Burgtheater Wien



Bewertung und Kritik zu

Der Untergang des Hauses Usher

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DER UNTERGANG DES HAUSES USHER 
von Edgar Allan Poe
Regie: Barbara Frey 
Premiere: 14. August 2021 
Ruhrtriennale, Maschinenhalle Zweckel 
Wien-Premiere: 10. Oktober 2021 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Edgar Allan Poe widmete sein Werk „jenen, die eher fühlen als denken, den Träumern und denen, die an Träume als die einzigen Realitäten glauben …“. Poe schreibt über schizophrene Wachträumer und übersensible Mörder, über zwanghaft Liebende und obsessive Hysteriker. Seine Heldinnen und Helden locken uns an Orte der Furcht und des Schreckens, in die Terra incognita zwischen Leben und Tod. DER UNTERGANG DES HAUSES USHER gilt als Inbegriff des Poe’schen Horrors. Isoliert von der Gesellschaft gibt sich Roderick Usher, ein an Schwermut leidender Geist, gemeinsam mit seiner innig geliebten Zwillingsschwester Madeline einzig der Dichtung und der Musik hin. Ein Jugendfreund sucht deren Anwesen auf, in dessen Gemäuer er bei seiner Ankunft einen Riss bemerkt. Er wird Zeuge des Niedergangs des Hauses in einer stürmischen Nacht, der mit dem geistigen Zusammenbruch dessen gequälter Bewohner untrennbar verbunden ist.

Komplizen

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KOMPLIZEN 
nach Maxim Gorki
Regie: Simon Stone 
Premiere: 26. September 2021 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Eine lichtdurchflutete, modernistische Villa auf der Sonnenseite von Wien, voller Menschen, mit denen es das Leben nicht schlecht gemeint hat. Privatgelehrte und Industrielle, Schauspielerinnen und Filmemacher, Therapeuten und Anwältinnen, Geschäftsführer und Investorinnen – sie kreisen in ihrem kleinen Orbit um sich selbst und umeinander, häufen finanzielle und emotionale Schulden an und spinnen Pläne zur Rettung der Menschheit oder ihres eigenen kleinen Unglücks.

Dafür haben sie sich mit Dienstleister*innen umgeben, die vor allem die Aufgabe haben, das Leben möglichst auf Abstand zu halten. „Draußen“ fordert die um sich greifende Pandemie nicht nur Tote auf Intensivstationen, sondern zunehmend auch soziale Opfer. Es kommt zu Entlassungen und Schließungen, ein Arbeitskampf eskaliert, am Ring brennen bereits Autos. Mittlerweile schleicht das Unbehagen den Millionenhügel hinan und stattet den Erben der Sonne Nacht für Nacht geisterhafte Besuche ab. Wie unter dem Mikroskop des Zellforschers zerfällt das Leben dieser Menschen – und ihre Ideen, Einfälle, Ideale geben sich zu erkennen als Bestandteile ihrer Komplizenschaft mit dem Bestehenden. Maxim Gorkis im Umfeld der russischen Revolution von 1905 entstandene Stücke KINDER DER SONNE und FEINDE behandeln einerseits die Choleraaufstände in Saratow Ende des 19. Jahrhunderts und andererseits den Streik in der Textilfabrik eines liberalen Unternehmers und Mäzens. Simon Stone hat für das Burgtheater- Ensemble auf der Basis beider Dramen ein lebenssattes Stück über die sozialen Verwerfungen unserer Tage geschrieben.

Richard II.

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RICHARD II. 
von William Shakespeare
Regie: Johan Simons 
Premiere: 4. Mai 2021 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Elf Jahre ist Richard alt, als man ihn auf den Thron setzt, Isabel von Valois, seine Frau, ist mit sechs Jahren Königin geworden. Ein seltsam flirrendes Paar auf dem Thron, zwischen hypertrophen Höhenflügen und düsteren Ahnungen schwankend. Shakespeares “schlechtester König” hat das, was man Politik nennt, nie gelernt. Er hat wohl den Mord an einem seiner Onkel angeordnet, was ihm dieses Verbrechen aber für Vorteile gebracht haben könnte, bleibt unersichtlich.

Vielmehr rührt es die Opposition in der weitverzweigten Königsfamilie auf. Er hat Steuern und Abgaben erhöht, um einen prächtigen Hof zu führen, und damit große Teile des Adels gegen sich aufgebracht. Und er konfisziert das Vermögen eines anderen Onkels, kaum, dass der gestorben ist, und schickt den einzigen Erben in die Verbannung, um einen Feldzug gegen irische Rebellen zu finanzieren. Seine Regierung, ein Amtsmissbrauch.

Die Maschine in mir (Version 1.0)

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DIE MASCHINE IN MIR 
Version 1.0
Regie: Bush Moukarzel / Ben Kidd 
Premiere: 31. Dezember 2020 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Mit DIE TRAUMDEUTUNG von Sigmund Freud durchbrach das irisch-britische Regieduo Dead Centre lustvoll die Trennung zwischen Spiel auf der Akademietheater-Bühne und Realität im Zuschauerraum, indem der Traum einer Wiener Zuschauerin zum Inhalt eines ganzen Theaterstücks wurde. Die jüngste Kreation von Dead Centre feiert am 31. Dezember Premiere und geht noch einen Schritt weiter. Der Monolog mit Michael Maertens ist eine Erkundung des Transhumanismus – eine Forschung, welche die Grenzen des menschlichen Körpers zu überwinden sucht. Das Theaterstück basiert auf der preisgekrönten Reportage Unsterblich sein des irischen Journalisten Mark O’Connell, der einen aufrüttelnden Bericht über die Sehnsucht des Menschen nach ewigem Leben vorlegt. Er schlägt den Bogen vom Gilgamesch-Epos bis an die Orte unserer Gegenwart, an denen die Utopie der Unsterblichkeit bereits physische Realität ist, Menschen zu Cyborgs werden und Köpfe in der Wüste Arizonas darauf warten, zum Leben erweckt zu werden.

Das Leben ist ein Traum

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DAS LEBEN IST EIN TRAUM 
von Calderón de la Barca
Regie: Martin Kušej 
Premiere: 11. September 2020 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: Die Isolation ist beendet, in der der junge Mann zeit seines Lebens gefangen war. Sein Vater, der polnische König, hatte früh eine Gefahr in seinem Sohn erkannt, bei dessen Geburt die Sterne schlecht standen und an der seine Mutter starb. Daher hielt er den Prinzen dem Leben und der Macht fern. Erst als er sein Amt niederlegen will, entschließt er sich zu einer Probe aufs Exempel. Aus der Irrealität eines erfahrungsarmen Lebens jenseits der Gesellschaft wird Prinz Sigismund in einen künstlichen Schlaf versetzt und an den Hof gebracht, wo man ihn wie einen Königssohn behandelt. Er, der „bei Menschen als ein Tier/Und als ein Mensch bei Tieren gilt“ verhält sich, wie es befürchtet wurde und zu erwarten war: roh, gewalttätig, unbeherrscht und kein bisschen dankbar für seine Befreiung, sondern voll unbändigem Zorn über seine Gefangenschaft. So ist er gesellschaftlich nicht tragbar und schon gar keine Empfehlung für den Thron.
Wieder wird Sigismund seines Bewusstseins beraubt und zurück in den Turm verbracht, wo man ihm suggeriert, von Palast und Königswürden nur geträumt zu haben. Als er von Revolutionären, die ihn erneut zum König ausrufen wollen, befreit wird, hat er längst alles Vertrauen in die Wirklichkeit verloren. In einer Welt, die nicht wiederzuerkennen ist, findet er Halt an den alten Regeln. Ihre oberste lautet: die Entscheidung darüber, was normal, was wahr, schließlich was „wirklich“ ist, ist eine Machtfrage.

This is Venice

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THIS IS VENICE (Othello & Der Kaufmann von Venedig)
nach William Shakespeare
Regie: Sebastian Nübling 
Premiere: 22. Februar 2020 
Burgtheater Wien 

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Zum Inhalt: Auf dem Rialto, dem zentralen Markplatz der von Krisen geschüttelten Supermacht Venedig, ist die Hölle los. Intrigen werden gesponnen, Seilschaften geknüpft, Ehen besiegelt und Deals gemacht. Im großen Karneval um Macht, Geld und Handelsvorteile hat sich ein rissiges patriarchales System durchgesetzt, das auf der Unterdrückung der Frauen und dem strukturellen Ausschluss von Minderheiten basiert. Es gilt das Gesetz der Väter — und was nicht weiß, venezianisch und christlich ist, wird als das Andere markiert und von der Norm ausgeschlossen. So stabilisiert sich die Geld­ und Kriegsmaschine Venedig und übersteht eine Krise nach der anderen. Mehr noch: Sie vergrößert trotz ihres maroden Kerns ihren Reichtum und ihre Macht. In dem drohenden Krieg gegen die Türken, die bereits mit mehr als hundert Schiffen vor Zypern liegen und das Kolonialreich bedrohen, will sich ganz Venedig bewähren.

Die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen und die Bühnenbildnerin Muriel Gerstner haben die zwei großen Venedig­-Stücke von William Shakespeare in einer dramatischen Welt um den Rialto vereint. Da ist die berühmte Tragödie von Othello, dem schwarzen Feldherrn, der von dem diabolischen Einflüsterer Jago dazu verleitet wird, seine Ehefrau Desdemona aus Eifersucht zu erdrosseln. Die Tragödie trifft auf die Komödie Der Kaufmann von Venedig um den jüdischen Geldverleiher Shylock, der von der venezianischen Geldmaschine erst dringend benötigt und dann von ihr vernichtet wird.

Faust

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FAUST
von Johann Wolfgang Goethe
Regie: Martin Kušej 
Wien-Premiere: 27. September 2019 
Burgtheater Wien 

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Zum Inhalt: Weiter, immer weiter. Zu den Sternen, tief unter die Erde, durch alle Ozeane. Durch alle Leiber, alle Worte. Mehr, immer mehr. Mehr Geld, mehr Sex. Mehr Schmerz, mehr Lust, mehr Vergessen. Stillstand ist der Tod. Das sind wir. Und Faust ist einer von uns. Nachdem Generationen von Leser*innen in ihm den tatkräftigen Titan lobten, der die Fesseln von Glauben, Tradition und Natur abstreift und mit seinem Schicksal zugleich die Welt in die Hand nimmt, erkennen wir heute, dass Faust sich verirrt hat – und wir uns mit ihm.

In seinem pathogenen Hunger nach dem ultimativen Kick, seiner Sucht nach pausenloser Bewegung der Zeit und seiner Negation jeglicher Grenzen steht Faust paradigmatisch für die Hybris des Menschen, der sich im selbst entfesselten Ereignissturm zu verlieren droht. Der Pakt mit Mephisto ist Ausgangspunkt für die Flucht in die Zukunft, das Versprechen lautet Unsterblichkeit. Faust reist, nach Katastrophen dürstend und sie mit Heilsversprechen verwechselnd, zu den Endpunkten der Zivilisation, wo die Luft nach Blut schmeckt und das Auge friert. Das einzige Wesen, das ihn retten könnte, wird er zerstören. Und der Himmel bleibt stumm.

The Party

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THE PARTY
von Sally Potter
Regie: Anne Lenk 
Premiere: 21. September 2019 
Burgtheater Wien 

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Zum Inhalt: Wir sind zu Gast bei einer anfänglich noch harmlos­ausgelassenen Party im linksliberalen Freundeskreis einer englischen Politikerin – nebst Gatten – in London. Gefeiert wird der politische Erfolg der Hauptfigur, Janet. Sie wurde zur Gesundheitsministerin eines Schattenkabinetts gewählt. Die Party gerät jedoch komplett aus den Fugen, als durch plötzliche, sich überschlagende Geständnisse die bürgerlich­intellektuellen Existenzen der Partygäste in Frage gestellt und politisch, ob wir es glauben oder neu diskutiert werden. In rasendem Tempo werden die drängenden Diskurse am Anfang des 21. Jahrhunderts durchdekliniert, von der Krise des Gesundheitswesens, der Demokratie und der Banken über den Stand des Feminismus bis hin zum Verlust verlässlicher Beziehungen. Im Durchlauferhitzer der Partydynamik werden die Gäste – vernunftgesteuerte Intellektuelle – zum Äußersten getrieben. The Party, im Englischen Party und Partei, verhandelt politische Haltungen und deren Korrumpier­ und Haltbarkeit mit viel Witz und Situationskomik.

Anne Lenk wird mit The Party nach Arbeiten in Berlin, Hamburg, Bochum, München und Nürnberg ihre erste Inszenierung am Burgtheater zeigen.


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