 26. April 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: „Intermezzo in einem Bild“ nannte Ermanno Wolf-Ferrari seinen Einakter Il segreto di Susanna (Susannens Geheimnis), in dem sich leichtfüßig ein großes Eifersuchtsdrama zwischen dem Conte Gil und seiner Gattin Susanna anbahnt. Der Gatte hat nämlich ganz richtig erkannt: Seine Frau scheint etwas vor ihm zu verbergen. Sofort vermutet er einen Nebenbuhler und Ehebruch. Doch die Geheimniskrämerei löst sich schnell auf: Susanna wollte lediglich ihre Nikotinsucht vor dem Gatten verbergen, denn am beginnenden 20. Jahrhundert galt es für Frauen noch als unschicklich zu rauchen.

1909 wurde der Einakter im Münchner Hof- und Nationaltheater uraufgeführt, damals noch in deutscher Übersetzung. Denn obwohl Wolf-Ferrari zu diesem Zeitpunkt Direktor des Liceo Musicale in seiner Geburtsstadt Venedig war und er erst später fest in München lebte, wurden die drei größten Erfolge des Joseph Rheinberger-Schülers hier uraufgeführt: Le donne curiose (1903), I quattro rusteghi (1906) und eben Il segreto di Susanna.

Der Freischütz

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DER FREISCHÜTZ 
von Carl Maria von Weber
Regie: Dmitri Tcherniakov
Online-Premiere: 13. Februar 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: In einer Dorfgemeinschaft, die an archaischen Bräuchen festhält, muss der junge Jäger Max einen Probeschuss absolvieren, um seine Geliebte Agathe heiraten zu dürfen. Und das, wo ihm in letzter Zeit kaum ein Schuss geglückt ist! Carl Maria von Weber und sein Librettist Friedrich Kind changieren zwischen Gespenstergeschichte, Märchen, Schicksalsdrama und Spiel zwischen Himmel und Hölle: Zentrum der Handlung ist ein diabolisches Ritual in der Wolfsschlucht, wo ein Pakt mit Samiel eingegangen wird, um Freikugeln gießen zu können, die ihr Ziel nie verfehlen. Die Oper wurde bei ihrer Uraufführung 1821 in Berlin laut ihrem Komponisten „mit dem unglaublichsten Enthusiasmus“ vom Publikum gefeiert. In den folgenden Jahrzehnten avancierte das damals als naturverklärend und volkstümlich-romantisch aufgefasste Werk rasch zur meistgespielten Oper auf den deutschen Bühnen. Kein Wunder: In einer Zeit, in der man sich nach kulturellen, nationalen Identifikationsmöglichkeiten sehnte, bot Der Freischütz Projektionsfläche für eine ideelle Gemeinschaft. Was reizt Regisseur Dmitri Tcherniakov heute an dieser Oper?

Eight Songs for a Mad King

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EIGHT SONGS FOR A MAD KING
von Peter Maxwell Davies
Online-Premiere: 11. Januar 2021 
Bayerische Staatsoper München

1. The Sentry (King Prussn’s Minuet) / Die Schildwache (Menuett des Preußenkönigs)
2. The Country Walk (La Promenade) / Spaziergang auf dem Lande (Die Promenade) 3. The Lady-in-Waiting (Miss Musgraves fancy) / Die Hofdame (Phantasie über Miss Musgrave)
4. To be Sung on the Water (The waterman) / Auf dem Wasser zu singen (Der Wassermann)
5. The Phantom Queen (He’s ay a Kissing me) / Die Königin seiner Träume (Er minnet mich immer)
6. The Counterfeit (Le Conterfaite) / Die Täuschung
7. Country Dance (Scotch Bonnett) / Tanz auf dem Lande (Das Schottenmützchen)
8. The Review (A Spanish March) / Der Rückblick (Ein spanischer Marsch)

Paradigma (Staatsballett)

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PARADIGMA (Staatsballett) 
Russell Maliphant / Sharon Eyal / Liam Scarlett
Online-Premiere: 4. Januar 2021 
Bayerische Staatsoper München

BROKEN FALL
Choreographie: Russell Maliphant
Musik: Barry Adamson
Licht: Michael Hulls
Einstudierung: Norbert Graf
Solistin: Jeanette Kakareka
Solist 1: Jinhao Zhang
Solist 2: Jonah Cook

Falstaff

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FALSTAFF
Giuseppe Verdi
Regie: Mateja Koležnik 
Premiere: 2. Dezember 2020 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: Komponist Giuseppe Verdi · Libretto von Arrigo Boito nach „The Merry Wives of Windsor“ und Passagen aus „King Henry IV“ von William Shakespeare In italienischer Sprache · Mit Übertiteln in deutscher und englischer Sprache | Neuproduktion


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