Der Idiot / Idioten

Bewertung und Kritik zu

DER IDIOT / IDIOTEN
von Fjodor Dostojewski
Regie: Mattias Andersson 
Deutschland-Premiere: 22. Januar 2021 
Thalia Theater Hamburg 

Zum Inhalt: Prinz Myschkin ist ein gutherziger Mensch. Er denkt immer an das Wohl anderer, begegnet jedem mit Verständnis. Kein Wunder, dass sich sein Umfeld davon provoziert fühlt. Ist er tatsächlich ein Idiot? Oder hat er einen versteckten Plan? Und ist es wirklich Güte, wenn man als privilegiert geborener Großzügigkeit zeigt? Der Dramatiker und Regisseur Mattias Andersson geht von Fjodor Dostojewskis klassischem Roman „Der Idiot“ aus, um die Relevanz seiner ethischen, politischen und existenziellen Fragen für unsere Zeit zu untersuchen. Mit einer Polyphonie von Stimmen und Texten von 1869 bis heute schafft „Der Idiot“ ein Performance-Kunstwerk über die Fragen und die Provokation von Güte.

Mit David Dencik (Prinz Myshkin), Carl Magnus Dellow (Ardalion), Ardalan Esmaili (Ganja), Ellen Jelinek (Varja), Melinda Kinnaman (Adelaida), Tanja Lorentzon (Aleksandra), Per Mattsson (Totskij), Marall Nasiri (Nastasia), Marie Richardson (Lizavjeta), Andreas Rothlin Svensson (Ivan), Jennie Silfverhjelm (Aglaja), Lil Terselius (Nina), Björn Bengtsson (Rogozjin), Alexej Manvelov (Ippolit) und Schüler*innen des Sundbyberg Theater Studio

Regie und Dramaturgie: Mattias Andersson
Bühne und Kostüme: Ulla Kassius
Lichtdesign: Charlie Åström
Kostüm und Maske: Linda Hyllengren, Nathalie Pujol
Sound Design und Musik: Anna Sóley Tryggvadóttir
Dramaturgie: Emma Meyer-Duner
Produzent: Benoît Malmberg

Dramaten, Stockholm, Schweden, Premiere 2015

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
Wie bei Jürgen Gosch ist das sehr unübersichtliche Figuren-Personal aus Dostojewskis Roman-Wälzer <Der Idiot> von Beginn an im Hintergrund der ansonsten leeren Bühne präsent. Skeptisch beäugen sie den Neuankömmling Prinz Myshkin (David Dencik), der mit seiner großherzigen Naivität und seiner christlichen Nächstenliebe der Gegenpol zu ihren Machtspielen, Intrigen und kühl berechneten Heirats-Arrangements ist.

Fast zwei Stunden lang lässt Mattias Andersson seine Spieler*innen die Grundkonflikte des ausufernden Dostojewski-Romans nachzeichnen, schlägt dann aber den Bogen zur unmittelbaren Gegenwart: Ein Flüchtling hat schon zuvor mehrere kurze Auftritte und greift in der letzten halben Stunde in das Geschehen ein. In dieser auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 entstandenen Inszenierung konfrontiert er die Dostojewski-Figuren und das Publikum mit der Frage, welches Verhalten in dieser Krise moralisch richtig ist, und prangert die Abschottung an.

Leitartikelhaft und im soziologisch-kulturwissenschaftlichen Jargon tauschen sich die Spieler*innen nun über „White Privilege“ und die Globalisierung aus, bevor die Inszenierung mit einem kitschigen Schlussbild endet: der Fürst Myshkin sitzt in einer großen Gruppe von Schüler*innen des Sundbyberg Theater Studio.

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VeraWarum im Text nun wieder das schwachsinnie Gegender? Spieler und Spielerinnen wäre die Lösung. Oder soll der * die Diversen betiteln. Man will sich angepasst geben ohne das Hirn zu bemühen. Als Frau fühle ich mich als "innen" tituliert diskriminiert. Ich bin ein Ganzes und ungestückelt.
vor 3 Tag(e).AntwortenLink
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