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Der Freischütz

Bewertung und Kritik zu

DER FREISCHÜTZ – Oper Bonn

Premiere: 3. Mai 2026
Untertitel: Alptraum für Deutschland
Musikalische Leitung: Lothar Koenigs
Regie: Volker Lösch
Bühne: Carola Reuther
Kostüme: Cary Gayler
Video: Robi Voigt
Licht: Max Karbe
Dramaturgie: Polina Sandler, Stefan Schnabel
Choreinstudierung: André Kellinghaus
Mit: Kai Kluge (Max), Alyona Rostovskaya (Agathe), Tobias Schabel (Kaspar), Nicole Wacker (Ännchen), Johannes Mertes (Ottokar), Martin Tzonev (Kuno), Christopher Jähnig (Eremit), Ralf Rachenbauer (Kilian), Joëlle Fleury, Ji Young Mennekes, Heejin Rachel Park, Mary Rosada (Brautjungfern), Birte Schrein (Samiel)
Chor & Extrachor: Theater Bonn
Orchester: Beethoven Orchester Bonn

Über die Inszenierung

Volker Lösch verwandelt Webers romantische Oper in ein politisches Statement über Angst, Radikalisierung und gesellschaftliche Spaltung. Sein „Alptraum für Deutschland“ bricht mit der traditionellen Lesart und zeigt den Freischütz als düstere Parabel über Manipulation, Machtfantasien und kollektive Verführbarkeit. Die Wolfsschlucht wird zum Schauplatz eines gesellschaftlichen Abgrunds, in dem Mythen, Ideologien und Gewalt ineinandergreifen.

Carola Reuthers Bühne schafft eine beklemmende, fragmentierte Landschaft, die zwischen Realismus und Albtraum oszilliert. Cary Gaylers Kostüme und Robi Voigts Videobilder verstärken den politischen Zugriff der Inszenierung, während Lothar Koenigs das Beethoven Orchester Bonn durch eine kraftvolle, dramatisch zugespitzte Interpretation der Partitur führt. Löschs Inszenierung arbeitet mit chorischen Elementen, dokumentarischen Einschüben und starken Bildern, die die Oper in die Gegenwart holen.

Ensemble

  • Kai Kluge – Max
  • Alyona Rostovskaya – Agathe
  • Tobias Schabel – Kaspar
  • Nicole Wacker – Ännchen
  • Johannes Mertes – Ottokar
  • Martin Tzonev – Kuno
  • Christopher Jähnig – Eremit
  • Ralf Rachenbauer – Kilian
  • Joëlle Fleury – Brautjungfer
  • Ji Young Mennekes – Brautjungfer
  • Heejin Rachel Park – Brautjungfer
  • Mary Rosada – Brautjungfer
  • Birte Schrein – Samiel

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine radikal politische Neuinterpretation des romantischen Opernklassikers
  • eine Wolfsschlucht als gesellschaftlicher Abgrund und ideologischer Resonanzraum
  • ein starker Einsatz von Video, Chor und dokumentarischen Elementen
  • ein Ensemble, das zwischen psychologischer Genauigkeit und expressiver Zuspitzung agiert
  • eine musikalisch kraftvolle, dramatisch zugespitzte Interpretation durch Lothar Koenigs

Die Produktion untersucht, wie Angst und Verführung Gesellschaften prägen – und wie romantische Mythen in der Gegenwart eine unheimliche politische Sprengkraft entfalten können.

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Rattenfänger(in) der Angst
4 Stunden her.
Kritik

''Musikalisch lässt Der Freischütz keine Wünsche offen. Und Dirigent Lothar Koenigs samt Beethoven Orchester Bonn, Solistinnen und Solisten sowie Chor & Extrachor des Theaters Bonn zeigen, welche exzellente Musik Carl Maria von Weber im Freischütz gelungen ist. Dunkel raunt die Wolfsschlucht, dagegen fast zart und vorsichtig klingt das Orchester an anderen Stellen, wirkt die Partitur quasi transparent. Die Solistinnen und Solisten fügen sich nahtlos in dieses Bild ein und machen den Abend auch musikalisch zu einem Erlebnis. Kai Kluge überzeugt mit strahlendem Tenor und verkörpert dennoch szenisch überzeugend den gebrochenen Afghanistan-Kämpfer Max. Tobias Schabel lässt seinen Bass mühelos in tiefste Tiefen sinken und gibt Kaspar als arroganten Blender, der sich von allen betrogen fühlt. Alyona Rostovskaya gelingt eine durch und durch innige Darstellung einer Agathe, die zunehmend an ihrer Rolle zweifelt, und Nicole Wacker darf als Ännchen durchaus mehr als nur der Sidekick ihrer besten Freundin sein und kann nicht nur in der Erzählung von ihrer Base (die hier eine überraschende Wendung nimmt) auch musikalisch glänzen. [...]

Am Ende triumphiert szenisch die Koalition der Willigen – Ännchen, Agathe und Max stehen da längst teilnahmslos inmitten einer euphorisierten Menge. Eine düstere Zukunftsvision, die leider im Bereich des Möglichen liegt. Der neue Bonner Freischütz ist ein starker Abend, der zu Diskussionen anregt.'' schreibt Karoline Bendig am 5. Mai 2026 auf KULTURA-EXTRA

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