Schaubühne am Lehniner Platz
www.schaubuehne.de
Kurfürstendamm 153 - 10709 Berlin
Telefon: 030 890023
SPIELPLAN & KARTEN

WIR EMPFEHLEN



Salome

Bewertung und Kritik zu

SALOME – Schaubühne Berlin

Premiere: 6. Februar 2026
Spielort: Schaubühne am Lehniner Platz, Saal A
Regie: Michael Thalheimer
Textvorlage: von Einar Schleef nach Oscar Wilde, mit Auszügen aus »Salome« von Oscar Wilde in der Übersetzung von Peter Torberg
Bühne: Nehle Balkhausen
Kostüm: Michaela Barth
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider
Livemusik: Yuebo Sun (Erhu)

Mit: Veronika Bachfischer, Jule Böwe, Christoph Gawenda, David Ruland, Alina Stiegler, Tilman Strauß, Jonathan Walz. 

Über die Inszenierung

Michael Thalheimer widmet sich in dieser Produktion der Schaubühne einer radikal verdichteten Fassung von „Salome“, die auf Einar Schleefs Text basiert und zentrale Passagen aus Oscar Wildes Drama einbezieht. Thalheimer setzt auf seine charakteristische Reduktion: klare Bilder, extreme Konzentration und eine kompromisslose Zuspitzung der emotionalen und sprachlichen Intensität. Dadurch entsteht ein Abend, der den Mythos von Salome nicht illustriert, sondern ihn als existenzielles Kammerspiel freilegt.

Die Inszenierung arbeitet mit starken Kontrasten zwischen Stille und Ausbruch, zwischen religiöser Überhöhung und körperlicher Präsenz. Thalheimer legt den Fokus auf die zerstörerische Dynamik zwischen Begehren, Macht und moralischer Verurteilung. Die Figuren erscheinen als Getriebene, gefangen in einem System aus Blicken, Erwartungen und unausweichlichen Entscheidungen. Die Bühne wird zum Resonanzraum für eine Geschichte, die sich weniger über Handlung als über Intensität und Verdichtung entfaltet.

Inhalt

Im Zentrum steht die Begegnung zwischen Salome und Jochanaan, die in dieser Fassung als Konfrontation zweier absoluter Positionen erscheint: auf der einen Seite die junge Frau, die sich nach Anerkennung, Nähe und Selbstbestimmung sehnt; auf der anderen Seite der Prophet, der sie verurteilt und zugleich ungewollt fasziniert. Die berühmte Forderung nach dem Kopf des Jochanaan wird hier nicht als exotischer Akt erzählt, sondern als Ausdruck eines verzweifelten Kampfes um Sichtbarkeit und Macht in einer Welt, die Salome keine eigene Stimme zugesteht.

Die Inszenierung zeigt, wie religiöse Dogmen, patriarchale Strukturen und persönliche Obsessionen ineinandergreifen und eine Spirale der Zerstörung auslösen. Thalheimer interessiert sich dabei weniger für historische Details als für die existenzielle Wucht des Stoffes.

Warum sich ein Besuch lohnt

  • eine kompromisslos verdichtete Inszenierung von Michael Thalheimer
  • eine kraftvolle Neuinterpretation des Salome‑Mythos nach Einar Schleef und Oscar Wilde
  • ein Abend, der religiöse, emotionale und gesellschaftliche Machtstrukturen sichtbar macht
  • eine starke ästhetische Handschrift mit klaren Bildern und intensiver Körperlichkeit
  • eine atmosphärisch dichte Aufführung im Saal A der Schaubühne am Lehniner Platz

„SALOME“ an der Schaubühne ist ein intensiver, konzentrierter und emotional aufgeladener Theaterabend, der den berühmten Stoff neu öffnet und seine zeitlose Wucht eindrucksvoll spürbar macht.

 

2 Bewertungen

3.0 von 5 Sterne
  • 5 Stern(e)
    0
  • 4 Stern(e)
    0
  • 3 Stern(e)
    2
  • 2 Stern(e)
    0
  • 1 Stern(e)
    0
Düsteres Körperspiel
17 Tage her.
Kritik

''Alina Stiegler tritt zu Beginn des Abends im silbrig glitzernden Kleid (Kostüme: Michaela Barth) zu einer wuchtigen Techno-Version des Doors-Song Break On Through (to the Other Side) auf und boxt sich tanzend frei. Danach beginnt das Stück mit der Szene vor dem Herodes-Palast mit Veronika Bachfischer als Salome anhimmelndem Narraboth, Jonathan Walz als warnendem Page in kurzen Hosen und David Ruland als stiernackigem Henker Naaman. Sie können Salomes Bitte, den Täufer gegen das Verbot des Herodes sehen zu dürfen, nicht widerstehen.

Christoph Gawenda, der als Johannes die ganze Zeit im Graben um das leere Spielkaree getigert ist, wird schließlich an Seilen an den Armen hochgezogen und wirft die misogynen Worte des Täufers gegen die nach seinen Lippen schmachtende Salome. „Zurück, Tochter Babylons! Durch das Weib kam das Übel in die Welt.“ In dieser Begegnung setzt Thalheimer den direkten, entschlackten Text Schleefs gegen die mehr am Original hängende Übersetzung des deutschen Lektors und Übersetzers Peter Torberg. Wilde benutzte hier Auszüge aus der Bibel. So spricht Johannes Worte aus dem Buch Ezechiel. Der Prophet gilt als Vater der priesterlichen Theologie. Eine Predigt der Reinheit und der Prophezeiung des Untergangs. Während Salome Texte aus dem Hohelied der Liebe spricht. Fleischliche Liebe und Begehren gegen Enthaltsamkeit und religiösen Wahn. Das ist auch bei Thalheimer symbolisch aufgeladen. Wildes romantisch-düsteres Schauerstück, das viele bildende Künstler vom Symbolismus bis zum Jugendstil beeinflusst hat, wird hier zum Kampf der Körper. Dazu dröhnen wie immer Bert Wredes wummernde Bässe.

Als dekadentes Herrscherpaar Herodes und Herodias treten Tilman Strauß im Pelz und goldener Hose und Jule Böwe im langen Silberkleid auf. Herodes, ein onanierender Lüstling, der im Blut des sich erdolchenden Narraboth ausrutscht und Angst vor den Verwünschungen des Täufers hat, ist hier mehr Karikatur eines zum Untergang bestimmten Herrschers, dem alle Mittel recht sind, seine Gelüste zu befriedigen. Aktuell lassen sich da durchaus Parallelen zum Goldstein-Skandal ziehen. Die westliche Dekadenz am Rande des Abgrunds. Das ist schon oft beschrien worden und wird es momentan aus vielerlei Richtungen. Da kippt der Abend bedenklich ins Lächerliche, bis einen das Spiel von Yuebo Sun auf einem asiatischen Saiteninstrument wieder herausreißt. Doch Alina Stieglers Salome tanzt hier nicht mehr, sondern steht in einem herunterfahrenden Kasten aus Stahlstangen und streckt die Zunge heraus. Das Ende ist bekannt und kommt hier vor dem Black mit den Worten: „Hackt dieses Vieh in Stücke.“ schreibt Stefan Bock am 13. Februar 2026 auf KULTURA-EXTRA

Show more
0 von 0 Person(en) gefiel diese Kritik
Dröhnend und voller Kunstblut
24 Tage her.
Kritik

Mit „Salome“ meldet sich Michael Thalheimer zurück, als wäre er nie weg gewesen. Ein wuchtiger Abend voller dezibelstarkem Dröhnen, voller Verzweiflungs- und Schmerzensschreie, mit sehr viel Kunstblut. Diese „Salome“ an der Schaubühne ist nicht einfach nur ein Thalheimer-Abend, sondern fast schon eine Karikatur seiner röhrend-brachialen Theatermittel.

Als Vorlage nahm er sich eine legendären Inszenierung, von dem wir Spätergeborenen nur aus Erzählungen gehört haben. Im 1998er Ausnahme-Jahrgang des Theatertreffens war Einar Schleef mit zwei Arbeiten vertreten: der Wiener Burgtheater-Uraufführung von Elfriede Jelineks „Sportstück“ und seiner Düsseldorfer Bearbeitung der „Salome“ von Oscar Wilde. Minutenlang passierte dort gar nichts, wurden die Sehgewohnheiten des Publikums irritiert.

Ganz anders bei Thalheimer: gemessenen Schrittes kommt Alina Stiegler aus der Finsternis ins Halbdunkel. Von nun an brettert der Abend zu Bert Wredes Musik und ekastatisch-schmerzhaften Verrenkungen von David Ruland (als Naaman) und Veronika Bachfischer (als Narraboth) mit vollem Karacho los.

Den stärksten Effekt erzielt der Abend mit dem röhrend-bellenden Auftritt des Johannes (Christoph Gawenda), aus der Tiefe einer Kloake schleudert er seine prophetischen Mahnungen nach oben, später baumelt er lange unter der Decke des Saals.

Weiterlesen

Show more
0 von 0 Person(en) gefiel diese Kritik
500+ Monologe zum Vorsprechen
Format: PDF-Datei
€23.95 €29.95
250+ Monologe zum Vorsprechen für Männer
Format: PDF-Datei
€15.95 €19.95
250+ Monologe zum Vorsprechen für Frauen
Format: PDF-Datei
€15.95 €19.95
Shakespeare-Monologe
Format: PDF-Datei
€9.95 €12.45

UNSERE BÜCHER ALS PDF-DATEI


EXPRESSKAUF MIT PAYPAL

Weitere Formate auf Amazon & Play:
Taschenbuch / Kindle: 39,95 €
Google eBook: 29,95 €


WIR EMPFEHLEN