Schaubühne am Lehniner Platz
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Der Geizige

Bewertung und Kritik zu

DER GEIZIGE – Schaubühne am Lehniner Platz

Premiere: 2. April 2026
Von: Molière
Fassung: Maja Zade und Thomas Ostermeier
Regie: Thomas Ostermeier
Bühne: Magda Willi
Kostüm: Vanessa Sampaio Borgmann
Musik: Lars Eidinger, Siriusmo
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider

Über die Inszenierung

Thomas Ostermeier verlegt Molières Komödienklassiker in ein heruntergekommenes Autohaus und übersetzt die Gier des Harpagon in eine zeitgenössische Bildwelt, die zwischen Slapstick, Groteske und gesellschaftlicher Diagnose pendelt. Die Inszenierung arbeitet mit starken Überzeichnungen, die die Absurdität von Besitzfixierung, patriarchaler Kontrolle und familiären Abhängigkeiten sichtbar machen. Die Fassung von Maja Zade und Ostermeier aktualisiert Sprache und Konflikte, ohne die Struktur des Originals zu verlieren.

Magda Willis Bühne zeigt ein tristes Firmenbiotop aus Glas, Neonlicht und billigen Werbematerialien, das Harpagons Kontrollwahn und seine Angst vor Verlust spiegelt. Die Kostüme von Vanessa Sampaio Borgmann betonen soziale Rollen, Machtgefälle und die groteske Überzeichnung des Patriarchen. Die Musik von Lars Eidinger und Siriusmo setzt rhythmische, ironische Akzente, die zwischen Komik und Unbehagen changieren. Die Inszenierung nutzt die körperliche Präsenz des Ensembles, um Molières Figuren als heutige Archetypen von Gier, Angst und sozialer Verformung zu zeigen.

Ensemble

  • Harpagon — Lars Eidinger
  • Cléante — Damir Avdić
  • Elise — Magdalena Lermer
  • Valère — Pablo Moreno
  • Marianne — Mano Thiravong
  • Frosine — Cathlen Gawlich
  • Simon / Jacques — Falk Rockstroh
  • La Flèche / Kommissar — Robert Beyer
  • Anselme — Axel Wandtke

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine radikale Verlegung des Stücks in ein deutsches Autohaus als Sinnbild kapitalistischer Obsession
  • eine Mischung aus Slapstick, Groteske und gesellschaftlicher Satire
  • ein Bühnenraum, der Harpagons Kontrollwahn und familiäre Machtstrukturen sichtbar macht
  • ein Ensemble, das mit hoher körperlicher Energie und präziser Überzeichnung arbeitet
  • eine musikalische Ebene, die Ironie, Rhythmus und emotionale Zuspitzung verstärkt

Die Produktion untersucht, wie Besitz, Angst und patriarchale Kontrolle ineinandergreifen und welche komische wie tragische Wucht aus Molières Figuren in einer heutigen Lesart entsteht.

2 Bewertungen

2.5 von 5 Sterne
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Lars Eidinger als Geiziger
16 Tage her.
Kritik

''Lars Eidinger hält den Laden zusammen, singt, tanzt und rutscht im Autoschaumbad aus, dass das Publikum in jedem Fall auf seine Kosten kommt, auch wenn inhaltlich doch etwas magere Kost verabreicht wird. Textlich modernisiert haben den Molière der Regisseur und seine langjährige Dramaturgin Maja Zade. Moderne Prosa trifft auf eine Story mit Heiratsvermittlerin (Cathlen Gawlich als geschäftstüchtige Frosine) und Eheverträgen, was nicht immer passt, aber vor allem mit den jungen SpielerInnen im Ensemble (vor allem Damir Avdić und Magdalena Lermer) auch glaubhaft rübergebracht wird. Besonders das Vater-Sohn-Battle als maskuliner Hahnenkampf sorgt für Szenenapplaus. Ein Gespräch im Auto unter Männern bringt traumatische Kindheitserlebnisse mit Kotzeimer zu Tage. Aber dann flittert es wieder und Eidingers erotische Autowäsche mit Männlichkeits-Posen zum Diebstahlallarm amüsieren das Publikum. Einmal spielt er sogar die Siegespose Trumps nach dem Attentat auf ihn nach.

Da bleibt nicht viel Platz für die weiblichen Rollen, auch wenn Elise nicht weniger darüber motzt, mit dem alten Anselme (Axel Wandtke) verheiratet zu werden. Die von Vater und Sohn begehrte Marianne (Mano Thiravong) hat hier ein eigenes Geschäft, für das sie sich an den unappetitlichen Geizkragen binden muss. Ansonsten versucht die knapp 2stündige Inszenierung den Molière-Plot so gut es irgend passt abzuspulen. Streber und Schleimer Valère ist ein eher unangenehmer Kollege, an dem sich der unterlegene Jacques rächen will. Auch Axel Wandtke als mysteriöser Geldverleiher Anselme und am Ende überraschender Vater von Valère und Marianne tritt zweimal kurz wie der Geist von Heino auf. Davor wird noch ausgiebig mit Robert Beyer als Hercule Poirot nach der geklauten Million gefahndet. Am Ende steht Harpagon nach einer surrealen Albtraumsequenz von allen verlassen ganz allein auf der Bühne. Das ist Ostermeiers finale Sicht auf den patriarchalen Kotzbrocken. Molierés Geiziger wird hier zur aufgeschäumten Comédie frappé beim Gebrauchtwagenhändler. Man muss das nicht mögen, kann aber durchaus seinen Spaß an Lars Eidinger als gefeierte „Arschloch“-Rampensau haben.'' schreibt Stefan Bock am 4. April 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Lars Eidinger zieht alle Register des Ekelpakets
21 Tage her.
Kritik

Er genießt es sichtlich, hier alle Register eines Ekelpakets zu ziehen: Schaubühnen-Star Lars Eidinger, der als „Richard III.“ und „Hamlet“ für ein ausverkauftes Haus sorgt, spielt den Harpagon als selbstzufriedenen Boomer, der die Familie schikaniert, Sprüche klopft und nach einer jungen Frau giert. Mit ausgestopfter Wampe und Hausmeister-Mütze ist er erst auf den zweiten Blick zu erkennen, reißt den Abend aber an sich und macht daraus eine Lars Eidinger-Show.

Einige Abwanderungen gibt es, aber die Fanbase jubelt: Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier traf offensichtlich den Nerv der Eidinger-Anhänger. Mit einer ganzen Batterie von Kalauern, Slapsticks und kleiner Tänzchen gibt Eidinger dem Affen Zucker, mit dem Vollblut-Komödiant Damir Avdić (als Sohn Cléante) bekommt der Star auch zumindest einen echten Gegenpart.

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