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Unter Tieren

Bewertung und Kritik zu

UNTER TIEREN – Salzburger Festspiele

Uraufführung: 16. August 2026
Ort: Perner-Insel Hallein
Koproduktion: Burgtheater Wien (Premiere dort: 4. September 2026)
von: Elfriede Jelinek

Künstlerisches Team

Regie:Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Live-Video: Henrike Wiemann, Konrad Hempel, Claudia Lehmann, IXA (Institut für Experimentelle Angelegenheiten)
Licht: Bernd Purkrabek
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg, Sarah Lorenz

Besetzung

Mavie Hörbiger: Rolle
Caroline Peters: Rolle
Sebastian Rudolph: Rolle
Branko Samarovski: Rolle
Thiemo Strutzenberger: Rolle
Azaria Dowuona-Hammond: Rolle
Inge Maux: Rolle

Über die Inszenierung

„Unter Tieren“ ist eine neue Arbeit von Elfriede Jelinek, die sich mit gesellschaftlichen, ökologischen und moralischen Grenzzuständen auseinandersetzt. Nicolas Stemann, der seit Jahren als einer der präzisesten und zugleich spielerischsten Jelinek-Interpreten gilt, entwickelt eine Inszenierung, die Textflächen, Musik, Video und Schauspiel zu einem dichten, vielschichtigen Theaterereignis verbindet.

Die Bühne von Katrin Nottrodt schafft einen wandelbaren Raum, der zwischen Naturmetaphern, abstrakten Strukturen und performativen Spielzonen wechselt. Marysol del Castillos Kostüme unterstützen die Übergänge zwischen menschlichen und „tierischen“ Zuständen, die der Text verhandelt.

Die Musik von Thomas Kürstner und Sebastian Vogel bildet ein klangliches Gerüst, das die Textflächen rhythmisiert und atmosphärisch auflädt. Die Live-Video-Arbeiten von Henrike Wiemann, Konrad Hempel, Claudia Lehmann und IXA erweitern die Szenen um mediale Ebenen, die die Themen Überwachung, Wahrnehmung und Transformation verstärken.

Bernd Purkrabeks Licht setzt klare dramaturgische Akzente und schafft Kontraste zwischen Intimität und öffentlicher Bühne. Die dramaturgische Arbeit von Benjamin von Blomberg und Sarah Lorenz sorgt für eine präzise Strukturierung des komplexen Textmaterials.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– vielschichtige, mediale Jelinek-Inszenierung
– wandelbare, symbolische Bühnenästhetik
– starke musikalische und visuelle Struktur
– präzise Textführung und dramaturgische Klarheit
– ein Ensemble mit großer Ausdruckskraft

„Unter Tieren“ zeigt Jelineks neues Werk als intensives, intellektuell herausforderndes und visuell vielgestaltiges Theaterereignis.

1 Kritik

3.0 von 5 Sterne
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Einige Glanzlichter in anstrengender "Textumsetzungsmaschine"
15 Tage her.
Kritik

Ohne Pause läuft der Abend ab, das Publikum ist jedoch eingeladen, ganz nach Gusto jederzeit rein- und rauszugehen. Davon machen sehr viele Gebrauch, nach zwei Stunden ist es draußen voller als drinnen und Caroline Peters, einer der Stars des koproduzierenden Burgtheaters, mischt sich im Enten-Kostüm unter die Zuschauer, die mehr mit Wein, Sekt und Small-Talk als mit der Live-Übertragung aus dem Saal beschäftigt sind.

Die logische Konsequenz dieser Idee von Regie und Dramaturgie ist ständige Unruhe. Ein Theaterabend, dem man konzentriert folgen könnte, ist selbstverständlich nicht möglich. Einen klassischen Theaterabend hat Stemann aber auch gar nicht beabsichtigt: die „Unter Tieren“-Uraufführung will er als „Textumsetzungsmaschine“ verstanden wissen. 

Redundant wirkt über weite Strecken vieles an den aneinandergereihten Miniaturen, die das hochkarätige Burg-Ensemble um Caroline Peters, Branko Samarovski und Mavie Hörbiger mit einigen Gästen (Sebastian Rudolph als Stemann-Stammkraft, derzeit am benachbarten Volkstheater Wien, oder die Wiener Kult-Figur Inge Maux) von den durch die Gegend flatternden Manuskript-Seiten liest. Der Regisseur selbst streicht, wenn er nicht gerade mittanzt oder im Hintergrund herumwuselt, die Namen der Tiere, die ihren Monolog absolviert haben, mit roter Stift durch, Assistentin Anita sitzt im Zentrum dieser Probebühnen-Atmosphäre und blättert den Countdown um, auf welcher Seite wir gerade in der Textfassung stehen.

Der zweite Erzählstrang, die Reflexion der Tiere über ihre Ausbeutung in der Massentierhaltung, sorgt für Glanzlichter: in all dem Chaos der dem Publikum vor die Füße geworfenen Bruchstücke gibt es immer wieder eindrucksvoll-melancholische Momente vom Schmerz der Tiere, den sie sehr lakonisch auf den Punkt bringen. In den Kostümen von Marysol del Castillo gibt es für das Ensemble auch viel Gelegenheit für kleine Kabinettstückchen, in neue Tier-Identitäten zu schlüpfen.

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