Theaterdiscounter Berlin



Bewertung und Kritik zu

Unsere Stadt aus Vogelaugen / Eine Blutung im Dunkeln

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UNSERE STADT AUS VOGELAUGEN / EINE BLUTUNG IM DUNKELN 
mit Sivan Ben Yishai, HYENAZ und NATÜRLich
 
Premiere: 25. Oktober 2020 (Münchner Kammerspiele)
Berlin-Premiere: 14. Juni 2021 
Theaterdiscounter Berlin

Zum Inhalt: Sivan Ben Yishais konzertante Lesung erinnert an zerstörte jüdische Orte. Ursprünglich für den Spielzeitstart in Dortmund entstanden - wo die Stadt 1938 den Abriss der Synagoge verfügte - wird sie nun in Berlin an ähnlichem Schauplatz, elektronisch begleitet und visuell verstärkt, zu erleben sein. Der leere Parkplatz hinterm TD grenzt direkt an den ehemaligen Jüdenhof, dessen Erinnerung ebenfalls diktatorischem Stadtumbau zum Opfer fiel.
In einer besonderen Zusammenarbeit mit dem Elektroduo HYENAZ trägt die Autorin ihren Text ganz unliterarisch und sehr persönlich vor. Überlebensgroß wird er zudem - eingearbeitet in die Visuals von Patrícia Bateira - an die Rückfassade des Theatergebäudes projiziert und weithin zu lesen sein.
Zur Einstimmung dazu und zum Stapellauf der gesamten Draußenreihe (mit Sektempfang am 14. Juni) haben wir NATüRlich AKA Patricia Bateira zu zwei Solo-Improvisationen eingeladen. NATüRlich entwirft räumliche und klangliche Erzählungen auf der E-Gitarre und untersucht die Beziehung zwischen fließenden Transgender-Identitäten, dem kollektiven Körper und dem zeit-genoössischen Bedürfnis nach "echten" Gegenständen.

Bodentiefe Fenster

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BODENTIEFE FENSTER
nach dem Roman von Anke Stelling
 
Regie: Georg Scharegg 
Online-Premiere: 28. Januar 2021 
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Zum Inhalt: Über viele wichtige und unwichtige Fragen eines selbstbestimmten und zum Teil sogar selbst gebauten Genossenschaftshauses wurde erbittert gestritten, aber bodentiefe Fenster in jeder Wohnung – das musste schon sein!
In dem inzwischen realisierten Projekt leistet man sich viel Gemeinschaftsfläche, hält die Wohnungstüren offen, feiert alle Kindergeburtstage zusammen und akquiriert auch ältere Mitstreiter fürs nachhaltige Gesamtkonzept. Doch bei der engagierten Baugenossenschafterin Sandra stellt sich dennoch Burnout und innere Leere ein. Der überzeugte Anspruch an ein richtiges und glückliches Leben wird zur Falle.

ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR

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ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR
Filmischer Prolog
 
Regie: Malte Schlösser 
Premiere: 19. Dezember 2020 
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Zum Inhalt: Eine knappe Stunde lang schweifen wir mit den Protagonist*innen in diesem Kurzfilm durch die Straßen Berlins und folgen ihren Wegen und Gedanken. Malte Schlösser und sein Team feiern das Nicht-Klarkommen in einer Gesellschaft, in der alle dauernd und immer klar kommen und sich selbst lieben sollen. Welche Strukturen, Worte, Gesten, Bilder müssen wir produzieren, um Verletzungen, Beschädigungen und Krisen systemisch zu erkennen, zu feiern und eine neue Praxis zu installieren, in der Verletzlichkeiten als laute Repräsentation und Selbstverständlichkeit etabliert werden?
"Liebe dich selbst" und "komm klar" sind zeitgenössische Befehle, die wir versuchen mit unserem Leben zu füllen, indem wir permanent zeigen, wie kreativ wir klarkommen, und damit die ausschließende Ordnung weiter verfestigen. Wenn uns Einsamkeit, Ängste, Panikattacken, Bindungsverletzungen quälen, schieben wir uns selbst die Schuld zu und nicht der fehlenden intersubjektiven sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit, die gesellschaftlich vermittelt ist. Wieso verdinglichen wir die Macht der Sprachlosigkeit in den Körper als psychischen Schmerz?

TORNADO

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TORNADO 
ein Klima-Theater-Desaster von Tobias Rausch
 
Premiere: 12. September 2020 
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Zum Inhalt: An dramatischem Potenzial fehlt es dieser Welt nicht: Dürren, Fluten, Stürme nehmen zu. Riesige Ökosysteme werden durch den schmelzenden Permafrost instabil. Die Evolution kann mit den rasanten Veränderungen nicht Schritt halten: unbewohnbare Zonen breiten sich aus. Verteilungskämpfe nehmen zu. Das Zeitfenster, das zum Handeln bleibt, ist winzig. Wann kommt der Wirbelsturm, der alles hinwegfegt?
TORNADO verdichtet die Fakten, die uns aufrütteln und durcheinanderwirbeln sollten: unsere Gesellschaft, unser Sicherheitsgefühl, unser kolonialistisches Wirtschaften und Denken. Der Abend stürmt gegen die Behauptung von Alternativlosigkeit, gegen die Entfremdung von der Natur und wirbelt den Sand des Jetzt und Hier auf, in den wir noch immer unsere Köpfe stecken. Was, wenn die Natur endlich selbst das Wort ergreifen würde?
Begegnen Sie einem wirklichen, einem echten Tornado! Gemeinsam mit einem unfassbar anschwellenden Wind bevölkern Stimmen von Dürre- und Sturmbetroffenen und von Klimaaktivist*innen den Theaterraum. Ihre Not, Verluste und Verstrickungen, ihre Durchbrüche und Schicksalsschläge sind das Material für ein Theater, das der Klimakatastrophe ins Auge sieht.

Obduktion einer Kunstfigur - Klaus Nomi

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OBDUKTION EINER KUNSTFIGUR - 
KLAUS NOMI
 
Regie: Jens Bluh 
Berlin-Premiere: 29. Februar 2020 
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Zum Inhalt: Nachdem David Bowie ihn für einen Auftritt bei der NBC-Show “Saturday Night Live“ engagiert hatte, wurde der deutsche Countertenor Klaus Nomi Ende der 70er-Jahre über Nacht mit seinem Crossover aus Oper, Pop und New Wave bekannt. Durch das Sezieren der medialen Hinterlassenschaften des Künstlers entsteht nun eine neue musikalische Bühnenshow.
Die Titelfigur ist abwesend. Finger tippen "klaus nomi" und “cold song” in das Youtube-Fenster: Wer war dieser Grenzgänger? Eine Tänzerin, eine Schauspielerin und eine Sängerin skizzieren zusammen mit einem Musiker ein Bild des Künstlers, das absichtlich unvollständig bleibt und bleiben muss.
Zentraler Untersuchungsgegenstand der theatralen Obduktion ist das Video eines Konzertmitschnitts aus dem Jahr 1982, in dem Klaus Nomi eine Arie aus Henry Purcells “King Arthur“ interpretiert. Der Tod als Thema der Arie ist dem Körper des Sängers sichtbar eingeschrieben. Ein Jahr nach dieser Aufnahme stirbt er als einer der ersten an AIDS. Zurückblickend ist dieser Auftritt der (traurige) Höhepunkt seiner Karriere; das Video Zeugnis davon. Der im Video festgehaltene Moment im Leben Klaus Nomis scheint durch die Kunstfigur hindurch den Blick auf seine Biographie freizulegen: auf deren sämtliche Facetten und Schichten. Es offenbart sowohl den Künstler als auch den erkrankten Menschen, wodurch sich die Frage nach der wahren Identität hinter der Kunstfigur Bahn bricht."

Seuche

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SEUCHE
von Giorgi Jamburia & Lars Werner
 
Regie: Fabian Gerhardt 
Premiere: 30. Juni 2018 
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Zum Inhalt: Manchmal kann etwas geschehen, was größer und schrecklicher ist, als alles was zuvor war. SEUCHE beschreibt, wie die Menschen einer modernen Stadt auf den Einfall der Seuche reagieren – und sich damit arrangieren.
Ausgehend von Recherchen zum Thema entwickelt Regisseur Fabian Gerhardt zusammen mit Studierenden des 3. Jahrgangs Schauspiel der UdK eine ganz eigene Stück-Welt, die durch den Einbruch der Seuche und das Dogma der Isolation geprägt ist. Die Autoren Giorgi Jamburia und Lars Werner – beide vom Studiengang Szenisches Schreiben der UdK – nehmen die szenischen Proben als Grundlage für das neu entstehende Theaterstück SEUCHE, das am TD zur Uraufführung kommen wird.

Juli

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JULI 
von Iwan Wyrypajew
 
Regie: Leo Skverer
Berlin-Premiere: 16. Mai 2019 
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Zum Inhalt: An einem Tag im Juli, dem verlorenen Monat des Müßiggangs, wacht Pjotr, 63, in der zentralrussischen Einöde auf und sieht, wie das Feuer sein Haus und seinen Verstand zum Schmelzen bringt. Seine Reise zur nächstgelegenen Stadt beginnt Pjotr mit dem Mord an seinem Nachbarn, dann tötet er einen Obdachlosen und den Priester des Klosters, in dem er Obdach findet. Als er schließlich in eine geschlossene Anstalt gesteckt wird, glaubt er in der Pflegerin seine Jugendliebe zu erkennen. In einem alptraumhaften Rausch erwürgt und verspeist er sie.
Das Stück des russischen Autors Iwan Wyrypajew ist weder das Psychogramm eines Serienkillers noch das eines Abgehängten aus der Provinz, sondern die schonungslose Innensicht eines ewig jungen und unkaputtbaren, vor Lebensgier rasenden Autokraten – ohne Macht und Besitz, ohne Rücksicht auf Opfer. Für die Berliner Erstaufführung untersuchen Schauspielerin Nele Rosetz und Regisseur Leo Skverer männliche wie weibliche Perspektiven auf die Darstellbarkeit von Gewalt. Ab wann ist Brutalität nachvollziehbar, Empathie für die Täter möglich oder gerechtfertigt? Wie verändern verschiedene Rollen, Geschlechtsperspektiven oder Maskierungen die Rezeption des grausamen Akts?

Bahnwärter Thiel

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BAHNWÄRTER THIEL
nach Gerhart Hauptmann
 
Regie: Felix Lüke 
Premiere: 11. April 2018 
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Zum Inhalt: Bahnwärter Thiel hat alle Hände voll zu tun. Jeden Tag kommen mindestens zwei Züge vorbei. Im Bahnwärterhaus plärrt die ganze Zeit das Radio: “Es fährt ein Zug nach Nirgendwo...“. Bei Netflix sind schon alle Filme durchgeguckt und Thiel fängt an, sie zwei, manche sogar dreimal zu gucken. “...und niemand stellt von Grün auf Rot das Licht...“. 
Die 1888 erschienene Novelle Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann wird um Material aus Pop und Postmoderne erweitert. Im temporeichen Spiel reflektieren die Schauspieler die hyperschnelle Taktung unserer Gegenwart, die Errungenschaften der Moderne und deren Folgen. Auch Bahnwärter Thiel kommt nicht zur Ruhe. Draußen rauscht es. Erst rasen Züge, dann Autos, dann Daten vorbei. Gestern sah das alles noch anders aus. Das Rauschen wird lauter. Thiel rennt die Schienen entlang, das Rauschen hinter ihm her, ein Stück noch, dann hat er genug. Er bleibt stehen, dreht sich um und lässt etwas Großes auf sich zurasen…
Der erzählerischen Dynamik Hauptmanns folgend verkörpern die beiden Darsteller Felix Lüke und Annekathrin Bach nicht nur den Bahnwärter; sie sind zugleich auch seine Frau, seine Kinder, seine Nachbarn. Ein ganzer Kosmos mit Körper und Stimme zweier Spieler: Hochgeschwindigkeitstheater der Superlative.


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