Schaubühne am Lehniner Platz
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Stereophonic

Bewertung und Kritik zu

STEREOPHONIC – Schaubühne am Lehniner Platz

von: David Adjmi
Songs von: Will Butler
Übersetzung: Marius von Mayenburg
Deutschsprachige Erstaufführung: 7. Oktober 2026, Saal B, Schaubühne Berlin

Künstlerisches Team

Regie: Thomas Ostermeier
Autor: David Adjmi
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Vanessa Sampaio Borgmann
Musikalische Leitung: Thomas Witte
Mitarbeit Musikalische Leitung: David Riaño Molina
Video: Mikko Gaestel
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Erich Schneider

Besetzung

Ensemble: Moritz Gottwald, Marcel Kohler, Magdalena Lermer, Eva Meckbach, David Ruland, Stefan Stern, Thomas Witte

Über die Inszenierung

„Stereophonic“ ist ein intensiver, musikalisch getriebener Theaterabend über Kreativität, Abhängigkeit, Selbstzerstörung und die fragile Dynamik einer Band im Ausnahmezustand. Thomas Ostermeier inszeniert den Stoff als präzise psychologische Studie, die die Spannungen zwischen künstlerischem Anspruch und persönlichem Chaos sichtbar macht.

Magda Willis Bühne verwandelt den Saal B in ein Studio‑Labyrinth aus Instrumenten, Kabeln und akustischen Räumen, das die klaustrophobische Atmosphäre der Produktion verstärkt. Vanessa Sampaio Borgmanns Kostüme setzen klare zeitliche und charakterliche Akzente.

Die musikalische Leitung von Thomas Witte – unterstützt von David Riaño Molina – bildet das Herz der Inszenierung: Live‑Musik, Probenfragmente und Soundexperimente verschmelzen mit dem Spiel der Darsteller*innen. Mikko Gaestels Videoarbeit erweitert den Raum um dokumentarische und fragmentarische Ebenen.

Maja Zades Dramaturgie hält die Balance zwischen Text, Musik und psychologischer Verdichtung. Erich Schneiders Licht moduliert die Atmosphäre zwischen Studio‑Realismus und emotionaler Überhitzung.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– intensive Verbindung von Schauspiel und Live‑Musik
– klaustrophobische Studio‑Ästhetik
– präzise psychologische Figurenzeichnung
– starke Ensembleleistung
– zeitgenössische, musikalisch getriebene Theaterform

„Stereophonic“ wird zu einem kraftvollen, emotional aufgeladenen Abend über Kunst, Krise und die zerstörerische wie schöpferische Energie kreativer Gemeinschaften.

2 Bewertungen

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New Yorker Broadway-Feeling am Berliner Kudamm
8 Tage her.
Kritik

''In mehreren Kapiteln lässt Ostermeier die gestressten Bandmitglieder aufeinander los, was durchaus einiges an Situationskomik erzeugt, sich aber auch etwas übertrieben in die Länge zieht. Grover, der mit der Produktion des Albums und den Sonderwünschen und Allüren der Musiker sichtlich überfordert ist, wird zum Punchingball und muss sich vor allem gegenüber dem cholerischen Peter behaupten. Mit dem stoischen Charlie teilen sie viel Tontechniker-Gossip und lauschen auch gern den Streitereien in der Band. Bekifftes Gequatsche von Reg über Hausbootkriege wechselt mit angestrengten Diskussionen über Liebe und Beziehungsstress. Nebenbei behaupten und emanzipieren sich hier zwei exzellente Musikerinnen und Songwriterinnen im männlich dominierten Musikbusiness. Die Männer wirken oft wie bockige Jungs, denen man das Spielzeug weggenommen hat. Besonders Moritz Gottwald muss den narzisstischen Perfektionisten Peter immer wieder in die Karikatur treiben. Da klingt auch ein Vaterkomplex an.

Die sich als dokumentarisch verstehen wollende Stückhandlung zeigt den Probenprozess recht detailtreu in den vielen sich wiederholenden Takes, den minutiösen Versuchen das Scheppern der Snaredrum am Schlagzeug abzustellen, oder den Ausfall eines Tonkanals zu reparieren. So schwankt das Stück zwischen Boulevard, historischem Dokument einer Plattenproduktion sowie Künstler- und Emanzipationsdrama und findet letztendlich nur in der Livemusik seine wahre Mitte. Die Songs zum Stück werden hier aus den Proben heraus zunächst nur behutsam angespielt und entfalten schließlich in einigen ausgespielten Rockballaden ihren Sog, dem sich das Publikum eher hingibt als dem sich ziehenden Plot einer nicht enden wollenden Band- und Beziehungskrise, die das schaffende und leidende Künstlerindividuum zwischen Genie und Wahnsinn vorführt. Im Ergebnis der Musik zeigt sich der Abend eher als gelungen.'' schreibt Stefan Bock am 9. Oktober 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Tolle Songs in zäher, klischeehaft platter Musiker-Selbstbespiegelung
9 Tage her.
Kritik

Am besten konsumiert man diese Spielzeit-Eröffnung der Schaubühne als Konzert. Immer wieder brandet Szenen-Applaus auf, wenn das beeindruckend musikalische Ensemble die Songs performt, die Will Butler von der Indie Rock-Band Arcade Fire eigens für „Stereophonic“ komponiert hat. Besonders Moritz Gottwald, Magdalena Lermer und Eva Meckbach sind hier hervorzuheben.

Aus dramaturgischer und theatralischer Sicht hat diese deutschsprachige Erstaufführung hingegen erschreckend wenig zu bieten. Vor allem die erste Hälfte bis zur Pause dümpelt zäh vor sich hin. Wie konnte dieser dünne, klischeehafte Plot, den David Adjmi schrieb, nur zu einem solchen Broadway-Hit werden?

Kurz nach der Off-Broadway-Uraufführung schlug „Stereophonic“ im Golden Theatre in New York ein. Die ortsansässige altehrwürdige NYT veröffentlichte im April 2024 eine Hymne und bei der Verleihung der Tony Awards stellte „Stereophonic“ mit 13 Nominierungen einen neuen Rekord auf, 5 davon gewann es tatsächlich, u.a. für das beste Stück und die beste Regie.

Der Qualm, dem das Publikum ausgesetzt ist. ist enorm. Vor allem in der ersten Hälfte wird fast ständig geraucht. So wie es in den Tonstudios der 70er Jahre auch üblich war. In Magda Willis Bühnensetting erleben wir schluffig-bekiffte Männer wie den schon erwähnten Gottwald, Marcel Kohler mit langer Hippiemähne als zweiten Narzissten der Band und Stefan Stern als überforderten Tontechniker. Sympathischer kommen die beiden Frauen (Lermer und Meckbach) weg, die sich in der zweiten Hälfte von ihren jeweiligen Mackern und Band-Kollegen trennen.

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