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Der Menschenfeind

Bewertung und Kritik zu

DER MENSCHENFEIND – Salzburger Festspiele

von: Molière
Premiere: 15. August 2026, Landestheater Salzburg, Salzburger Festspiele
Koproduktion: Thalia Theater Hamburg
Hamburger Premiere: 18. September 2026

Leading Team

Regie:Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Komposition und Musik: Matthias Jakisic
Lyrics und Songwriting: UWE
Sounddesign: Mark Badur
Lichtdesign: Paulus Vogt, Doria Worden
Video: Zaza Rusadze, Malwine Mangold-Volk
Dramaturgie: David Heiligers

Besetzung

Alceste: André Szymanski
Philinte: Barbara Nüsse
Oronte: Ole Lagerpusch
Célimène: Maja Schöne
Éliante: Cathérine Seifert
Arsinoé: Lisa Hagmeister
Acaste: Cino Djavid
Clitandre: Camill Jammal
Live-Musik: Matthias Jakisic

Über die Inszenierung

Jette Steckel zeigt Molières Komödie als zeitgenössisches Gesellschaftspanorama, in dem moralische Prinzipien, soziale Masken und persönliche Verletzlichkeit aufeinandertreffen. Die Inszenierung arbeitet mit starken visuellen Setzungen, musikalischen Akzenten und einer klaren, psychologisch präzisen Figurenführung.

Florian Lösches Bühne schafft einen wandelbaren Raum, der zwischen Salon, öffentlicher Bühne und intimen Rückzugsorten wechselt. Pauline Hüners’ Kostüme setzen charakterliche Kontraste und betonen die sozialen Rollen, die die Figuren tragen und zugleich hinterfragen.

Matthias Jakisics Musik und UWE’s Lyrics verleihen der Inszenierung eine zusätzliche emotionale und rhythmische Ebene, die die Konflikte zwischen Wahrhaftigkeit und gesellschaftlicher Anpassung verstärken. Das Sounddesign von Mark Badur und das Licht von Paulus Vogt und Doria Worden formen klare dramaturgische Akzente.

Die Videoarbeiten von Zaza Rusadze und Malwine Mangold-Volk erweitern die Bühne um mediale Spiegelungen, die die Themen Selbstbild, Öffentlichkeit und Wahrnehmung vertiefen. David Heiligers’ Dramaturgie strukturiert die komplexen Textschichten und schafft eine präzise Balance zwischen Komik und gesellschaftlicher Schärfe.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– zeitgenössische, visuell starke Molière-Interpretation
– präzise Figurenführung und psychologische Tiefe
– musikalische und mediale Erweiterung des Textes
– wandelbare, atmosphärische Bühnenarchitektur
– ein Ensemble mit großer Ausdruckskraft

„Der Menschenfeind“ wird hier zu einem modernen, scharf gezeichneten Gesellschaftskommentar, der Molières Komödie mit heutiger Relevanz auflädt.

2 Bewertungen

4.0 von 5 Sterne
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Poppiges Triptychon
1 Tag her.
Kritik

''In einem offen Leuchtkasten (Bühne: Florian Lösche) begegnen sich diese Figuren zum offenen Schlagabtausch über die Fragen nach absoluter Wahrheit oder Heuchelei wie in einer Art Arena, was man sehr gut an der Begegnung der freiheitsliebenden Célimene mit der Moral predigenden Arsinoé (Lisa Hagmeister) erkennen kann. Ein ordentlicher Zickenkrieg, bei dem es durchaus auch körperlich wird. Der Clou des Abends ist, dass ein Teil des Publikums auf einer Tribüne direkt auf der Bühne sitzend das aus nächster Nähe miterleben kann. Aber auch im Saal wird zur Livemusik gerockt. Das Beziehungsdrama, das auch im Stück steckt, kommt dabei nicht zu kurz. Liebesschwüre, Verwünschungen und intrigante Briefe wechseln in hohem Tempo die Besitzer. Der hohe Anspruch nach radikaler Ehrlichkeit steht Alcéste in seiner Eifersucht im Weg und lässt ihn am Ende ebenso scheitern wie die Selbstdarsteller Acaste und Clitandre, denen von den Frauen eine Lektion erteilt wird. Da gibt es noch einen Apell für die Schönheit und Freiheit der Liebe ins Publikum. Was in dieser Art mitreißendem Spiel angekommen sein dürfte. Ansonsten kommt der unterhaltsame Abend inhaltlich nicht so ganz über seinen Eventcharakter hinaus.'' schreibt Stefan Bock am 19. Oktober 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Molière mit HipHop und Zickenkrieg der Bitches aufgepeppt
2 Monate her.
Kritik

So etwas hat man bei den Salzburger Festspielen vermutlich noch nie erlebt. Die elegant gekleideten, meist gesetzteren Herrschaften suchen noch ihre Plätze im Parkett des Landestheaters oder auf einer Zusatz-Tribüne der Hinterbühne, als Ole Lagerpusch ganz in Pink schon zu einem HipHop-Solo ansetzt. Fast eine halbe Stunde springt und schreit er sich die Seele aus dem Leib, die eigens für die Inszenierung geschriebenen Texte der Indie-Band UWE und die Live-Musik von Matthias Jakisic schallen mit voller Lautstärke aus den Boxen.

Typische Assoziationen und Gedanken der Gen Z werden hier im Stakkato abgefeuert: ein fulminanter, unkonventioneller Auftakt für eine Klassiker-Inszenierung. Kürzer ist die Stroboskop-Show aus Lichtblitzen und Social Media-Emojis, mit denen der zweite Teil dieses als Triptychon angelegten Abends sein Publikum quält.

In der hervorragegenden, die Alexandriner-Form der Vorlage wahrenden Übersetzung ihres Vaters Frank-Patrick Steckel bietet Regisseurin Jette Steckel im langen Hauptteil Klassikerpflege, versucht aber auch hier, den Molière etwas aufzupeppen. Wie langatmig ein „Menschenfeind“ werden kann, wenn man ihn nur vom Blatt spielt, war bei Anne Lenks Inszenierung zu erleben, die seit 2019 im Repertoire des Deutschen Theaters Berlin läuft.

Einige Figuren wie Acaste (Cino Djavid) und Clitandre (Camill Jammal) kommen mit kleinen tänzerischen Einlagen auf die Bühne, jeder trägt ein quietschbuntes Kostüm in einer anderen Signalfarbe. Manchmal versinkt der Abend in Textaufsage-Theater, aber spätestens wenn Célimène (Maja Schöne) und Arsinoé (Lisa Hagmeister) einander wie zwei Tigerinnen in der schmalen Arena zwischen den Zuschauergruppen belauern und als „Bitches“ angiften, bekommt dieser Molière-Klassiker viel Frische und Gegenwärtigkeit, die den Bogen zurück zum HipHop-Intro schlägt.

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