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Drei Schwestern

Bewertung und Kritik zu

DREI SCHWESTERN – Berliner Ensemble

Premiere: 23. April 2026
Von: Anton Tschechow
Deutsch von: Angela Schanelec nach Arina Nestieva
Regie: Mateja Koležnik
Bühne: Klaus Grünberg
Kostüme: Ana Savić-Gecan
Musik: Alen Sinkauz, Nenad Sinkauz
Choreografie: Magdalena Reiter
Licht: Ulrich Eh
Dramaturgie: Amley Joana Haag

Über die Inszenierung

Mateja Koležniks Inszenierung von „Drei Schwestern“ zeichnet sich durch eine präzise, psychologisch fein gearbeitete Lesart aus, die Tschechows Figuren in ihrer existenziellen Unruhe sichtbar macht. Die Regie arbeitet mit einer klaren, reduzierten Bildsprache, die die emotionalen Spannungen, unerfüllten Sehnsüchte und sozialen Abhängigkeiten der Figuren in den Mittelpunkt rückt. Die Übersetzung von Angela Schanelec nach Arina Nestieva verstärkt die Nüchternheit und Modernität des Textes, ohne seine poetische Tiefe zu verlieren.

Klaus Grünbergs Bühne schafft einen Raum, der zwischen Enge, Stillstand und latenter Auflösung schwankt. Die Kostüme von Ana Savić-Gecan betonen soziale Rollen, familiäre Bindungen und die inneren Brüche der Figuren. Musik und Choreografie setzen atmosphärische Akzente, die die emotionalen Unterströmungen verstärken. Die Inszenierung entwickelt eine dichte, fast mikroskopische Beobachtung des Alltags, in dem die Figuren zwischen Hoffnung, Resignation und unerreichbaren Träumen gefangen sind.

Ensemble

  • Bettina Hoppe
  • Constanze Becker
  • Lili Epply
  • Paul Herwig
  • Marina Galic
  • Martin Rentzsch
  • Josefin Platt
  • Tilo Nest
  • Sebastian Zimmler
  • Jannik Mühlenweg
  • Maximilian Diehle
  • Grigoriy Alimov
  • Daniel Carey
  • Antonio Drwenzski
  • Julius Engel
  • Marcus Hagen Heinemann
  • Tom Hendriks
  • Lazslo Herzfeld
  • Carsten Kaltner
  • Ben Keite
  • Ali Kurum
  • Daniel Rossmeisl
  • Aldo Spahiu
  • Rafael Weingartner

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine psychologisch präzise, modern anmutende Lesart des Tschechow-Klassikers
  • ein reduzierter, atmosphärisch dichter Bühnenraum, der Stillstand und Sehnsucht sichtbar macht
  • ein großes Ensemble, das mit feiner Nuancierung und emotionaler Genauigkeit arbeitet
  • eine Übersetzung, die Klarheit, Nüchternheit und poetische Tiefe verbindet
  • eine Inszenierung, die die existenzielle Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit scharf herausarbeitet

Die Produktion untersucht, wie Menschen an ihren Träumen festhalten, obwohl die Realität sie beständig unterläuft – und welche stille Tragik und Schönheit in diesem Ringen liegt.

1 Kritik

3.0 von 5 Sterne
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Gediegen-konservativ und klug an Gegenwart andockend
1 Tag her.
Kritik

Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, seit Oliver Reeses Antritt eine seiner festen Größen am BE, inszeniert den Klassiker gediegen-konservativ und setzt auf das starke Ensemble, aus dem neben den drei genannten Schwestern noch Sebastian Zimmler als der von Mascha angeschmachtete Oberst Werschinin herausragen.

Erfreulicherweise bleibt die Tschechow-Inszenierung nicht im Retro-Chic und Weltschmerz stehen. Koležnik und ihr Team docken den Stoff mit einem eigentlich sehr naheliegenden, dennoch so noch nicht gesehenen und überzeugenden Regie-Einfall an die Gegenwart an. In den meisten Tschechow-Inszenierungen dämmern die Frauen elegisch vor sich hin, ist alles Militärische nur als Hintergrundrauschen präsent. Doch vier Jahre nach der „Zeitenwende“ und einen Tag nach der vom Verteidigungsminister verkündeten Militärstrategie, die Russland zur größten Bedrohung erklärt, bricht auch in das lamentierende Parlando der Schwestern ähnlich wie in unseren Diskurs das Militärische mit aller Macht herein.

Ein ganzer Trupp von uniformierten Statisten wuselt immer wieder um die Schwestern herum. Statt verwelkender Landsitz-Eleganz bewohnen sie einen in die Jahre gekommenen Bunker, der mit seinen Armaturen und Telefonen wie aus dem vergangenen Jahrhundert wirkt. „Nach Moskau, nach Moskau“ wird leitmotivisch hingeseufzt, während die Truppen sich an der Grenze zu Polen formieren und die drei Schwestern zu ihrem Italo-Pop-Hymnen-Lieblingssong ungelenk-tragikomisch tanzen. Überdeutlich schrillen die Alarmglocken, sie tanzen dennoch bis zur finalen Detonation weiter.

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