Sich waffnend gegen eine See von Plagen

Bewertung und Kritik zu

SICH WAFFNEND GEGEN EINE SEE VON PLAGEN 
von Stas Zhyrkov und Pavlo Arie
Premiere: 10. September 2022 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: WAFFE: Ein Gerät, welches im Kampf mit dem Ziel eingesetzt wird, einen Feind zu töten, zu verletzen oder zu bezwingen. Eine Waffe kann eine Schlagwaffe sein, so z.B. der Schlagstock, die Keule oder das Schwert. Sie kann auch ein Flugkörper sein (wie z.B. der Speer, die Schleuder, Pfeil und Bogen), mechanisch (wie z. B. die Armbrust oder das Katapult) oder chemisch (wie z. B. die Rakete oder Schusswaffen wie die Kanone, das Gewehr oder die Pistole). Zu den nicht-konventionellen Waffen gehören Nuklearwaffen, wie die Atombombe und die Wasserstoffbombe, sowie Waffen der chemischen und biologischen Kriegsführung. Auch Verteidigungsmaßnahmen wie Festungsanlagen, Panzerungen und Helme sind schon als Waffen angesehen worden.

Mit: Holger Bülow, Dmytro Oliinyk, Oleh Stefan

Regie: Stas Zhyrkov
Einrichtung Raum: Jan Pappelbaum
Kostüme: Dagmar Fabisch
Musik: Bohdan Lysenko
Dramaturgie: Pavlo Arie, Maja Zade
Licht: Erich Schneider


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Starkes letztes Viertel nach verstolpertem Frontaltheater
  · 11.09.22
Die Monologe der ersten drei Viertel des Abends sind künstlerisch so karg, dass dagegen selbst die faktenreichen Dokumentartheater-Abende von Hans-Werner Kroesinger opulent wirken. Erst im Lauf des Abends wird das Frontal-Theater mit seinen langen Infoblöcken häufiger durch kleine Clowns- und Slapstick-Einlagen unterbrochen.

Doch dieser „Comic Relief“ kommt oft im völlig unpassenden Moment. Eine bedrückende Vorstellung, dass wir Wowa Kovbel, der an die Front ging und seit zwei Monaten verschollen ist, wohl nie mehr live auf einer Bühne erleben werden. Doch diesen Augenblick der Trauer macht die Produktion dadurch kaputt, dass sofort weiter geplappert und gewitzelt wird und die albernste Passage des Abends folgt.

Ebenso bruchlos wird auch ein kurzes Audio eingespielt. Angeblich handelt es sich um einen Mitschnitt des ukrainischen Geheimdienstes, nähere Quellenangaben werden nicht gemacht. Handelt es sich bei den Ausschnitten, die vor Menschenverachtung und Zynismus nur so triefen, wirklich um Original-Dokumente russischer Soldaten, die in Telefonaten mit ihren Frauen über Vergewaltigungen und Kriegsverbrechen scherzen?

Interessant wird der Abend, der seinen Werkstattcharakter demonstrativ ausstellt, erst im letzten Viertel. Bis dahin erleben wir Frontal-Theater der drei Männer, die vor einem langen Schneidetisch stehen, auf dem sich Filmrollen stapeln. Erst als es schon fast zu spät ist, macht „Sich waffnend gegen eine See voll Plagen“ einen inhaltlichen und dramaturgischen Quantensprung.

Das mit Abstand stärkste Material, Tagebuchaufzeichnungen des Co-Dramaturgen Pavlo Arie aus den ersten Wochen nach Putins Angriffskrieg auf Kiew, kommt nun zum Einsatz. Holger Bülow sagt diesen Text nicht nur auf, sondern performt ihn und arbeitet die Nuancen und Zweifel heraus.

Wenn hier noch weiter gebohrt und in Ruhe gearbeitet wird, könnte aus der Werkstatt-Fingerübung im zweiten Anlauf eine spannende Theater-Inszenierung entstehen.

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