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MARAT/SADE

Bewertung und Kritik zu

MARAT/SADE – Residenztheater München

Premiere: 21. März 2026, Marstall
Originaltitel: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade
Autor: Peter Weiss
Inszenierung: Claudia Bossard
Bühne: Romy Springsguth
Kostüme: Andy Besuch
Musik: Alexander Yannilos
Licht: Verena Mayr
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

Über die Inszenierung

Claudia Bossards Inszenierung von „Marat/Sade“ legt den Fokus auf die Reibung zwischen revolutionärem Pathos und radikaler Individualkritik. Peter Weiss’ Stück, das historisches Drama, politische Theorie und metatheatrale Brechung verbindet, wird als intensives, körperlich zugespitztes Spiel zwischen Macht, Ohnmacht und ideologischer Überhöhung inszeniert. Die Aufführung nutzt die Enge des Marstalls, um die Konfrontation zwischen Marat und de Sade als unmittelbare, fast beklemmende Erfahrung zu gestalten.

Romy Springsguths Bühne schafft einen Raum, der zwischen Anstaltsrealität, Revolutionssymbolik und performativer Übersteigerung oszilliert. Die Kostüme von Andy Besuch betonen die Grenzzustände der Figuren und die Verschiebung zwischen historischer Referenz und gegenwärtiger Lesart. Die Musik von Alexander Yannilos setzt rhythmische, oft eruptive Akzente, die die Spannung zwischen Kollektiv und Individuum verstärken. Die Inszenierung arbeitet mit starken choreografischen Momenten, die die politische Dimension des Textes körperlich erfahrbar machen.

Ensemble

  • Marquis de Sade — Steven Scharf
  • Jean Paul Marat — Lukas Rüppel
  • Charlotte Corday — Liliane Amuat
  • Duperret — Vincent zur Linden
  • Jacques Roux — Florian Jahr
  • Ausrufer / Simonne Evrard — Nicola Mastroberardino

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine körperlich intensive, politisch zugespitzte Interpretation des Weiss‑Klassikers
  • ein Bühnenraum, der Anstaltsrealität und revolutionäre Symbolik miteinander verschränkt
  • eine Inszenierung, die Ideologie, Macht und individuelle Freiheit gegeneinander ausspielt
  • ein Ensemble, das zwischen Pathos, Ironie und psychischer Grenzerfahrung agiert
  • eine musikalische Ebene, die Spannung, Rhythmus und kollektive Dynamik verstärkt

Die Produktion untersucht, wie politische Visionen, persönliche Abgründe und theatrale Überhöhung ineinandergreifen und welche Reibung daraus für eine heutige Lesart entsteht.

1 Kritik

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Zoff in der Revoluzzer-WG
2 Stunden her.
Kritik

''Lukas Rüppel spielt Marat leidenschaftlich, triumphierend, verzweifelt, aber nie würdelos.

An seiner Seite seine Gefährtin Simonne, die von Nicola Mastroberardino wunderbar gespielt wird, in löchrigen Strümpfen, klobigen Stiefeln, Bomberjacke, Ketten, Ohringen und einem Diadem auf den Löckchen. Anrührend beschützend, wie sie ihrem an einer Hautkrankheit leidendem Marat den Rücken schruppt. (Kostüme: Andy Besuch)

Sein Gegenspieler, der Marquis de Sade. Eigentlich ist es ein Stück im Stück, doch das ist hier gar nicht so wichtig, schließlich konzentriert sich alles auf die sechs Figuren, denen man beim Ringen um die Wahrheit zusehen kann. Der Marquis ist der Spielleiter, aber vielmehr der alles in Frage Stellende. Die Freiheit des Individuums geht ihm vor, von der Revolution hat er sich schon verabschiedet (...)

Heftiger Applaus für die großartigen Darstellenden und angeregte Diskussionen beim Verlassen des Theaters, was will man mehr?'' schreibt Isabella Schmid am 23. März 2026 auf KULTURA-EXTRA

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