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Schaubühne am Lehniner Platz
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Salome

Bewertung und Kritik zu

SALOME – Schaubühne Berlin

Premiere: 6. Februar 2026
Spielort: Schaubühne am Lehniner Platz, Saal A
Regie: Michael Thalheimer
Textvorlage: von Einar Schleef nach Oscar Wilde, mit Auszügen aus »Salome« von Oscar Wilde in der Übersetzung von Peter Torberg
Bühne: Nehle Balkhausen
Kostüm: Michaela Barth
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider
Livemusik: Yuebo Sun (Erhu)

Mit: Veronika Bachfischer, Jule Böwe, Christoph Gawenda, David Ruland, Alina Stiegler, Tilman Strauß, Jonathan Walz. 

Über die Inszenierung

Michael Thalheimer widmet sich in dieser Produktion der Schaubühne einer radikal verdichteten Fassung von „Salome“, die auf Einar Schleefs Text basiert und zentrale Passagen aus Oscar Wildes Drama einbezieht. Thalheimer setzt auf seine charakteristische Reduktion: klare Bilder, extreme Konzentration und eine kompromisslose Zuspitzung der emotionalen und sprachlichen Intensität. Dadurch entsteht ein Abend, der den Mythos von Salome nicht illustriert, sondern ihn als existenzielles Kammerspiel freilegt.

Die Inszenierung arbeitet mit starken Kontrasten zwischen Stille und Ausbruch, zwischen religiöser Überhöhung und körperlicher Präsenz. Thalheimer legt den Fokus auf die zerstörerische Dynamik zwischen Begehren, Macht und moralischer Verurteilung. Die Figuren erscheinen als Getriebene, gefangen in einem System aus Blicken, Erwartungen und unausweichlichen Entscheidungen. Die Bühne wird zum Resonanzraum für eine Geschichte, die sich weniger über Handlung als über Intensität und Verdichtung entfaltet.

Inhalt

Im Zentrum steht die Begegnung zwischen Salome und Jochanaan, die in dieser Fassung als Konfrontation zweier absoluter Positionen erscheint: auf der einen Seite die junge Frau, die sich nach Anerkennung, Nähe und Selbstbestimmung sehnt; auf der anderen Seite der Prophet, der sie verurteilt und zugleich ungewollt fasziniert. Die berühmte Forderung nach dem Kopf des Jochanaan wird hier nicht als exotischer Akt erzählt, sondern als Ausdruck eines verzweifelten Kampfes um Sichtbarkeit und Macht in einer Welt, die Salome keine eigene Stimme zugesteht.

Die Inszenierung zeigt, wie religiöse Dogmen, patriarchale Strukturen und persönliche Obsessionen ineinandergreifen und eine Spirale der Zerstörung auslösen. Thalheimer interessiert sich dabei weniger für historische Details als für die existenzielle Wucht des Stoffes.

Warum sich ein Besuch lohnt

  • eine kompromisslos verdichtete Inszenierung von Michael Thalheimer
  • eine kraftvolle Neuinterpretation des Salome‑Mythos nach Einar Schleef und Oscar Wilde
  • ein Abend, der religiöse, emotionale und gesellschaftliche Machtstrukturen sichtbar macht
  • eine starke ästhetische Handschrift mit klaren Bildern und intensiver Körperlichkeit
  • eine atmosphärisch dichte Aufführung im Saal A der Schaubühne am Lehniner Platz

„SALOME“ an der Schaubühne ist ein intensiver, konzentrierter und emotional aufgeladener Theaterabend, der den berühmten Stoff neu öffnet und seine zeitlose Wucht eindrucksvoll spürbar macht.

 

1 Kritik

3.0 von 5 Sterne
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Dröhnend und voller Kunstblut
1 Tag her.
Kritik

Mit „Salome“ meldet sich Michael Thalheimer zurück, als wäre er nie weg gewesen. Ein wuchtiger Abend voller dezibelstarkem Dröhnen, voller Verzweiflungs- und Schmerzensschreie, mit sehr viel Kunstblut. Diese „Salome“ an der Schaubühne ist nicht einfach nur ein Thalheimer-Abend, sondern fast schon eine Karikatur seiner röhrend-brachialen Theatermittel.

Als Vorlage nahm er sich eine legendären Inszenierung, von dem wir Spätergeborenen nur aus Erzählungen gehört haben. Im 1998er Ausnahme-Jahrgang des Theatertreffens war Einar Schleef mit zwei Arbeiten vertreten: der Wiener Burgtheater-Uraufführung von Elfriede Jelineks „Sportstück“ und seiner Düsseldorfer Bearbeitung der „Salome“ von Oscar Wilde. Minutenlang passierte dort gar nichts, wurden die Sehgewohnheiten des Publikums irritiert.

Ganz anders bei Thalheimer: gemessenen Schrittes kommt Alina Stiegler aus der Finsternis ins Halbdunkel. Von nun an brettert der Abend zu Bert Wredes Musik und ekastatisch-schmerzhaften Verrenkungen von David Ruland (als Naaman) und Veronika Bachfischer (als Narraboth) mit vollem Karacho los.

Den stärksten Effekt erzielt der Abend mit dem röhrend-bellenden Auftritt des Johannes (Christoph Gawenda), aus der Tiefe einer Kloake schleudert er seine prophetischen Mahnungen nach oben, später baumelt er lange unter der Decke des Saals.

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