Bewertung und Kritik zu

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DER UNTERGANG DES EGOISTEN JOHANN FATZER
von Bertolt Brecht
Regie: Oliver Frljić 
Premiere: 7. Juni 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: Brechts DER UNTERGANG DES EGOISTEN JOHANN FATZER gehört zu den großen Fragmenten der dramatischen Literatur. Auf über 500 Seiten ist das Stück angewachsen, bevor er es für immer unvollendet ließ. Angesiedelt im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs erzählt es die Geschichte von vier Deserteuren, darunter Johann Fatzer, die in Mülheim an der Ruhr in einem Keller sitzen und warten. Auf das Ende des Kriegs, auf den Ausbruch der Revolution. Während sie sich den Träumen von einer besseren Gesellschaft hingeben, radikalisieren sie sich und fangen schließlich an, sich gegenseitig zu bekämpfen.

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PARDON WIRD NICHT GEGEBEN
nach Hans Henny Jahnn
Regie: Rafael Sanchez 
Premiere: 24. Mai 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: Eine verarmte Witwe und ihre drei Kinder ziehen Anfang des 20. Jahrhunderts vom Land in die Großstadt Berlin. Vor allem der Älteste, Karl, ist von der neuen Umgebung, der Vielstimmigkeit, dem Durcheinander von Biographien und Lebensumständen erschüttert. Die Frage nach Zugehörigkeit wird zum Lebensthema für ihn: Soll er sich dem Streben nach Geld verschreiben oder dem Kampf um Gerechtigkeit? Wo ist Orientierung zu finden in einer Welt, die sich so rasend schnell wandelt, in der die Gewinner von Heute die Verlierer von Morgen sind?  

Wie in seinem Jahrhundertroman BERLIN ALEXANDERPLATZ gelingt es Alfred Döblin, den Sound der Großstadt einzufangen. Die Gesellschaft, die er über mehrere Jahrzehnte portraitiert, ist im Umbruch – der fortschreitende Kapitalismus bringt Reichtum für einige und vergisst Viele. Der Kampf ums Überleben ist gnadenlos: Pardon wird nicht gegeben. 

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MEDEA 
nach Hans Henny Jahnn
Regie: Robert Borgmann 
Premiere: 12. April 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: Es ist sicherlich eine der radikalsten Bearbeitungen des Medea-Stoffes, die Hans Henny Jahnn 1926 vorlegt. Die Magierin und Nichte des Sonnengottes Helios, mit Jason aus Kolchis geflohen, hilft ihm nicht nur beim Diebstahl des goldenen Vlieses, sondern schenkt Jason durch einen Zauber ewige Jugend. Als Ausgestoßene lebt sie in Korinth, ihr Körper verfällt, während ihr Geliebter in zeitloser Schönheit gefangen ist. Jason, der Held ohne Auftrag, verliert sich in erotischen Abenteuern, gequält von einem unersättlichen Begehren. Auch in ihren Kindern, die bei Jahnn erstmals eine eigene Stimme haben, erwachen die Triebe, und es ist nicht der Vater, der Kreons Tochter anfangs begehrt, sondern sein älterer Sohn. Es ist eine Welt voller Triebe und Aggressionen, Inzest und Begehren, eine Geschichte von Entwurzelung, Ausgrenzung und metaphysischer Sehnsucht.

Nach IWANOW inszeniert Robert Borgmann Jahnns sprachmächtige Überschreibung eines antiken Stoffes, eine antike Tragödie, in der sich das Drama des modernen Menschen in seiner Zerrissenheit widerspiegelt. 

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DIE RÄUBER 
von Friedrich Schiller
Regie: Ersan Mondtag
Premiere: 15. März 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: Schillers großes Freiheitsdrama, das die Zeitgenossen durch seine Wucht, Gewalttaten und destruktiven Leidenschaften verstörte, stellt die auch heute noch brisante Frage, wann unbedingter Freiheitswille und Idealismus pervertiert werden und in Terror und Zerstörung umschlagen. 

Zwei unterschiedliche Brüder stellt Schiller einander gegenüber  ̶  und damit zwei radikale Lebensprinzipien. Franz Moor, ein Rationalist und nihilistischer Menschenfeind, will den eigenen Vater und so die gesamte christliche Weltordnung vernichten. Sein Bruder Karl kämpft anfangs für humanistische Ideale, verliert dabei jedes Maß und wird schuldig am Tod Unschuldiger. Während Franz zu Hause auf infame Weise gegen Bruder und Vater intrigiert, geht Karl in die Wälder, um eine Räuberbande zu gründen. Beide revoltieren auf ihre Weise gegen die gesellschaftliche Ordnung. Nach Jahren des Räuberdaseins kehrt Karl nach Hause zurück. Er erkennt die Ränke seines Bruders und schwört Rache. Die Zerstörung der Familie ist nicht mehr aufzuhalten. Franz, der seinen Vater ins Grab gebracht hat, wird von Alpträumen und Schuldgefühlen geplagt und als er durch das Auftauchen seines Bruders Karl sein Leben bedroht sieht, nimmt er sich das Leben. Durch einen Treueid an die Räuberbande gebunden gibt es auch für Karl keinen Weg zurück.

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RUSALKA
von Antonín Dvořák
Regie: Nadja Loschky 
Premiere: 10. März 2019 
Oper Köln 
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Zum Inhalt: Die Geschichte einer versuchten Menschwerdung und einer Sehnsucht, die sich nicht einlöst: Die Nixe Rusalka verlangt danach, Menschengestalt anzunehmen, um dem geliebten Prinzen in sein Reich folgen zu können. Den Warnungen des Wassermanns zum Trotz möchte sie ihre Naturwelt verlassen und eine Seele erlangen. Dafür ist sie nicht nur dazu bereit, alles hinter sich zu lassen, sondern auch die ihr von der Hexe Ježibaba genannte Konsequenz zu tragen: In der Menschenwelt muss sie stumm bleiben. Damit beraubt sich das Wasserwesen Rusalka nicht nur seines eigentlichen Elements, sondern auch der Möglichkeit, sich dem Prinzen zu vermitteln. Dieser erlebt sie von da an als eine Fremde, ihre Umarmung erscheint ihm kalt, und schon bald erliegt er der Verführung einer anderen Frau. In Kontakt mit der ihm fremd gebliebenen Natur der Wassernixe treten kann der Prinz nur im Moment seines Sterbens – durch den Todeskuss Rusalkas, mit dem sie ihn in die Wassertiefen zieht, um selbst als einsames Irrlicht zurückzubleiben.

Naturwelt und menschliche Zivilisation bleiben unvereinbar: Der Wunsch Rusalkas, an der Seite des Prinzen menschliches Glück zu erfahren, erfüllt sich ebenso wenig wie das romantische Verlangen des Prinzen nach der von ihm idealisierten, durch keine gesellschaftliche Einmischung beeinträchtigten Naturwelt.

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TROPFEN AUF HEISSE STEINE
von Rainer Werner Fassbinder
Regie: Tom Müller 
Premiere: 7. Februar 2019 
Theater der Keller, Köln

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Zum Inhalt: Leopold hat Franz auf der Straße angesprochen – neugierig und fasziniert kommt Franz zu ihm mit nach Hause. Die Verabredung mit seiner Freundin Anna lässt er sausen. Und er bleibt. Aus dem sexuellen Abenteuer wird eine eingefahrene Beziehung mit allen Facetten der Verletzung und Demütigung. Franz übernimmt die häuslichen Pflichten, Leopold wird zum ständig nörgelnden Haustyrannen. Bis schließlich Anna an der Tür steht und die Karten neu gemischt werden.
Ein tragikomisches Spiel um Liebe, Geschlecht und Macht. Mit feinem untergründigem Humor nimmt Fassbinder in seinem ersten Stück die Abgründe, Abhängigkeiten und Verstrickungen in Beziehungen, die Faszination von sexueller Anziehungskraft auseinander.

Weiterlesen: Tropfen auf heiße Steine

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KINDER DER NACHT
nach Jean Cocteau
Regie: Melanie Kretschmann 
Premiere: 26. Januar 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: Ein Schneeball trifft Paul hart auf der Brust, fortan ist er ans Bett gefesselt. Das Zimmer in der Wohnung der verstorbenen Mutter, das er sich mit seiner Schwester Elisabeth teilt, wird nun zum Zentrum seines Lebens. Hier kreist das Geschwisterpaar in einem bourgeoisen Kosmos – sie lieben und streiten, verführen und verfluchen sich. Sind sich selbst genug und doch immer auf der Suche. Vergessen von der Gesellschaft treiben ihre jugendlichen Träumereien sie immer tiefer in eine dunkle Parallelwelt, in der eigene Gesetze herrschen. Ihr einziger Besucher ist Pauls Freund Gérard. Bis auch Agathe in ihr Leben tritt und das Geflecht aus Sehn- und Eifersucht sich auf tragische Weise verdichtet.

Jean Cocteau schrieb seinen bekannten Roman LES ENFANTS TERRIBLES 1929, doch ist die Geschichte über die symbiotische und zerstörerische Geschwisterbeziehung gleich einer antiken Tragödie von zeitloser Relevanz. Und nun zum ersten Mal auf der Bühne zu erleben.

Weiterlesen: Kinder der Nacht

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RÜCKKEHR NACH REIMS
nach Didier Eribon
Regie: Thomas Jonigk
Premiere: 18. Januar 2019 
Schauspiel Köln 

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Zum Inhalt: »Das, wovon man losgerissen wurde oder sich losreißen wollte, bleibt ein Bauteil dessen, was man ist.«Die Erzählung beginnt mit einem Ende: Der Tod des Vater führt Didier Eribon zurück in seine alte Heimat, in der er seit dreißig Jahren nicht mehr war. Er besucht seine Mutter, schaut sich mit ihr alte Bilder an und arbeitet die Familiengeschichte auf; eine Geschichte von Besatzung, Krieg, Zerstörung, Arbeiterbewegung und Entfremdung – eine Geschichte Frankreichs.
In Eribons hybrider Erzählung verwischen die Gattungsgrenzen, mal ist sie soziologische Studie, mal emotional-biografische Erzählung eines im homophoben Umfeld aufwachsenden Jungen und mal ist sie reine Poesie.  

Weiterlesen: Rückkehr nach Reims

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