Thalia Theater Hamburg
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    Wilhelm Tell. Ode an die Freiheit 2



    Bewertung und Kritik zu

    WILHELM TELL. ODE AN DIE FREIHEIT 2
    Ein Triptychon nach Friedrich Schiller
    Regie: Antú Romero Nunes
    Online-Premiere: 4. April 2020 
    Thalia Theater Hamburg 

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    Zum Inhalt: Friedrich Schiller nannte sich Doktor Ritter, als er auf der Flucht – ihm wurde vom württembergischen Herzog die Schriftstellerei verboten – in dem thüringischen Dorf Bauerbach Asyl fand. Hier vollendete er die Arbeit an „Luise Millerin“ und schrieb erste Entwürfe zu „Maria Stuart“. Er lauscht dem Klavierspiel und Liebesliedern der schönen Tochter des Dorflehrers. Er beobachtet den Jäger, der seinem eigenen Kind einen Apfel vom Kopf schießt. Beim Gottesdienst hockt er neben der merkwürdigen Alten, von der es heißt, sie halte ihre Schwester im Keller versteckt… Vielleicht war es aber auch ganz anders.

    Bis tief in die Nacht jedenfalls brennt Licht in seinem Haus. Er setzt Jamben. Wenn ihm die Gedanken ausgehen, malt er Pferde in sein Manuskript und rast auf dem Rücken eines Rappens durch Europa. Er ist ein Mensch des Vorgriffs. Er erfindet etwas, das später als Erfahrung gelten kann: „Die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus.“

    Regie: Antú Romero Nunes
    Filmkonzept & Schnitt: Martin Prinoth
    Bühne: Matthias Koch
    Kostüme: Victoria Behr
    Musik: Anna Bauer und Johannes Hofmann
    Licht: Paulus Vogt
    Kamera: Lilli Thalgott, Janine Reich und Martin Prinoth
    Ton: Rewert Lindeburg und Gerd Mauff
    Dramaturgie:  Matthias Günthe und Ensemble

    TRAILER


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    3.5 von 5 Sterne
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    Wilhelm Tell - a luschtig Gaudi
    2 years ago
    Kritik
    ''Wie schon im Maria-Stuart-Film gibt es auch ein Picknick, hier auf einer Almwiese mit Blumen. Vater und Sohn stärken sich bei einer Brotzeit mit Eiern, bevor es per Ski-Pantomime ins Tal geht, wo der Hut des Kaisers auf der Stange und der Reichsvogt Gessler auf sie warten. Zentrale Szene wird der Disput Tells mit Gessler, der nach Kostümtausch auch von Thomas Niehaus verkörpert wird. Ein feinsinniger Habsburger fernab in Schweizer Landen, der vom Föhn Kopfweh hat und Sodbrennen vom Käse. Er klagt über das tumbe, verstockte Bergvolk im ewigen Schatten der Täler, das nur auf Vergangenheit sinnt und das Fremde nicht mag. Natürlich geht es auch um den Apfel, den Tell seinem Sohn vom Kopfe schießen soll. Hier mehr eine Wette aus Übermut, die Tell bietet, was dann etwas aus dem Ruder läuft. Regisseur Nunes lässt seine beiden Darsteller deklamieren und chargieren, das kein Auge trocken bleibt. Als witziges Schillerkabarett im Probenfilmche über ein immer wieder auch nationalistisch missbrauchtes Stück mag das durchgehen. Wie sich das als Teil in das von Nunes geplante große Triptychon über die Freiheit einfügt, wird man dann ja sehen. Als nächstes ist aber erst noch Schillers bürgerliches Trauerspiel Kabale und Liebe dran, der dritte Probenfilm, den Nunes nun doch noch abschließen konnte, wie das Thalia Theater auf seiner Webseite ankündigt.'' schreibt Stefan Bock am 8. April 2020 auf KULTURA-EXTRA
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    Schweizer National-Mythos gegen den Strich
    2 years ago
    Kritik
    Schröder gibt den Tell mit klischeehaftem Alm-Öhi-Rauschebart und schwärmt mit Schweizer Akzent von der Freiheit der Berge und der Landschaftskulisse, die als altertümlich-impressionistische Tapete wie aus einem Heimatfilm hinter ihm hängt. Tells Sohn Walter zerstört die Illusion, indem er die Kulisse einfach kurz anhebt und ins Leere glotzt. Diesen Walter spielt Niehaus mit debil-irrem Blick und hässlichem Überbiss. Später schlüpft Niehaus auch noch in die Rolle des Landvogts Gessler, der hier ganz anders gezeichnet wird als bei Schiller und im Schweizer Nationalmythos: Gessler ist in dieser Tell-Überschreibung kein autoritäter Tyrann, sondern ein aufgeklärter, auf Ausgleich bedachter Politiker und will den Hitzkopf Tell davon abbringen, seinen Sohn mit dem Apfelschuss gefährden. Tell ist hier nicht der ikonische Freiheitskämpfer, sondern ein engstirniger, überreagierender Fremdenfeind. Dies ist die Pointe der halbstündigen kleinen Fingerübung, die Schröder/Niehaus wesentlich zurückgenommener als bei früheren Auftritten performen. Statt ausufernder Slapstik-Duette, die in die sie sich oft hineinsteigern, ist ihr „Wilhelm Tell“ ein kleines, konzentriertes Format. Komplette Kritik mit Bild
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