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Hamlet (2026)

Bewertung und Kritik zu

HAMLET – Berliner Ensemble

von: William Shakespeare / Wilke Weermann
Premiere: 5. November 2026, Berliner Ensemble, Großes Haus

Künstlerisches Team

Regie/Bühne:Ersan Mondtag
Kostüme: Josa Marx
Musik: Robert Lippok
Video: Alexander Robin Pannier
Licht: Hans Fründt, Sibylle Baschung
Dramaturgie: –

Besetzung

Ensemble: Maximilian Diehle, Pierre Emö, Gerrit Jansen, Amal Keller, Pauline Knof, Maeve Metelka, Marc Oliver Schulze, Paul Zichner, Sebastian Zimmler

Über die Inszenierung

Ersan Mondtag entwickelt einen „Hamlet“, der die klassische Tragödie in eine radikal stilisierte, visuell überwältigende Theaterwelt überführt. Die Inszenierung verbindet expressionistische Körperlichkeit, ikonische Bilder und eine klare, politisch aufgeladene Lesart, die den Text in die Gegenwart holt.

Mondtags eigene Bühne und Videoarbeiten schaffen einen surrealen, überzeichneten Raum, der zwischen Albtraum, Ritual und greller Öffentlichkeit wechselt. Josa Marx’ Kostüme verstärken die ikonische Überzeichnung und verleihen den Figuren eine fast mythische Präsenz.

Robert Lippoks Musik erzeugt eine dichte, elektronische Klanglandschaft, die zwischen Bedrohung, Stillstand und eruptiver Energie oszilliert. Die Lichtgestaltung von Hans Fründt und Sibylle Baschung setzt harte Kontraste und moduliert die Atmosphäre zwischen Intimität und greller Überbelichtung.

Das Ensemble spielt mit großer physischer Präzision und emotionaler Wucht. Hamlet erscheint als zerrissene, hyperbewusste Figur, während die anderen Rollen in Mondtags typischer Überzeichnung zwischen Groteske und Tragik balancieren.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– radikal stilisierte, visuell überwältigende Ästhetik
– starke körperliche und expressionistische Spielweise
– elektronische, atmosphärische Klanglandschaft
– ikonische Kostüme und surreale Bühnenbilder
– zeitgenössische, politisch zugespitzte Lesart

Dieser „Hamlet“ ist ein intensiver, bildmächtiger Abend, der Shakespeares Tragödie als modernes, gesellschaftlich vibrierendes Psychodrama neu formuliert.

1 Kritik

2.0 von 5 Sterne
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Unentschieden zwischen kinky Gay-Party und Klassikerpflege
12 Stunden her.
Kritik

Als Spezialist für Gothic-Atmosphäre erweist sich wieder mal Ersan Mondtag. Er schickt Sebastian Zimmler als Emo-„Hamlet“ durch eine düster-dräuende Szenerie. Wohl fühlt sich Hamlet nur im Techno-Club, wenn er mit seinen Kumpels Rosenkranz (Amal Keller) und Güldenstern (Paul Zichner) Party-Drogen einwerfen, sich ganz dem Rausch hingeben und den in Großaufnahme gefilmten Blow-job seines Lovers Ophelia (Pierre Emö) genießen darf. Eine Augenweide sind die meist in Schwarz gehaltenen Kreationen, die Josa Marx für den Hauptdarsteller und den Motiv-Strang im Club entworfen hat.

Die ganzen langen 3,5 Stunden ist der Druck deutlich spürbar, unter dem der Autor und die Dramaturgin Sibylle Baschung standen. Einerseits wurde schon im Ausblick auf die neue Spielzeit groß angekündigt, dass dieser Hamlet in die Berliner Gay-Szene mit ihren Darkrooms verlegt werde und er sich Ophelia homoerotisch hingezogen fühle. Die Siegessäule, das wichtigste queere Stadtmagazin Berlins, widmete dem Event dann auch gleich die aktuelle Titelgeschichte. Andererseits wollte man das bildungsbürgerliche Stammpublikum nicht verschrecken. In der Tat erkennt hier jeder Theatergänger seinen Shakespeare über weite Strecken ganz problemlos wieder.  Der Ton ist meist getragen-altertümlich.

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