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Kleiner Mann – was nun?

Bewertung und Kritik zu

KLEINER MANN – WAS NUN? – Kammertheater Stuttgart

von: Hans Fallada
Premiere: 17. Oktober 2026, Kammertheater Stuttgart

Künstlerisches Team

Inszenierung, Bühne und Video: Zino Wey
Kostüme: Pascale Martin
Musik: Lukas Huber
Mitarbeit Video: Fee-Valerie Böhme
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Linda Graf
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger

Besetzung

Ensemble: Gabriele Hintermaier, Boris Burgstaller
Live-Musik: Samuel Reissen, Fabian Richter, Philip Breidenbach, Philip Mancarella, Kevin Jost

Über die Inszenierung

Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“ gehört zu den bedeutendsten literarischen Zeugnissen der späten Weimarer Republik. Die Geschichte eines jungen Paares, das mit wirtschaftlicher Unsicherheit, sozialem Abstieg und den Herausforderungen des Alltags kämpft, hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Zino Wey konzentriert die Erzählung auf die existenziellen Fragen von Arbeit, Würde und Zusammenhalt. Die Inszenierung untersucht, wie Menschen unter ökonomischem Druck versuchen, ihre Hoffnungen und Beziehungen zu bewahren.

Die Bühne von Zino Wey verbindet theatrale Reduktion mit filmischen Elementen. Videoeinspielungen und Live-Spiel treten miteinander in Dialog und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die Figuren und ihre Lebenswelt.

Pascale Martins Kostüme verorten die Handlung zwischen historischer Vorlage und gegenwärtiger Wahrnehmung. Die Musik von Lukas Huber sowie die Live-Musiker auf der Bühne schaffen eine zusätzliche emotionale Ebene und begleiten die Geschichte zwischen Hoffnung, Melancholie und Beharrlichkeit.

Marc Döbelins Lichtgestaltung unterstützt die intime Atmosphäre des Abends. Die dramaturgische Arbeit von Linda Graf und Gwendolyne Melchinger schärft den Blick auf die gesellschaftliche Relevanz von Falladas Roman.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– Bühnenfassung eines Klassikers der Neuen Sachlichkeit
– Kombination von Schauspiel, Video und Live-Musik
– konzentrierte Zwei-Personen-Inszenierung
– zeitlose Themen wie soziale Unsicherheit und Existenzangst
– intime Kammertheateratmosphäre

„Kleiner Mann – was nun?“ erzählt eindringlich von Liebe, Solidarität und dem Versuch, in schwierigen Zeiten die eigene Würde zu bewahren.

1 Kritik

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Lämmchen, Pinneberg und all die anderen
7 Stunden her.
Kritik

''Zwei Schauspieler, ein bescheidenes Einheitsbühnenbild, Kostüme ohne Glanz und Glitzer – Kleiner Mann – was nun? erinnert uns wieder einmal daran, wie wenig Aufwand für großes Theater vonnöten ist. Der Zuschauer wird nicht mit Reizen erschlagen. Hier ist Platz für seine Einbildungskraft. Der Kampf zwischen Spektakel und „Armem Theater“ oder „Leerem Raum“, zwischen Jerzy Grotowski oder Peter Brook und Robert Wilson ist noch nicht entschieden. Es gilt kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-Als Auch. Dafür spricht auch eine Planung, die das Zweipersonenstück und König Richard der Dritte an aufeinander folgenden Abenden vorstellt. Dabei mag überdies die Ökonomie eine Rolle spielen, aber es ist zumindest auch ein konzeptionelles Bekenntnis, das sich an den Möglichkeiten des Theaters statt an Vorlieben orientiert und die Höhe der Kosten (und der Zuwendungen) nicht zum alleinigen Kriterium des künstlerischen Rangs macht. Bedenkenswert ist, dass das Zweipersonenstück im Gegensatz zum Monodrama, also auch zum „inneren (!) Monolog“, nach wie vor eine zentrale Besonderheit des Bühnenstücks, den Dialog nämlich, enthält. Es beachtet die Unterschiede zwischen den Gattungen und eignet sich nicht zur Selbstdarstellung von Solisten, der die häufigen „Dramatisierungen“ der Novelle Fräulein Else ihre Popularität verdanken.

Die grüne Spielfläche im Kammertheater gleicht einem riesigen Billardtisch. Hinzugefügt werden Projektionen von Filmaufnahmen aus dem alten Berlin und Blasmusikfragmente. Gabriele Hintermaier und Boris Burgstaller wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Realismus und Stilisierung. Wenn Pinneberg eine Frisiertoilette kauft, die er sich eigentlich nicht leisten kann, ist er buchstäblich „am Boden zerstört“. Am Schluss gerät er, wie die Figuren bei Ödön von Horváth, an den Rand des Abgrunds. Der Geliebte seiner Mutter, der zwielichtige Jachmann, führt ihn und Lämmchen auf Abwege. Es fällt nicht leicht, Lämmchens Optimismus, mit dem der Roman und das Bühnenstück enden, zu teilen. Die Handlung klingt aus im Jahr vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Und 2026? An einer Stelle sagt Lämmchen: „Und die Leute, die machen was? Sie wählen die Nazis und hoffen auf was besseres.“ Das ist kritisch gemeint. Ist es falsch?'' schreibt Thomas Rothschild am 18. Oktober 2026 auf KULTURA-EXTRA

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