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Bewertung und Kritik zu

IL SEGRETO DI SUSANNA 
von Ermanno Wolf-Ferrari
Regie: Axel Ranisch 
Premiere: 26. April 2021 
Bayerische Staatsoper München

Zum Inhalt: „Intermezzo in einem Bild“ nannte Ermanno Wolf-Ferrari seinen Einakter Il segreto di Susanna (Susannens Geheimnis), in dem sich leichtfüßig ein großes Eifersuchtsdrama zwischen dem Conte Gil und seiner Gattin Susanna anbahnt. Der Gatte hat nämlich ganz richtig erkannt: Seine Frau scheint etwas vor ihm zu verbergen. Sofort vermutet er einen Nebenbuhler und Ehebruch. Doch die Geheimniskrämerei löst sich schnell auf: Susanna wollte lediglich ihre Nikotinsucht vor dem Gatten verbergen, denn am beginnenden 20. Jahrhundert galt es für Frauen noch als unschicklich zu rauchen.

1909 wurde der Einakter im Münchner Hof- und Nationaltheater uraufgeführt, damals noch in deutscher Übersetzung. Denn obwohl Wolf-Ferrari zu diesem Zeitpunkt Direktor des Liceo Musicale in seiner Geburtsstadt Venedig war und er erst später fest in München lebte, wurden die drei größten Erfolge des Joseph Rheinberger-Schülers hier uraufgeführt: Le donne curiose (1903), I quattro rusteghi (1906) und eben Il segreto di Susanna.

Musikalische Leitung: Yoel Gamzou
Regie und Film: Axel Ranisch
Ausstattung: Katarina Ravlic und Christian Blank

TRAILER


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Susannens Geheimnis
  · 28.04.21
''Axel Ranisch hatte das zum Brüllen komische Eifersuchtsdrama als ziemlich zeitgemäße 3-Personen-Kiste inszeniert: Michael Nagy und Selene Zanetti (als Eheleute Gil & Susanne) machen eine Paartherapie bei Heiko Pinkowski (als Psychoanalytiker Sante); das ist die Rahmenhandlung.

Sowohl die vorgefertigten Videos als auch später die mit einer Live-Kamera eingefangenen Nationaltheater-"Nebenschauplätze" klären uns darüber auf, dass Gil zwar irrsinnigerweise eifersüchtig ist, dass sich seine Susanne unerlaubt von ihm entfernen könnte, gleichsam aber eine Lustjungen-Affäre mit dem um etliche Jahre älteren Sante hat, und selbiger Sante verbringt dann wiederum etliche Freizeit mit der von ihm ebenfalls (wohl sexuell begehrten) Susanne; also schwul und bi und hetero, alles in einem, und das alles herrlichst durcheinander. Wunderbar!!!

Und die Musik des Wolf-Ferrari macht das alles umso spritziger und durchsichtiger, und sie heizt dann die Gemüter aufs Extremste auf, und es gibt Nachstellungen und Verfolgungen und Kissenschlachten und Versöhnungsszenen usw. usf. Das Bayerische Staatsorchester musizierte gut gelaunt unter dem Dirigat von Yoel Gamzou! Was für'n toller Montagabend an Entdeckungen.'' schreibt Andre Sokolowski am 27. April 2021 auf KULTURA-EXTRA
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Alles blauer Dunst
  · 28.04.21
Inhaltlich kein Schwergewicht, sondern eher ein "Intermezzo" vom italienischen Komponisten Ermanno Wolf-Ferrari, uraufgeführt 1919 in München. 

Der junge Graf Gil hat eine wunderschöne Frau namens Susanna. Aber wer etwas so Schönes sein eigen nennt, lebt auch ständig in der Furcht, daß es ihm genommen werden könnte. Eines Tages vermeint der Graf den Duft von Zigarettenrauch wahrzunehmen und wähnt sofort einen heimlichen Liebhaber seiner Frau im Hause. 

Gil plant, seiner Frau eine Falle zu stellen und den heimlichen Konkurrenten zur Strecke zu bringen. Er verläßt zum Schein das Haus, kehrt aber umgehend zurück und durchstöbert wütend alle Räume auf der Suche nach dem vermeintlichen Nebenbuhler, findet aber nichts Einschlägiges. Schliesslich beichtet ihm seine Frau, dass sie sich aus purer Langeweile selbst dem Laster des Rauchens ergeben habe. Beschämt entschuldigt sich der Graf für seine rasende Eifersucht und greift nun selbst zur Zigarette, um es seiner geliebten Gattin gleichzutun, und auch der stumme Diener Sante folgt dem neuen Trend im  Hause Gil.

Diese Handlung wirkt in unseren Tagen auf rührende Weise anachronistisch. Heute greift niemand mehr aus Zuneigung zur Zigarette - stattdessen ist die Nikotinsucht gesellschaftlich geächtet, und wer seine Frau versöhnen möchte, begleitet sie eher in ein First-Class-Restaurant oder auf eine Kreuzfahrt, statt mit ihr im Zigarettenkonsum zu schwelgen. 

Die Inszenierung von Axel Ranisch mischt geschickt Realszenen, die in einem kleinen Geviert auf der Bühne spielen, mit Videoaufnahmen aus einer noblen Villenetage. Flotte Ouvertüre. Der Graf (Michael Nagy) verfolgt seine schöne Susanna (Selene Zanetti) mit der argwöhnischen Jagd nach dem unbekannten Zigarettenraucher. Unterdessen spielt  Sante, der stumme Diener, ein wenig den Clown und scherzt auch schon mal mit dem Dirigenten. Zugespitzter Ehekrach, die Daunenfedern fliegen aus den Kissen des Ehelagers. 

Der Graf verläßt das Haus, der stumme Diener ist heimlicher Hüter des gefährdeten ehelichen Zusammenhalts. Susanna und Sante ziehen gemeinsam an einer (elektronischen) Zigarette, die Rauchschwaden erfüllen den Raum. Der Graf kehrt zurück und stürmt unter eifersüchtiger Hochspannung durch die Wohnung auf der Suche nach dem geargwöhnten Liebhaber. Es folgt die Beichte und die Auflösung der Gewitterwolken: die Qualmer waren die durchaus treue Ehefrau und ihr willfähriger Diener. Erleichtert läßt sich der Graf ebenfalls zum Elektrodunst verführen, der Susannas ganzes Geheimnis war.

Yoel Gamzu am Pult des Bayerischen Staatsorchesters präsentiert Wolf-Ferraris spielerisch-anmutige Musik mit geschmeidigem Körpereinsatz und  in höchst gefälliger Form. Ein unterhaltsamer Opernabend, der leicht ins Ohr geht und nicht schwer im Magen liegt. 
Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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