Akademietheater Wien



Bewertung und Kritik zu

Moskitos

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MOSKITOS 
von Lucy Kirkwood
Regie: Itay Tiran 
Premiere: 23. Oktober 2021 
Akademietheater Wien 

Zum Inhalt: Nicht nur das Universum ist instabil und kollabiert zwangsläufig einmal. Chaotisch und wild geht es auch in Lucy Kirkwoods Familiendrama zu, deren Mitglieder aufeinanderprallen wie außer Kontrolle geratene Atome. Im Zentrum stehen die ungleichen Schwestern Jenny und Alice:

Jenny lebt in Luton, verkauft Versicherungen in einem Callcenter und verbringt ihre Zeit vornehmlich mit Googeln. Alice ist Physikerin und arbeitet am CERN in Genf. Mittels Teilchenbeschleunigern sucht sie nach den fundamentalen Gesetzen des Universums und steht vor der bahnbrechenden Entdeckung des Higgs Bosons. Derweil setzt Alices verhaltensauffälliger Sohn seine Schule mit Hackerangriffen außer Kontrolle. Karen, das Familienoberhaupt, hat ihr Leben der Forschung gewidmet, doch ihre brillanten Arbeiten in Cambridge und Oxford haben nicht ihr, sondern ihrem Mann den Nobelpreis eingebracht. Nun kämpft sie gegen ihre Demenz. Ein trauriger Vorfall bringt die Familie zusammen. Der Big Bang ist nicht zu verhindern und führt zum familiären Chaos, so tragisch wie komisch.

Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!

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LÄRM. BLINDES SEHEN. BLINDE SEHEN! 
von Elfriede Jelinek
Regie: Frank Castorf 
Premiere: 4. September 2021 
Akademietheater Wien 
Berlin-Premiere: 11. Juni 2022
Deutsches Theater Berlin 

Berliner Autor:innentheatertage (2022) 

Zum Inhalt: „Die Macht hat ein Auge auf uns geworfen.“ „Uns“ stehen in Elfriede Jelineks jüngstem Text die Gates, Kurz, Soros und Rothschilds, die Chinesen und die Amerikaner, die Götter und Zauberinnen gegenüber. Aber nicht mit Gleichgültigkeit, wie „wir“ lange dachten, nein, sie kümmern sich intensiv um uns. Sie haben eigens ein Virus in die Welt gesetzt, um uns zu dezimieren, sie haben Impfstoffe entwickelt, die uns zuverlässig töten werden, wahlweise jagen sie uns auch Mikrochips unter die Haut, um uns bei unseren letzten Zuckungen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Keine Rede von Vertrauensverlust und wachsender Entfremdung zwischen „unten“ und „oben“. Intensiv, giftig und körperlich ist das Verhältnis zwischen den Göttern und den Erdlingen, zwischen Kirke und dem Häuflein überlebender Männer unter der Führung des Odysseus, die die Zauberin mithilfe einer unbekannten Flüssigkeit in Schweine verwandelt. Aber waren sie das nicht schon immer? Waren es nicht Männer wie Schweine, die wesentlich zur Ausbreitung des Virus über Ischgl hinaus beigetragen haben? Bis in die großen Schlachthöfe, in denen Schweine wiederum massenhaft zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden? Die Pandemie, als mythensatte Schweine-Grippe betrachtet, führt bei Jelinek zu einem unverschnupften, klarsichtigen Text darüber, wie wenig wir unsere Lage verstehen (wollen) und über den Lärm, den wir dabei machen. „Sie sehen uns nicht, sie hören uns nicht, aber sie wollen uns zerstören.“

Bunbury

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BUNBURY 
von Oscar Wilde
Regie: Antonio Latella 
Premiere: 24. Mai 2021 
Akademietheater Wien 

Zum Inhalt: Die beiden Dandys Algernon und Jack lieben das Doppelleben. Um Laster und Vergnügen mit ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen, haben sich beide Lügen ausgedacht: Algernon erfindet einen kranken Freund namens Bunbury, um möglichst oft zu diesem aufs Land fahren zu können, und Jack gibt vor, sich um seinen Bruder Ernst kümmern zu müssen, um regelmäßig in die Stadt zu kommen.

Jack verliebt sich in Algernons Cousine Gwendolen und macht ihr einen Heiratsantrag. Diese ist versessen darauf, jemanden zu heiraten, der Ernst heißt. Algernon behauptet, Jacks Bruder Ernst zu sein. Dabei verliebt er sich in Cecily. Auch sie hält den Namen Ernst für eine unbedingt notwendige Voraussetzung für ihren zukünftigen Mann … Von nun an nimmt eine wilde Komödie um Mehrdeutigkeit der Sprache, Ernsthaftigkeit, Wahrheit und Lüge ihren Lauf.

Der Fiskus

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DER FISKUS 
von Felicia Zeller
Regie: Anita Vulesica 
Premiere: 22. Mai 2021 
Akademietheater Wien 

Zum Inhalt: Sie heißen Bea Mtinnen, Nele Neuer, Elfi Nanzen, Reiner Lös und Angie Außen, arbeiten in einem baufälligen Finanzamt und nehmen sich unserer wichtigsten Sache an, der Steuererklärung. Die Angestellten im mittleren und höheren Dienst durchschauen alle, auch jene, die nach den Schlupflöchern im Steuerrecht suchen wie nach dem Heiligen Gral.
Es geht um Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage – um den Betrag unter dem Strich, also sind Verzweiflung, Neid und Streitigkeiten ihre täglichen Begleiter. In der Welt der Paragrafen und Reglementierungen möchten sie manchmal nur noch eines absetzen, nämlich sich selbst. Allein die Sehnsucht nach Gerechtigkeit hält ihre Seelen vereint und kämpferisch. Hauptsache sie sind nicht kleiner als die Überflieger der Investmentbanken und Wirtschaftskanzleien, die ihre Millionen am Ende doch nicht zahlen.

Automatenbüfett

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AUTOMATENBÜFETT 
von Anna Gmeyner
Regie: Barbara Frey 
Premiere: 30. Oktober 2020 
Akademietheater Wien 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: Der eigenbrötlerische Provinzbürger Adam verhindert gerade rechtzeitig, dass sich die unbekannte Eva in einem Teich das Leben nimmt. Er bringt sie ins Automatenbüfett, ein von seiner Gattin geführtes Restaurant, wo Speisen, Getränke und auch Musik auf Knopfdruck bestellt werden können. Unter der strengen Obhut Frau Adams treffen sich hier die Honoratioren der Stadt. Die Fremde entfacht sogleich die Fantasie der Männerrunde, und so wird es mit Evas Unterstützung für Adam ein leichtes Spiel, seine visionären Pläne zum Aufbau der Fischzucht-Industrie umzusetzen. Dem ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung dürfte nichts im Wege stehen, doch mit Evas kalkuliertem Einsatz von Gefühlen entlarvt sich auch die Doppelmoral der örtlichen Verantwortungsträger. 

Das Interview

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DAS INTERVIEW
nach dem Film von Theo van Gogh
Regie: Martin Kušej 
Premiere: 23. Februar 2020 
Akademietheater Wien 

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Zum Inhalt: Es beginnt mit einer professionellen Demütigung. Anstatt der Pressekonferenz beizuwohnen, in der das Kabinett seinen Rücktritt bekannt gibt, ist der Journalist Pierre Peters in Vertretung eines erkrankten Kollegen zu einem Interview mit der bekannten Fernseh-Schauspielerin Katja Schuurman in deren Wohnung abgestellt. Statt Weltgeschichte erwartet den weitgereisten Politreporter also der Glamour der Klatschspalten. Die Schauspielerin andererseits hat ihre Erfahrungen mit männlichen Interviewern und deren publizistischen Interessen.  „Katja treibt es mit Karl. Katja treibt es mit Jan. Katja trauert Jan nach. Hat Katja wieder neue Titten? Katja lässt sich den Po liften. Katja in Waffenskandal verwickelt …“ Sie weiß also, wie schlecht in dieser Konstellation ihre Chancen stehen, etwas von ihrer persönlichen Wahrheit zu vermitteln. Hat die Öffentlichkeit überhaupt ein Interesse daran? Sollte sie es haben? Welchen Einfluss hat das öffentliche Bild auf die private Sphäre, welchen Einfluss können die beiden Opponenten in der persönlichen Begegnung auf das öffentliche Bild nehmen, das unweigerlich entstehen wird? Dass das Interview erscheinen wird, ist beiden klar, etwas Anderes scheint nicht in ihrer Macht zu stehen. Aber welche Wahrheit wird es am Ende enthalten? Der Kampf darum, was „echt“ ist und was „story“ betrifft die Existenz beider Kontrahenten. Entsprechend trickreich und skrupellos wird er von beiden Seiten geführt.

Meister und Margarita

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MEISTER UND MARGARITA
nach  Michail Bulgakow
Regie: Ene-liis Semper, Tiit Ojasoo 
Premiere: 17. Oktober 2019 
Akademietheater Wien 

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Zum Inhalt: Was tun, wenn Satan in die Stadt kommt? Sich auf den Boden werfen? Um Gnade bitten? Beten? All das versuchen die Menschen in Bulgakows Roman erst gar nicht, sondern gieren auf ihren nächsten Vorteil, einen Respektbeweis, die nächste Beförderung oder die nächstgrößere Wohnung. Einander gegenseitig misstrauend, schmierig, in vollendetem Opportunismus und — zugleich sehr menschlich. Die kleinen Spielchen im Büro. Alle leben endgültig ohne Glauben; nur, dass es keinen Gott gibt, das wissen sie sehr genau. Der neuangekommene Satan verwirrt die Städtebewohner*innen mit seiner Transzendenz, erweckt die Toten zum Leben und veranstaltet einen Ball. Erst auf Seite 165 tritt der Meister auf.

Deponie Highfield

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DEPONIE HIGHFIELD
von René Pollesch
Premiere: 24. Mai 2019 
Akademietheater Wien

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Zum Inhalt: „Ich versuche gerade, durch die Grundzüge der Repräsentation herauszufinden, warum ich dich so schnell vergessen habe. Verstehst du?“

Mit: Kathrin Angerer, Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Irina Sulaver, Martin Wuttke

Rosa oder Die barmherzige Erde

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ROSA ODER DIE BARMHERZIGE ERDE 
nach Dimitri Verhulst und William Shakespeare
Regie: Luk Perceval 
Premiere: 10. März 2018 
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Zum Inhalt: Der ordnungsliebende, akribische Bibliothekar Désiré hat sein Leben satt. Er entschließt sich, noch vor seinem 74. Geburtstag dement zu werden. Seine letzten Lebensjahre möchte er in Ruhe verbringen: in einem Pflegeheim. Hier beginnt sein Einüben ins Sterben. Im Heim sieht er Rosa wieder, die große, unerfüllte Liebeseiner Jugend, die „Julia“, die er nie vergessen konnte. Das Verlöschen seiner Julia lässt den „Romeo“ Désiré verzweifeln. Sein Liebesschmerz wird unermesslich – ohne sie kann er nicht weiterleben. Seine vorgetäuschte Demenz wird Wirklichkeit.

Vor Sonnenaufgang

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VOR SONNENAUFGANG 
von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Regie: Dušan David Pařízek  
Premiere: 20. Dezember 2017
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Zum Inhalt: Die Nacht ist guter Hoffnung, der Tag noch ungeboren, aber bald schon wird es hell. Der Titel von Gerhart Hauptmanns 1889 uraufgeführtem „sozialen Drama“ scheint Zuversicht zu vermitteln. Die Geschäfte im Hause Hoffmann laufen gut, die Geburt des Stammhalters steht kurz bevor. Um ihrer Schwester mit dem bald Neugeborenen unter die Arme zu greifen, ist Helene ins Elternhaus heimgekehrt, und völlig überraschend trifft auch noch ein Jugendfreund des werdenden Vaters ein – Alfred Loth, ein engagierter Linksintellektueller. Der Gast findet Gefallen an Helene und Helene an dem Gast. Neues Leben bei den einen, neue Liebe bei den anderen. Und zum Glück ist man materiell für die Zukunft reichlich ausgestattet, ideell jedoch – wie sich zeigen wird – ganz und gar nicht.


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