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Bewertung und Kritik zu

DIE LETZTEN
von Maxim Gorki
Regie: András Dömötör 
Premiere:  15. Juni 2018 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

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© Esra RotthoffZum Inhalt: Iwan ist ein Mann mit Vergangenheit, Familie und mehr als nur einem Problem. Er scheint am Ende, seine Finanzen so zerrüttet wie seine Familie, die Kinder, verkommen oder traumatisiert, stehen ihm in nichts nach: Alexander ist eitel, Nadeshda intrigiert, Ljubow ist verbittert. Die jüngsten Pjotr und Wera suchen nach einem Ausweg, egal wie. Auf dem gespenstischen Weg zurück zu Geld und Macht wird der archaische Patriarch seine vielleicht erfolgreichste Rolle spielen – die des charismatischen »Menschenzüchters«. 

Regisseur András Dömötör entwickelt mit einem 110 Jahre alten Gorki-Text das spielerische Psychogramm einer Ermächtigung des Menschen über den Menschen, als Reise in einen uns allzu nahen Horror.

Regie: András Dömötör 

Bühne: Magda Willi

Kostüme: Amit Epstein

Dramaturgie: Holger Kuhla

Übersetzung: Werner Buhss


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schauerliche Polit-Farce à la Victor Orbán
  · 17.06.18
''Bei den älteren Kindern ist die geistige Degeneration schon sichtlich fortgeschritten, die jüngeren versuchen sich noch zu wehren, werden aber im Lauf der Handlung vom Vater, der vor Gewalt nicht zurückschreckt, wieder auf Linie getrimmt. Schaad wuppt diesen Abend dann auch fast im Alleingang, es fehlt hier sichtlich an Gegenspielern. Die behinderte Tochter Ljubow (Lea Draeger), die er einst im Suff die Treppe runter gestoßen hat, wird gemobbt. Es zieht sie daher zum Onkel, der eigentlich auch ihr leiblicher Vater ist und in Form eines großen Teddybären über die Bühne geschleift, in die Ecken geknallt und im wahrsten Sinne des Wortes ausgenommen wird, indem man ihm seine Füllung nach und nach aus dem Leib rupft, bis nur noch die leere Hülle übrig bleibt. Gorki-Urgestein Ruth Reinecke hat einen mageren Kurzauftritt als Bittstellerin und Mutter eines jungen Mannes, der Iwan angeschossen hatte und als vermeintlicher Terrorist seit Wochen in Untersuchungshaft sitzt. 

Gelegentliche monotone Gesänge demonstrieren den Gleichklang und die systematische Abrichtung der Kinder, denen Iwan neben dem Sandmann auch das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erzählt, in dem der naseweise Junge durch den Ausspruch der Wahrheit, dass der Kaiser eigentlich nackt ist, erst die Zweifel an dessen Unfehlbarkeit schürt. Das alles soll an Dömötörs Heimat Ungarn erinnern, wo Victor Orbán mit seiner national-konservativen Fidesz-Partei im Bund mit ungarischen Rechtsradikalen das Land auf einen extrem autoritären und nationalistischen Kurs gebracht hat. Im Grunde gibt es überall in Europa solche Bestrebungen die Realität zu negieren, als alternative Fakten umzudeuten und Traditionen und das Schüren von Ängsten über Humanität und Vernunft zu stellen. 

Gorki nannte die Schwestern in seinem Stück sicher nicht ganz umsonst Vera, Ljubow und Nadeshda, was zu deutsch Glaube, Liebe, Hoffnung heißt, ihre Mutter ist Sophia, die Weisheit. Ein sentimentaler Zug des christlichen Marxisten, der bei allem Zweifel immer auch einen Funken Hoffnung in der Finsternis der Antiaufklärung sah. Bei Dömötör wird dies nun gänzlich ad absurdum geführt. Nur war selbst durchaus verständliche Wut über derlei Entwicklungen noch nie ein guter Ratgeber für entsprechend gute politische Kunst. Regisseur Dömötör betreibt in seiner überdrehten und zunehmend banaler werdenden Farce der Infantilisierung einer ganzen Familie lediglich schauerliches Kasperletheater, das als geschraubter Splatter mit ein paar Blutspritzern an der gläsernen Wand endet.'' schreibt Stefan Bock am 17. Juni 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Splatter-Groteske und Solo-Show
  · 16.06.18
Der ungarische Regisseur Dömötör, der in Berlin sowohl am DT als auch am Gorki regelmäßig inszeniert, konzentriert sich vor allem auf den Terror in der Familienhölle und setzt wie gewohnt auf die Komik drastisch überzeichneter Figuren. Hinter einer Glaswand krabbeln und sitzen die Kinder in ihren Pyjamas und mit grell geschminkten Gesichtern wie Insekten oder Versuchskaninchen herum. Das schwächste Glied in der Kette ist jedoch der reiche Onkel Jakow, der von Iwan und seiner Familie nach Strich und Faden ausgenommen wird: er wird in Dömötörs Groteske nicht von einem Schauspieler verkörpert, sondern von einem überdimensionalen Teddybären, an dem alle zerren. Abwechselnd macht sich einer der Spieler über ihn her, schlitzt ihm den Bauch auf und schleudert den Schaumstoff durch die Gegend.

Der Abend kulminiert in einer Kunstblut-Splatter-Orgie, bei der Iwan seine gesamte Familie mit einer Bohrmaschinen-Attacke erblinden lässt und auslöscht. In den zwei Stunden bis dahin hängt der Abend jedoch deutlich durch: die Spielerinnen und Spieler, die sich die Kinderrollen teilen und abwechselnd die Mutter verkörpern (der regelmäßige Gast Knut Berger sowie die Gorki-Ensemble-Mitglieder Mareike Beykirch, Lea Draeger, Vidina Popov, Aram Tafreshian, Till Wonka, immerhin einige Aushängeschilder des Hauses), dürfen nur Abziehbilder spielen. Sie sind Staffage in der Dimitrij Schaad-Show, dem zwischen all den Figuren ohne Konturen jedoch die Sparringspartner fehlen.

Ein zweiter Kritikpunkt ist, dass Dömötör das Stück zwar als Groteske anlegt und sich gegen Gorkis Realismus entscheidet, aber bis zum Splatter-Finale in seiner Regie zu unentschieden und mit angezogener Handbremse wirkt.

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