Bewertung und Kritik zu

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DIE RÄUBERINNEN
nach Friedrich Schiller
Regie: Leonie Böhm 
Premiere: 23. November 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Im Spiel, schrieb Schiller, sei der Mensch wirklich frei und nach dieser Freiheit sehne er sich. Für die Regisseurin Leonie Böhm ist das Theater ein fantastischer Ort für diese Suche nach Freiheit. Hier wird gespielt und experimentiert – und das live und gemeinsam. Leonie Böhm wählt dazu „Die Räuber“, das Werk, mit dem sich der junge Schiller selber das erste Mal als Theaterautor ausprobiert hat. Schillers Text erzählt von den Brüdern Franz und Karl Moor, die unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Der Vater ist dabei Vieles: ein internalisierter Kritiker, Publikum, der Spiegel der Gesellschaft und ein altes Prinzip. Im Versuch sich zu emanzipieren, verlieren sich die Brüder in den Wäldern und in Gedanken. „Wozu ich mich machen will, ist meine Sache nun“, ruft Franz. Warum sollte man nicht nach eigenen Fiktionen leben? Wozu die Schranken? Wie kommen wir wieder ins Spiel?

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KÖNIG LEAR
von William Shakespeare
Regie: Stefan Pucher 
Premiere: 28. September 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: No Country for Old Men? Die Welt hat sich geändert, und für König Lear ist es Zeit, seine Macht an die nächste Generation weiterzureichen. Nur tatsächlich loslassen kann er nicht – viel zu sehr ist er die Privilegien gewöhnt, die ihm sein Leben lang selbstverständlich waren. Mit dem bevorstehenden Machtwechsel verändert sich der Blick: Sind die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht bestimmt von den Immergleichen, seit Jahrtausenden schon? Bedarf es nicht dringend eines Umsturzes – kalt und strukturell? So oder so, bestimmt wird das Spiel nun von Lears Töchtern – sie sind an der Reihe, die Verantwortung für eine andere, noch unbestimmte Zukunft zu übernehmen. Wie radikal muss der Wandel sein? Wie viel Zeit bleibt für den Zweifel? Muss der Vater sterben, damit die Töchter frei sein können? Wie sieht die zukünftige Welt aus? Besser, schlechter oder einfach anders?

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THESE TEENS WILL SAVE THE FUTURE
Performance
Regie: Verena Regensburger 
Premiere: 27. September 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: „Wir haben es satt, dass immer nur über uns gesprochen wird und wir nicht zu Wort kommen! Denn wir sind verdammt nochmal wütend und wir sind enttäuscht – von der Erwachsenengeneration, von Politiker*innen, die sich ihrer Verantwortung entziehen. Demokratie ist nichts, das man geschenkt bekommt! Ungerechtigkeit hört erst auf, wenn auch die sich ändern, die davon profitieren! Es müssen dringend Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe getroffen werden! Und wir können uns Euren Pessimismus nicht mehr leisten! Hört auf zu sagen, dass alles schon zu spät ist. Hört auf zu sagen, dass alles viel zu kompliziert ist! Macht es Euch nicht so einfach! Wir haben eine Neuigkeit für Euch: Wir werden die Zukunft nicht retten! Nicht, wenn Ihr uns nicht zuhört. Und nicht, wenn Ihr nicht versteht, dass zuhören allein nicht ausreicht. Ihr müsst handeln. Mit uns! Tut endlich was! Leute, lasst das Glotzen sein! Reiht Euch in die Demo ein!“ 
Überall auf der Welt gehen junge Menschen auf die Straße: Für eine gerechtere Welt und für dringende Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe. Auch in München organisieren sich tausende Jugendliche, die vor allem die Erwachsenen-Generation und Politiker*innen adressieren und zum Handeln auffordern. Auf diesen Demonstrationen begegneten der Regisseurin Verena Regensburger Teenager, die für ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft kämpfen. Es entstanden erste Ideen zu einem Theaterabend, der sich mit der Wut, der Enttäuschung und dem Protest junger Menschen auseinandersetzt. Aus Gesprächen mit knapp 30 politisch engagierten Jugendlichen wurden Texte entwickelt: Anklagen, Forderungen und Handlungsmöglichkeiten. Der Abend fragt danach, wie wir generationsübergreifend handeln können: Wie können wir das Gefühl der Ohnmacht angesichts der nahenden Katastrophe überwinden? Welche Allianzen können wir schließen? Wie kann aus Gemeinschaft neue Hoffnung entstehen? Ein Abend über eine Zukunft, die uns alle angeht.

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DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT
Performance
Regie: Anta Helena Recke 
Premiere: 26. September 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart. In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.
Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade.

Weiterlesen: Die Kränkungen der Menschheit

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MELANCHOLIA
von Lars von Trier 
Regie: Felix Rothenhäusler 
Premiere: 15. Juni 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Justine sehnt das Ende der Welt herbei, dabei scheint von außen betrachtet in ihrem Leben alles bestens zu laufen. Ihr Freund Michael liebt sie mit Hingabe, ihre Schwester Claire hat für sie ein aufwändiges Hochzeitsfest auf dem wunderschönen Landsitz Eremitage organisiert. Der Chef der Werbeagentur, in der sie arbeitet, behandelt sie als „High Potential“ und befördert sie zum Art Director. Doch all das kann Justine nicht erfreuen. Sie spürt, dass die Welt um sie herum nicht so heil ist, wie die anderen behaupten. Sie sieht, was alle anderen verleugnen: die Katastrophe ist bereits eingetreten. Erst als der Planet Melancholia auf die Erde zurast und eine Kollision unausweichlich ist, wird sie ruhig. Ist Lars von Triers Filmkunstwerk „Melancholia“ die Geschichte einer kranken Frau? Oder ist es eine Erzählung über eine Welt, der man mit Recht den Untergang wünscht? Ist das Ende ein Grund, sich in Düsterkeit zu versenken? Oder kann man ihm gar voller Optimismus entgegensehen? Was geschieht, wenn Planeten ihre gewohnte Umlaufbahn verlassen, und aufeinander treffen? Bei von Trier steckt in der Aussicht des Endes auch die Möglichkeit, dass sich die Dinge noch einmal wenden. Vielleicht zum Besseren.

Weiterlesen: Melancholia

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DREI SCHWESTERN 
Nach Anton Tschechow
Regie: Susanne Kennedy  
Premiere: 27. April 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben „nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren die Schwestern in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen, obwohl niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow inszeniert und oft als Zeichen der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“
Susanne Kennedy will die Schwestern davon befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzenten ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung?

Weiterlesen: Drei Schwestern

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DAS LEBEN DES VERNON SUBUTEX
nach Virginie Despentes
Regie: Stefan Pucher
Premiere: 28. März 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien. Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat. Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert und ihr darüber verzweifelnder Vater. Ein drogensüchtiger Popstar und sein Manager. Ein koksender Trader, eine obdachlose Hundeliebhaberin mit großem Gerechtigkeitssinn und eine ehemalige Pornodarstellerin. Ein rechtsradikaler H&M-Verkäufer und sein Kumpel, eine einsame Staatsbeamtin, ein krankhafter Frauenschläger und eine Kellnerin mit Talent zum Tätowieren. Sie alle bevölkern das Leben des Vernon Subutex, seines Zeichens bankrott gegangener Plattenhändler ohne Dach über dem Kopf. Ihnen allen verleiht die französische Schriftstellerin, Musikerin und Filmregisseurin Virginie Despentes („Baise Moi!“, „King Kong Theorie“) eine Stimme. Sie alle träumen von einem anderen besseren Leben, auf ganz unterschiedliche Weise.

Weiterlesen: Das Leben des Vernon Subutex

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YUNG FAUST 
nach Johann Wolfgang Goethe
Regie: Leonie Böhm 
Premiere: 23. Januar 2019 
Münchner Kammerspiele 

Zum Inhalt: „Erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält,“ will Faust und begibt sich auf die Suche: Rausch, Verjüngung, Sex und Zauberei. „Ich will in dieser Stunde mehr gewinnen als in des Jahres Einerlei.“ Faust lässt alle Vernunft fahren (oder versucht es zumindest), gibt Kontrolle ab und hofft im intensiven Leben die Welt endlich zu begreifen. Die Regisseurin Leonie Böhm sagt: „Ich bin Faust“ und legt zusammen mit den Schauspieler*innen Annette Paulmann, Julia Riedler und Benjamin Radjaipour die echten Gefühle im alten Faust-Text frei. So wie die Cloudrapper*innen der Gegenwart ihrem Künstlernamen ein „Yung“ hinzufügen und damit nicht nur buchstäbliche Jugend anzeigen, sondern auch ihren frischen Zugriff auf die Welt und die Beziehungen in ihr, will „Yung Faust“ den allzu viel gesprochenen Sätzen des mächtigen alten weißen Mannes (Goethe) eine verletzliche Unmittelbarkeit abgewinnen. Echte Zitate, echte Begegnungen: „Mein Busen fängt mir an zu brennen!“

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SPIELPLAN
3.6
Durchschnittsnote aller Stücke
5 23
4 40
3 39
2 16
1 2
Kritiken: 93
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