Theaterdiscounter Berlin



Bewertung und Kritik zu

Finsternis

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FINSTERNIS 
nach „Schiffbruch vor Lampedusa“ von Davide Enia
 
Regie: Andreas Merz Raykov 
Premiere: 25. Februar 2022  
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Davide Enia beschreibt in seinem Roman „Schiffbruch vor Lampedusa“ die Geschehnisse auf der italienischen Mittelmeerinsel, die seit 20 Jahren Sinnbild für die Krise an den europäischen Außengrenzen ist - und Schicksalsort für Geflüchtete, deren Retter*innen und die dort lebenden Menschen. Dabei spiegelt er die sich permanent weiter vollziehende Katastrophe an seiner eigenen Familiengeschichte.
In seinen Berichten und Interviews mit Zeugen und Beteiligten der Ereignisse auf Lampedusa erscheinen die Geschehnisse nicht mehr nur als eine „Krise der anderen“, der „Unsichtbaren“, sondern vor allem auch als unsere eigene. Wie der Krebs, der Davides Onkel langsam von innen zerfrisst, höhlt auch unser Nichtstun allmählich unser europäisches Selbstverständnis als Vorreiter von Humanität und Menschenrechten aus - als Krankheit, die unser Zusammenleben tiefgreifender bedroht als jede Migration es jemals könnte.

Tax for free

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TAX FOR FREE 
Scholz und Tschentscher geben einen aus und Michael Kohlhaas wundert sich
 
Regie: Helge Schmidt 
Online-Premiere: 3. Juni 2021 
Lichthof Theater Hamburg 
Berlin-Premiere: 3. Februar 2022 
Theaterdiscounter Berlin 

Zum Inhalt: Das Theaterstück „Tax for free – Scholz und Tschentscher geben einen aus und Michael Kohlhaas wundert sich“ erzählt die Chronik eines politischen Skandals: Der Stadtstaat Hamburg fordert 2016 von der Privatbank M.M. Warburg & CO 47 Millionen Euro Steuergeld zurück. Dieser Betrag wurde mutmaßlich durch Cum-Ex-Geschäfte zu Unrecht vom Fiskus erstattet. Dann jedoch trifft sich der Mitinhaber der Bank mit dem Regierenden Bürgermeister Olaf Scholz. Innerhalb weniger Tage entscheidet sich die Finanzbehörde unter Senator Peter Tschentscher dazu, auf die Erstattung zu verzichten. Was damals besprochen wurde, will heute keiner mehr wissen.

A Beginner’s Guide to Worldbuilding

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A BEGINNER’S GUIDE TO WORLDBUILDING 
Lois Alexander & Christoph Winkler
 
Premiere: 22. Oktober 2021 (Monologfestival) 
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Zum Inhalt: Science Fiction und Fantasy sind mit Abstand die erfolgreichsten Film-Genres bei Netflix & Co. Komplexe Narrative, verästelte Handlungen und detailreiche Welten ziehen Millionen Menschen in ihren Bann. Aber wer konstruiert eigentlich die Handlungsstränge, baut die Welten? Und wie behält man den Überblick bei sechs Staffeln? Dafür gibt es zahlreiche Tools und Methoden, die behaupten, man könne Fantasie planen. Sie verfolgen einen zuweilen fast mechanistischen Ansatz.

Anhand von dokumentarischen Texten, Videoeinspielern und physischem Material untersuchen die Choreograf*innen Lois Alexander und Christoph Winkler diese Strategien – insbesondere das sogenannte „wounding event“. Dabei liegen die Funktionsweisen der menschlichen Fantasie auf dem Seziertisch und verweben sich neu zu einer Live-Performance, die dem Mechanischen Widerstand bietet.

Zealtotale X Gob Squad: Protect & Survive

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PROTECT & SURVIVE 
Zealtotale X Gob Squad
 
Premiere: 21. Oktober 2021 (Monologfestival) 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Wir bauen einen Unterschlupf, um uns zu schützen, aber wovor schützen wir uns denn eigentlich? Wovor haben wir Angst? Wo lauert die echte Gefahr? Wenn wir von Audre Lorde gelernt haben, dass „The master’s tools will never dismantle the master’s house”, welches Werkzeug könnten wir dann finden, um unseren Unterschlupf zu bauen? Um zu überleben, muss man seine Freunde nah halten und seine Feinde näher, so sagen manche. Und manchmal tragen wir unsere Alter Egos vor uns her, um uns zu schützen, wir erschaffen um uns herum ein Kraftfeld, wie eine unsichtbare Rüstung. Was passiert, wenn wir unsere Deckung fallen lassen?

Durch Rituale, Poesie und persönliche Erzählungen erkunden drei aufstrebende Künstler*innen aus England das politische Potenzial einer Vielfalt von Identitäten und das emotionale Versprechen, dass wir uns besser kennenlernen, wenn wir uns anderen vorstellen: „Ich werde bewusst vorgehen und furchtlos. Vertrau mir… Glaub an mich… Ich lass dich nicht fallen… Lass mich nicht fallen.“ Vielleicht ist das, was wir brauchen, kein abwehrbereiter Schutzraum, sondern vielleicht müssen wir aus der Deckung kommen, um wieder zu uns selbst zu finden.

Ein Tag im Universum

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EIN TAG IM UNIVERSUM 
Nele Stuhler /​ Laura Eggert /​ Lisa Friederich
 
Premiere: 21. Oktober 2021 (Monologfestival) 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Christa Wolf hatte in dem berühmten jetzt-fokussierten Schreibprojekt „Ein Tag im Jahr“ über viele Jahrzehnte den 27. September Tagebuch-ähnlich dokumentiert und damit ein sehr persönliches und durch die Dauer auch zeitgeschichtlich bedeutendes Werk geschaffen. Nele Stuhler orientiert sich an diesem Vorgehen, entwickelt es weiter und schreibt seit einigen Jahren ihren eigenen 27. September auf. Doch in diesem Jahr kreuzen sich am vorbestimmten Datum verschiedene Zeitlinien und vielleicht sogar Paralleluniversen.

Es entsteht die Erzählung eines Tages mit all seinen Banalitäten, vermischt mit intimen Einblicken, Überlegungen zu gesellschaftlichen Strukturen und Ausblicken in die Zukunft, das Weltall und den ganzen Rest. Im Zuge eines zukunftsgerichteten Erzählens wird klar: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlappen sich, greifen ineinander und verändern sich gegenseitig.

Unsere Stadt aus Vogelaugen / Eine Blutung im Dunkeln

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UNSERE STADT AUS VOGELAUGEN / EINE BLUTUNG IM DUNKELN 
mit Sivan Ben Yishai, HYENAZ und NATÜRLich
 
Premiere: 25. Oktober 2020 (Münchner Kammerspiele)
Berlin-Premiere: 14. Juni 2021 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Sivan Ben Yishais konzertante Lesung erinnert an zerstörte jüdische Orte. Ursprünglich für den Spielzeitstart in Dortmund entstanden - wo die Stadt 1938 den Abriss der Synagoge verfügte - wird sie nun in Berlin an ähnlichem Schauplatz, elektronisch begleitet und visuell verstärkt, zu erleben sein. Der leere Parkplatz hinterm TD grenzt direkt an den ehemaligen Jüdenhof, dessen Erinnerung ebenfalls diktatorischem Stadtumbau zum Opfer fiel.
In einer besonderen Zusammenarbeit mit dem Elektroduo HYENAZ trägt die Autorin ihren Text ganz unliterarisch und sehr persönlich vor. Überlebensgroß wird er zudem - eingearbeitet in die Visuals von Patrícia Bateira - an die Rückfassade des Theatergebäudes projiziert und weithin zu lesen sein.
Zur Einstimmung dazu und zum Stapellauf der gesamten Draußenreihe (mit Sektempfang am 14. Juni) haben wir NATüRlich AKA Patricia Bateira zu zwei Solo-Improvisationen eingeladen. NATüRlich entwirft räumliche und klangliche Erzählungen auf der E-Gitarre und untersucht die Beziehung zwischen fließenden Transgender-Identitäten, dem kollektiven Körper und dem zeit-genoössischen Bedürfnis nach "echten" Gegenständen.

Bodentiefe Fenster

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BODENTIEFE FENSTER
nach dem Roman von Anke Stelling
 
Regie: Georg Scharegg 
Online-Premiere: 28. Januar 2021 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Über viele wichtige und unwichtige Fragen eines selbstbestimmten und zum Teil sogar selbst gebauten Genossenschaftshauses wurde erbittert gestritten, aber bodentiefe Fenster in jeder Wohnung – das musste schon sein!
In dem inzwischen realisierten Projekt leistet man sich viel Gemeinschaftsfläche, hält die Wohnungstüren offen, feiert alle Kindergeburtstage zusammen und akquiriert auch ältere Mitstreiter fürs nachhaltige Gesamtkonzept. Doch bei der engagierten Baugenossenschafterin Sandra stellt sich dennoch Burnout und innere Leere ein. Der überzeugte Anspruch an ein richtiges und glückliches Leben wird zur Falle.

ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR

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ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR
Filmischer Prolog
 
Regie: Malte Schlösser 
Premiere: 19. Dezember 2020 
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Zum Inhalt: Eine knappe Stunde lang schweifen wir mit den Protagonist*innen in diesem Kurzfilm durch die Straßen Berlins und folgen ihren Wegen und Gedanken. Malte Schlösser und sein Team feiern das Nicht-Klarkommen in einer Gesellschaft, in der alle dauernd und immer klar kommen und sich selbst lieben sollen. Welche Strukturen, Worte, Gesten, Bilder müssen wir produzieren, um Verletzungen, Beschädigungen und Krisen systemisch zu erkennen, zu feiern und eine neue Praxis zu installieren, in der Verletzlichkeiten als laute Repräsentation und Selbstverständlichkeit etabliert werden?
"Liebe dich selbst" und "komm klar" sind zeitgenössische Befehle, die wir versuchen mit unserem Leben zu füllen, indem wir permanent zeigen, wie kreativ wir klarkommen, und damit die ausschließende Ordnung weiter verfestigen. Wenn uns Einsamkeit, Ängste, Panikattacken, Bindungsverletzungen quälen, schieben wir uns selbst die Schuld zu und nicht der fehlenden intersubjektiven sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit, die gesellschaftlich vermittelt ist. Wieso verdinglichen wir die Macht der Sprachlosigkeit in den Körper als psychischen Schmerz?

TORNADO

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TORNADO 
ein Klima-Theater-Desaster von Tobias Rausch
 
Premiere: 12. September 2020 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: An dramatischem Potenzial fehlt es dieser Welt nicht: Dürren, Fluten, Stürme nehmen zu. Riesige Ökosysteme werden durch den schmelzenden Permafrost instabil. Die Evolution kann mit den rasanten Veränderungen nicht Schritt halten: unbewohnbare Zonen breiten sich aus. Verteilungskämpfe nehmen zu. Das Zeitfenster, das zum Handeln bleibt, ist winzig. Wann kommt der Wirbelsturm, der alles hinwegfegt?
TORNADO verdichtet die Fakten, die uns aufrütteln und durcheinanderwirbeln sollten: unsere Gesellschaft, unser Sicherheitsgefühl, unser kolonialistisches Wirtschaften und Denken. Der Abend stürmt gegen die Behauptung von Alternativlosigkeit, gegen die Entfremdung von der Natur und wirbelt den Sand des Jetzt und Hier auf, in den wir noch immer unsere Köpfe stecken. Was, wenn die Natur endlich selbst das Wort ergreifen würde?
Begegnen Sie einem wirklichen, einem echten Tornado! Gemeinsam mit einem unfassbar anschwellenden Wind bevölkern Stimmen von Dürre- und Sturmbetroffenen und von Klimaaktivist*innen den Theaterraum. Ihre Not, Verluste und Verstrickungen, ihre Durchbrüche und Schicksalsschläge sind das Material für ein Theater, das der Klimakatastrophe ins Auge sieht.

Obduktion einer Kunstfigur - Klaus Nomi

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OBDUKTION EINER KUNSTFIGUR - 
KLAUS NOMI
 
Regie: Jens Bluh 
Berlin-Premiere: 29. Februar 2020 
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Zum Inhalt: Nachdem David Bowie ihn für einen Auftritt bei der NBC-Show “Saturday Night Live“ engagiert hatte, wurde der deutsche Countertenor Klaus Nomi Ende der 70er-Jahre über Nacht mit seinem Crossover aus Oper, Pop und New Wave bekannt. Durch das Sezieren der medialen Hinterlassenschaften des Künstlers entsteht nun eine neue musikalische Bühnenshow.
Die Titelfigur ist abwesend. Finger tippen "klaus nomi" und “cold song” in das Youtube-Fenster: Wer war dieser Grenzgänger? Eine Tänzerin, eine Schauspielerin und eine Sängerin skizzieren zusammen mit einem Musiker ein Bild des Künstlers, das absichtlich unvollständig bleibt und bleiben muss.
Zentraler Untersuchungsgegenstand der theatralen Obduktion ist das Video eines Konzertmitschnitts aus dem Jahr 1982, in dem Klaus Nomi eine Arie aus Henry Purcells “King Arthur“ interpretiert. Der Tod als Thema der Arie ist dem Körper des Sängers sichtbar eingeschrieben. Ein Jahr nach dieser Aufnahme stirbt er als einer der ersten an AIDS. Zurückblickend ist dieser Auftritt der (traurige) Höhepunkt seiner Karriere; das Video Zeugnis davon. Der im Video festgehaltene Moment im Leben Klaus Nomis scheint durch die Kunstfigur hindurch den Blick auf seine Biographie freizulegen: auf deren sämtliche Facetten und Schichten. Es offenbart sowohl den Künstler als auch den erkrankten Menschen, wodurch sich die Frage nach der wahren Identität hinter der Kunstfigur Bahn bricht."


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