„Egal“ setzt sich mit alltäglichen Kommunikationsmustern, sozialen Rollenbildern und den Brüchen zwischen Selbstbild und öffentlicher Wahrnehmung auseinander. Marius von Mayenburg entwickelt eine Struktur, die zwischen präziser Beobachtung, komödiantischer Zuspitzung und subtiler Verfremdung wechselt. Die Inszenierung arbeitet mit reduzierten Mitteln, um die Dynamik zwischen den Figuren und die Verschiebungen in ihren Beziehungen sichtbar zu machen.
Die Aufführung nutzt klare szenische Setzungen und eine Sprache, die zwischen lakonischer Direktheit und ironischer Brechung oszilliert. Die Figuren bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Nähe, Abwehr und Missverständnissen, das sich zunehmend verdichtet. Die Regie legt Wert auf präzise Rhythmik, körperliche Präsenz und eine Spielweise, die die Ambivalenzen des Textes offenlegt.
Ensemble
Marie Burchard
Stefan Stern
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
eine reduzierte, präzise Erzählweise, die soziale Rollen und Kommunikationsmuster untersucht
eine Inszenierung, die zwischen Komik, Irritation und subtiler Verfremdung balanciert
ein Fokus auf Rhythmus, Timing und körperliche Präsenz
ein Zwei-Personen-Ensemble, das feine Verschiebungen in Nähe und Distanz herausarbeitet
eine klare, konzentrierte Form, die die Ambivalenzen des Textes sichtbar macht
Die Produktion untersucht, wie Menschen miteinander sprechen, aneinander vorbeireden oder sich in ihren eigenen Projektionen verlieren und welche ästhetischen Formen daraus entstehen.
''Erik, der die gesamte Care-Arbeit mit den zwei Kindern übernommen hat und in einem kleinen Verlag die Romane eines niederländischen Autors übersetzt, fühlt sich überrumpelt, als ihm Simone eröffnet, dass sie ein Angebot bekommen hat, mit ihrem Chef in eine Filiale nach London zu wechseln. Er stellt nun plötzlich das ganze Beziehungs-Konzept der beiden in Frage. Zudem hat sich sein Autor gerade das Leben genommen, was seine berufliche Existenz gefährdet. Erik ist frustriert und fühlt sich von Simone abgespeist. Und so ergibt ein Wort das andere. Als dann noch der eigentlich von Simone nicht besonders geliebte Chef anruft, gerät das eh schon fragile Rollenkonstrukt völlig ins Wanken.
Nach einem resigniertem „egal, ach, scheißegal“ wechselt die Konstellation, und Erik ist plötzlich der geschäftsreisende Ingenieur mit Karriereangebot in London und Simone die prekär beschäftige Übersetzerin daheim. Dieser Wechsel vollzieht sich noch zwei weitere Male und treibt so auch die Story weiter voran. Das ist textlich well-made und spritzig auf Pointe getrimmt, aber auch bis auf eine kleine Wendung im London-Karriereplan nicht wirklich überraschend in den Erkenntnissen. Die Eskalation ist vorprogrammiert und das zum Vergnügen des anwesenden Publikums, das sich hier an der Explosion einer falsch zusammengebauten Versuchsanordnung erfreuen kann. Das „Testlabor“ Fairness und Gleichberechtigung fliegt der egogetriebenen Beziehungsavantgarde gewaltig um die Ohren. Die Spielfreude und schauspielerische Klasse von Marie Burchard und Stefan Stern machen, dass einem der Ausgang dieser galligen Gesellschaftssatire nicht ganz egal bleibt.'' schreibt Stefan Bock am 8. Juni 2026 auf KULTURA-EXTRA
Die Schaubühne ließ sich diesen erfolgreichen Stoff ihres langjährigen Hausautors natürlich nicht entgehen. Wie schon bei der Uraufführung in Reykjavík führt Marius von Mayenburg selbst Regie. Als Spielstätte wurde das kleine Provisorium „Ku´damm 156“ ausgesucht: ein intimer Raum, in dem das Publikum nah am Kammerspiel-Schlagabtausch des Paares dran ist, das in Berlin Marie Burchard und Stefan Stern spielen. Ein Clou dieses Raums: hinter dem Paar sieht man durch die große Glasfront den in die Jahre gekommenen Pracht-Boulevard des alten West-Berlin. Manche Passanten sind irritiert, plötzlich zu unfreiwilligen Mitspielern im Hintergrund zu werden, Kinder strecken dem Publikum die Zunge raus.