Der Geizige

Bewertung und Kritik zu

DER GEIZIGE
von Molière
Regie: Leander Haußmann 
Premiere: 12. September 2020 
Thalia Theater Hamburg 

eventimKARTEN ONLINE BESTELLEN

Zum Inhalt: Der reiche Harpagon ist besessen vom Geiz. Gegen alle ökonomische Vernunft bringt er sein Geld nicht in Umlauf, sondern hortet es bei sich zuhause – nur das liebe Geld verspricht schließlich Sicherheit, besonders in unsicheren Zeiten! Und weil Harpagon gerade im Privaten die schlimmste Verschwendung wittert, will er seine Tochter Elise mit dem reichen Witwer Anselme verkuppeln, damit sie ihm nicht länger auf der Tasche liegt. Für sich selbst setzt er auf eine Verbindung mit der armen und daher sicher genügsamen Mariane, nicht wissend, dass diese seinen Sohn Cléante liebt.
Nichts und niemand kann den Geizigen bremsen: Sein Geld will er lieber verschlingen, als sich von ihm zu trennen. Doch seine Kinder, kaum erwachsen, wollen ihren Anteil am väterlichen Kuchen abhaben. Zusammen mit den anderen Entrechteten und Beleidigten seines Haushalts spinnen sie eine Intrige. Als eine Schatulle samt kostbarem Inhalt verschwindet, regieren endlich Wahnsinn und Anarchie und Molières subversive Komik kann sich ungehindert entfalten...

Mit Jens Harzer (Harpagon), Steffen Siegmund (Cléante), Rosa Thormeyer (Mariane), Pascal Houdus (Valère), Toini Ruhnke (Elise), Marina Galic (Frosine), Sebastian Zimmler (La Flèche / Anselme), Tim Porath (Maître Jacques / Maître Simon)

Regie: Leander Haußmann
Bühne: Peter Schubert
Kostüme: Janina Brinkmann
Dramaturgie: Susanne Meister
Licht: Jan Haas

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Komödien-Spaß mit Horst Schlämmers Hamburger Cousin
  · 25.09.20
Ifflandring-Preisträger Jens Harzer mimt einen alten, weißen Mann mit Überbiss, Buckel und großem Kaffeefleck auf dem schmuddligen Shirt. Vor seiner schmierigen Übergriffigkeit sind weder die Mitspielerinnen noch das Abo-Publikum aus Poppenbüttel sicher.

Wie der Hamburger Cousin von Horst Schlämmer, Hape Kerkelings legendärer Lokaljournalisten-Figur vom Grevenbroicher Tagblatt, wirkt dieser Harpagnon aus Molières Tragikomödie aus dem 17. Jahrhundert.
Die ersten zwei Stunden werden auf einer fast komplett leeren Bühne gespielt. Klapprige Bürostühle mit dem Glamour eines Gemeindesaals am Niederrhein sind die einzigen Requisiten, bis zum Finale eine märchenhafte Rokoko-Treppenkulisse aufgebaut wird, über die die Spieler*innen allzu slapstickhaft kugeln, purzeln und taumeln.

Bis dahin ist der Abend aber ein schöner Komödienspaß, der ganz klassisch auf die Komödien-Mechanik des französischen Altmeisters vertraut und das Wort und die Schauspielkunst in den Mittelpunkt rückt.
Um Horst Harzer alias Jens Schlämmer als Fixstern schwirren seine schüchternen Kinder, die kaum ein Wort herausbekommen (Toini Ruhnke und Steffen Siegmund), seine Bediensteten und Frosine (Marina Galic) als manipulative Strippenzieherin. Es ist ein Glücksfall für die Inszenierung, dass er und Galic auch privat ein Paar sind, so dass die beiden die Komik der Verführungskunst der Frosine und der treudoofen, auf jede Schmeichelei hereinfallenden Selbstverliebtheit des Harpagnon genüsslich und ohne Abstands-Regeln ausspielen können.

Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.