Bewertung und Kritik zu
DIE WELT IM RÜCKEN – Schauspiel Stuttgart
Eingeladen zum 63. Berliner Theatertreffen (2026)
Premiere: 27. September 2025
Von: Thomas Melle
Bühnenfassung: Lucia Bihler, Gwendolyne Melchinger
Regie: Lucia Bihler
Mit: Paulina Alpen, Tim Bülow, Pauline Großmann, Felix Jordan, Mina Pecik, Karl Leven Schroeder, Silvia Schwinger
Über die Inszenierung
Lucia Bihler bringt Thomas Melles autobiografischen Text als intensives, körperlich präzises Theater auf die Bühne. Die Inszenierung untersucht die Zerrissenheit zwischen Selbstbild und Realität, zwischen manischer Übersteigerung und depressivem Rückzug. Statt eines einzelnen Ich-Erzählers steht ein Ensemble aus Doppelgängern auf der Bühne, das die Fragmentierung der Identität sichtbar macht.
Paulina Alpen verkörpert Thomas Melle als zentrale Figur, während sechs Doppelgänger*innen verschiedene Facetten seines Bewusstseins, seiner Erinnerungen und seiner psychischen Zustände übernehmen. Bihler arbeitet mit choreografischen Strukturen, Wiederholungen und rhythmischen Sprachflächen, die den inneren Ausnahmezustand des Autors erfahrbar machen. Der Abend wird zu einem präzisen, schonungslosen Blick auf psychische Erkrankung und gesellschaftliche Erwartungen.
Ensemble
- Paulina Alpen – Thomas Melle
- Tim Bülow – Doppelgänger
- Pauline Großmann – Doppelgänger
- Felix Jordan – Doppelgänger
- Mina Pecik – Doppelgänger
- Karl Leven Schroeder – Doppelgänger
- Silvia Schwinger – Doppelgänger
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine fragmentierte Erzählstruktur, die psychische Zustände körperlich erfahrbar macht
- ein Ensemble aus Doppelgängern, das Identität als vielstimmigen Prozess zeigt
- eine präzise, choreografisch geprägte Regiehandschrift
- eine schonungslose Auseinandersetzung mit Krankheit, Selbstverlust und gesellschaftlichem Druck
- eine Bühnenfassung, die Melles Text in eine starke theatrale Form überführt
Die Produktion untersucht, wie ein Mensch sich selbst verliert und wieder zusammensetzt – und wie Theater einen inneren Ausnahmezustand sichtbar machen kann, ohne ihn zu vereinfachen.




