Premiere: 6. März 2026, Schauspielhaus Nach dem Roman von: Michail Bulgakow Übersetzung: Alexandra Berlina Regie: Jette Steckel
Über die Inszenierung
Die Inszenierung von „Meister und Margarita“ greift die komplexe Struktur von Bulgakows Roman auf und überführt sie in eine theatrale Form, die zwischen Groteske, politischer Allegorie und poetischer Verdichtung wechselt. Jette Steckel legt den Fokus auf die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Erzählebenen: die Moskauer Satire, die Liebesgeschichte zwischen Meister und Margarita sowie die biblische Erzählung um Pontius Pilatus. Die Aufführung arbeitet mit starken visuellen Setzungen und wechselnden atmosphärischen Räumen, die die Vielschichtigkeit des Romans sichtbar machen.
Die Inszenierung nutzt ein Zusammenspiel aus körperlichem Spiel, präzisen Dialogmomenten und bildhaften Sequenzen, um die Übergänge zwischen Realität, Fantasie und metaphysischen Ebenen zu gestalten. Die Figuren bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Macht, Moral, Verführung und Widerstand. Die theatrale Umsetzung betont die satirische Schärfe des Romans ebenso wie seine existenziellen Fragen nach Wahrheit, Freiheit und künstlerischer Integrität.
Ensemble
Erwin Aljukić
Elias Krischke
Christian Löber
Linda Pöppel
Wiebke Puls
Thomas Schmauser
Edmund Telgenkämper
Martin Weigel
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
eine vielschichtige theatrale Struktur, die die Ebenen des Romans parallel erfahrbar macht
eine Inszenierung, die Groteske, Satire und poetische Bilder miteinander verbindet
ein Ensemble, das zwischen realistischen und überhöhten Spielweisen wechselt
eine starke visuelle Gestaltung, die Übergänge zwischen Realität und Fantasie markiert
eine Interpretation, die politische, moralische und existenzielle Fragen des Romans betont
Die Produktion untersucht, wie Macht, Wahrheit und künstlerische Freiheit miteinander verwoben sind und welche ästhetischen Formen aus der Vielschichtigkeit von Bulgakows Roman entstehen.
Mehr als vier Stunden dauert dieser Abend, der natürlich einige Kabinettstückchen zu bieten hat: Elias Krischke als tanzender, singender Kater Behemoth, Linda Pöppel als nackte Hexe, die durchs Foyer des benachbarten Hotels Vier Jahreszeiten und von der Live-Kamera verfolgt über die Maximilianstraße flitzt, und auch Wiebke Puls als diabolisch-abgeklärter Woland. Doch die Einzelteile fügen sich nicht so recht zum Ganzen, auch Thomas Schmauser, als Hendrik Höfgen im „Mephisto“ amtierender Schauspieler des Jahres, bleibt in seiner Doppelrolle als Roman-Figur „Meister“ und Roman-Autor Michail Bulgakow blass.
Überflüssig ist seine Qualmszene im ersten Teil und viel zu lang ist der Hypnose-Slapstick, den Wiebke Puls als zähes Mitmachtheater in die Länge zieht und die erst vorbei ist, als auch eine Statistin in zahlreichen Positionen in Fake-Hypnose versetzt worden ist. Umso unruhiger wird es im Publikum. Dramaturgisch klafft im zweiten Teil des Mammut-Abends ein Loch.
''Regisseurin Jette Steckel, die mit ihren zwei großartigen Inszenierungen Die Vaterlosen und Mephisto bereits an den Kammerspielen Furore machte, hat hier zwar auch Originalzitate Bulgakows eingebaut, aber etwas mehr Anbindung an die schreckliche Zeit der Diktatur Stalins hätten mehr Licht ins Dunkel bringen können. Apropos Licht (Maximilian Kraußmüller), das war großartig - genauso wie die Bühne (Florian Lösche); dünne Metallvorhänge strukturieren dort die Szenerie, viel mehr braucht es nicht um große Wirkung zu erzielen.
Etwas zweischneidig war die Wirkung der Hypnoseszene. Erstmal durfte jeder mitmachen, und die meisten Zuschauer hielten begeistert ihre Arme vor sich, spürten einem Widerstand nach, sie zu schließen und waren auch sonst bei der Sache. Ein Spaß, bei dem man aufstehen und sich ein bisschen bewegen konnte. Dann wurde ein „Freiwilliger“ aus dem Publikum geholt. Wiebke Puls als Teufel und Magier machte ihre Sache gut, schließlich hat sich das Team von einem geschäftsmäßigen Zauberer und Hypnotiseur beraten lassen. Dann wurde es etwas befremdlich. Man konnte nur hoffen, dass der „Freiwillige“ doch ein Schauspieler war, sonst hätte man einem „Menschenexperiment“ zugesehen. Ein Mensch, der den eigenen Namen durch die Hypnose vergisst? Gruselig und hoffentlich nicht wahr.'' schreibt Isabella Schmid am 8. März 2026 auf KULTURA-EXTRA