Bewertung und Kritik zu

Bewertung und Kritik zu

FALSTAFF 
von Giuseppe Verdi
Regie: Mario Martone 
Premiere: 25. März 2018 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Buch kaufen

Zum Inhalt: Das Gebaren des alternden Sir John Falstaff – ein schlitzohriger Schmarotzer, Lebemann und Möchtegern- Weiberheld – sorgt im spießbürgerlichen Windsor für Aufruhr: Nicht nur, dass er sich auf Kosten anderer seinen Lebensunterhalt ergaunert und seinen dicken Bauch füllt – der über jeden Selbstzweifel erhabene Genussmensch glaubt auch noch, er könne gleich zwei Damen mit gleichlautenden Liebesbriefen Avancen machen und sich sowohl ein Liebesabenteuer als auch einen kleinen »Zuverdienst« davon erhoffen. Die empörten, doch gewitzten Frauen aber schmieden ein Komplott, bei dem sie ganz nebenbei auch noch den Weg für die Liebesheirat der Tochter ebnen.
Im Alter von fast 80 Jahren gelang dem längst zum Mythos gewordenen Giuseppe Verdi noch einmal ein sensationeller Erfolg: Ausgehend von der genialen Librettovorlage des wesentlich jüngeren Arrigo Boito schuf er nach fünf Jahrzehnten tragischer Bühnenwerke doch noch ein Meisterwerk der komischen Opernliteratur. Weise und entlarvend, karikierend und auf das Genaueste charakterisierend, fand der alte Verdi mit seinem »Falstaff« zu einer sehr natürlichen und bildhaften Musiksprache voller Wortwitz, rhythmischen Finessen und klanglichen Assoziationen. Weit stärker noch als in früheren Werken meldet sich das Orchester hier durchgängig kommentierend und schlagfertig pointierend zu Wort. Boitos Libretto strotzt derweil nur so vor virtuoser Sprachbeherrschung und Poesie. Mit seinen prallen Bühnencharakteren, turbulenten Ensembles und parodierenden Situationen entpuppte es sich als eine unschätzbare Inspirationsquelle für ein wahres musikalisches Welttheater ganz im Sinne Shakespeares.

Weiterlesen: Falstaff

Bewertung und Kritik zu

SALOME 
von Richard Strauss
Regie: Hans Neuenfels 
Premiere: 4. März 2018 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Buch kaufen

Zum Inhalt: In einem Umfeld aufgewachsen, das keinerlei Mäßigung und Hemmungen kennt, ist die exzentrische Prinzessin Salome fasziniert von der Andersartigkeit des moralisch integren und asketisch lebenden Propheten Jochanaan, den ihre Mutter Herodias und ihr übergriffiger Stiefvater Herodes gefangen halten. Als Jochanaan Salomes von Liebeslust durchtränkte Annäherungsversuche brüsk zurückweist, entwickelt sie eine regelrechte Obsession und nutzt die Lüsternheit ihres Stiefvaters, um ihren Willen durchzusetzen: Da Herodes versprochen hat, Salome für den erotischen »Tanz der sieben Schleier« jeden Wunsch zu erfüllen, verlangt sie nun als Gegenleistung Jochanaans Kopf auf einem Silbertablett. In rasendem Wahn küsst sie dessen leblose Lippen und erfüllt sich so ihr sinnliches Begehren – bis Herodes den Befehl gibt, Salome zu töten.
Zwischen feinnervigem Psychogramm und der Darstellung rauschhafter, zügelloser Wollust changierend, gelang Richard Strauss mit seiner Adaption von Oscar Wildes skandalös- schockierendem Décadence-Drama 1905 sein erster, überwältigender Erfolg als Opernkomponist. In aufreizend ekstatischen Klangvisionen gießt er die hitzig aufgeladenen Gefühlswogen und tiefen seelischen Abgründe seiner exzentrischen Titelheldin in eine irisierende, teils auch schroffe Musik, die mit drastischer Klangmacht des gewaltigen Orchesterapparats nicht nur den seelischen Verfall und die Verführungskraft Salomes, sondern auch ihre sonstige Gefühlskälte und Jochanaans pathetische Anklagen auf aufregende wie verstörende Art und Weise einzufangen weiß.

Weiterlesen: Salome

Bewertung und Kritik zu

TRISTAN UND ISOLDE
von Richard Wagner
Regie: Dmitri Tcherniakov
Premiere: 11. Februar 2018 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Buch kaufen

Zum Inhalt: Obwohl Tristan einst ihren Verlobten enthauptete, hat die irische Königstochter Isolde dem Neffen des verfeindeten Königs von Cornwall das Leben gerettet und sich in ihn verliebt. Zwar erwidert Tristan insgeheim ihre Liebe, doch aus Pflichtgefühl betreibt er nun die Zwangsverheiratung Isoldes mit König Marke. Zutiefst gedemütigt will sie ihrem Leben ein Ende setzen und Tristan mit sich in den Tod reißen. Da er seinen Gefühlen für Isolde entkommen will, trinken beide freiwillig von einem vermeintlichen Todestrank. Sich dem Tode nahe wähnend gestehen sie einander ihre verbotene Liebe. Von unerfüllter Sehnsucht und Verlangen nach einander gequält müssen beide weiterleben, wünschen sich nun aber erst recht die Vereinigung im Tod herbei …
Inspiriert von der Philosophie Schopenhauers adaptierte Richard Wagner in den 1850er Jahren das mittelalterliche Tristan-Epos und schuf eine Musik, die die übermächtigen Emotionen und Gedankenströme der Protagonisten weit mehr in den Vordergrund rückt als jede andere Oper zuvor. In extremer Konzentration auf das Innerste der kaum noch handelnden Akteure verhalf er seiner beinah sinfonisch anmutenden Musik zu größter Entfaltung und Selbstständigkeit. Mittels ausgeprägter Chromatik und hoch avancierter Harmonik, sowie durch strikten Verzicht auf formale Zäsuren schuf Wagner eine hocherotische Musik, eine »unendliche Melodie« voll glühender Spannungen. Ebenso wie die stetig wachsende, alles verzehrende Sehnsucht der beiden Titelgestalten drängt sie immer schmerzlicher nach Auflösung (bzw. Erlösung), die kaum je gewährt wird.

Weiterlesen: Tristan und Isolde

Bewertung und Kritik zu

SOMMERTAG 
von Nikolaus Brass nach dem gleichnamigen Stück von Jon Fosse
Regie: Eva-Maria Weiss 
Premiere: 10. Februar 2018 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Buch kaufen

Zum Inhalt: Seit vielen Jahren wartet eine Frau auf ihren Mann, der vor langer Zeit auf den Fjord hinausfuhr und spurlos verschwand. Als sie an einem schönen Sommertag Besuch von einer Freundin erhält, beginnt sie sich an den Tag der letzten Begegnung mit ihrem Mann Asle zu erinnern. In Rückblenden durchlebt sie abermals den Schmerz der die Beziehung prägenden Sprachlosigkeit und versucht, die Motive für sein Verschwinden zu ergründen.
2014 brachte der Münchner Komponist Nikolaus Brass mit »Sommertag« sein erstes Musiktheaterwerk zur Uraufführung. Die bedrückende Atmosphäre des gleichnamigen Theaterstücks des norwegischen Autors Jon Fosse übersetzt Brass hier eindringlich in Musik. Diese übernimmt über weite Strecken eine Kommentarfunktion bzw. wirkt als Ausdruck des im Text Nichtgesagten. Das zentrale Thema der Aufhebung der Zeit zeigt sich auch in der flexiblen Struktur der Stimmen, die an vielen Stellen vom Sänger- und Instrumentalensemble frei und somit in »Eigenzeit« gestaltet wird.

Weiterlesen: Sommertag

Staatsoper Unter den Linden

Schiller Theater
BERLIN
Staatsoper im Schiller Theater
www.staatsoper-berlin.de
Bismarckstraße 110 - 10625 Berlin
Telefon: 030 203540

SPIELPLAN & KARTEN
3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 23
4 33
3 50
2 29
1 16
Kritiken: 27
HIER KÖNNTE IHRE 
WERBUNG STEHEN
ab 7,99 € / Woche
 AUF DER BÜHNE © 2018                            
Toggle Bar