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Bewertung und Kritik zu

UNTER EIS
von Falk Richter
Regie: Falk Richter
Premiere: 15. April 2004 (Uraufführung) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

Paul, ein Berater, Mitte Vierzig, wird aufgerufen, schon zum zehnten Mal, das Gate schließt, boarding completed. Paul hört seinen Namen, immer wieder, er genießt es. Einen Moment ist er nicht effizient. Er steht still. Er friert. Er stürzt in einem nicht enden wollenden Angstschub durch die Erinnerungen an seine Kindheit, seine Siege und seine Niederlagen, seine Frauen, an die er nur noch vage Erinnerungen hat. Seine unerfüllten Sehnsüchte kehren mit aller Macht zurück. Er könnte ein anderer Mensch sein. Doch die nächste Generation lauert schon auf einen Moment der Schwäche, das Ende seiner Karriere.

Autor und Regisseur: Falk Richter
Bühne: Jan Pappelbaum
Kostüme: Martin Kraemer
Musik: Paul Lemp
Dramaturgie: Jens Hillje
Video: Martin Rottenkolber
Licht: Michael Gööck

Dauer: ca. 90 Minuten (keine Pause)


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Nichts bewegt sich, alles steht still
  · 19.10.17
Einen Moment lang nicht effizient. Festgefroren. Unter Eis. Kalt. ANGST. Eis. Eis. Eis. Ein Niemand; Paul Niemand. Berater in einem Unternehmen. Er hat den Moment der Karriere verpasst. Er konnte den Druck nicht mehr Stand halten. Burn-Out. Nun wird er durch die nächste Generation ausgetauscht und über die Existenzangst in vergangene Erinnerungen hinein gezerrt. Falk Richters Inszenierung UNTER EIS, die bereits 2004 ihre Uraufführung an der Schaubühne Berlin feierte, problematisiert die Weltwirtschaftskrise, den Neoliberalismus und die immer stärker werdende Leistungsgesellschaft, in der der Mensch kein Jemand mehr ist, sondern zu einem Niemand degradiert wird. Eine Ware mit Haltbarkeitsdatum. Ist das Ablaufsdatum erreicht, wird er weggeworfen und durch einen neuen Niemand ersetzt, der die gewünschte Leistung erbringt. Wie am Fließband werden Menschen ausgetauscht, ersetzt und für nichtig erklärt. So spricht auch der Schauspieler, Thomas Thieme die Figur des Paul Niemand. Schnell, ohne Pause, bis er außer Atmen kommt, hinfällt und von der jüngeren Generation ausgetauscht wird. In UNTER EIS liegt der Fokus ganz stark auf dem Text des Autors Richters und weniger auf seine Regiearbeit. Der Autor arbeitet neben der Wirtschaftskrise, persönliche Erlebnisse, wie Kindheitstraumata und Beziehungskonflikte ab, die zu einem gesellschaftlichen Phänomen unserer Zeit verschmelzen. Der Mensch ist mehr denn je in einer Krise gefangen, die über sein Selbst hinausgeht und nun das Gemeinschaftswesen betrifft; den Zoon politikon. Der Mensch als sozial-politisches Wesen befindet sich wieder an einem Punkt, in dem der geistige Fortschritt hinter den technischen Errungenschaften zurückbleibt. Isolation, Existenzängste und die Furcht vor dem Anderen treten vermehrt auf. Nationen werden wieder geschaffen und Bündnisse gelöst. Die Idiotie ist auf dem Vormarsch. ... Weiterlesen
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UNTER EIS
  · 19.11.16
Falk Richter gelang es in diesem Stück am Beginn seiner Karriere noch nicht so gut, seine Stoffe zu einer so packenden Gesellschaftsanalyse wie in „Never Forever“ oder „Fear“ zu verdichten. In der ersten Stunde wird zu frontal und mit zu wenig Reibung der Manager-Sprech heruntergebetet. Im letzten Drittel wird Jan Pappelbaums Bühne von Video-Einspielern glatter Wolkenkratzer-Fronten überschattet, André Szymanski übt sich in einer längeren Szene als Robbe und quält sich über die Eiswürfel auf der Tischfläche. Weiterlesen
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