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Wer nicht gegen sich selbst denkt, denkt überhaupt nicht. Abwesenheitserfahrungen

von Malte Schlösser & Team

Premiere: 20. Januar 2026, TD Berlin

Zum Stück: Die Gewalt da draußen macht uns Angst – die Gewalt der anderen. Die Gewalt in Politik und Liebe. Doch sie ist nicht nur „da draußen“, sie ist in mir und dir. Sie ist in uns allen. Sie ist in unseren Gefühlen, unseren Körpern, unserer Sprache, in unseren Abwesenheiten – als Spiegel des neoliberalen Regimes mit seinen spätfaschistoiden Früchten. Wie können wir uns selbst in diese Realität hinein ansprechbar entwerfen, ohne einander zu verhindern?

Im gegenwärtigen Triumph von narzisstischen Beschämungen, im Klima der Polarisierung, der Angsterzeugung, des Eindeutigkeitsterrors lassen wir uns nicht stattfinden. Wer schafft es schon, sich selbst oder andere nicht zu beschämen. Wir löschen uns psychologisch aus. Und ich bekomme mich einfach nicht mit; ich bekomme nicht mit, wie ich das mache. Die Abwesenheit zwischen uns ist laut. Begegnung findet nicht statt, weil ich dich nicht stattfinden lasse und ich meine Abwesenheit als emotionale Gewalt an dir leugne. Leugnung als Glaubensbekenntnis des Kapitalismus. Es ist so traurig, es ist brutal, es ist so hyperreal. Es ist so unglaublich schade. So schade. Wie also geht das: Narzissmuskritik als Faschismuskritik?

Malte Schlössers Texte führen die Komplexität von Psyche und Machtkritik zusammen: Gesellschaftskritik ohne Trauma-sensibilität zu denken ist leer und Psyche ohne hyperreale Gesellschaft zu denken ist naiv, so Malte Schlösser & Team. Sie stellen der neokapitalistischen Symptomatik des individuellen Versagens eine Theatererfahrung entgegen.

Regie/Text/Konzeption: Malte Schlösser, Regie/Textmitarbeit Marie Jordan, Musik Michelangelo Contini, Licht/Bühne: Bruno Pocheron / Yi-Ju Chou, Kostüme: Maria Magdalena Emmerig, Videokünstler/Kamera: Nicolas Gebbe, Dramaturgie: Sophie Lembcke, Szenentexte: Marie Jordan, Emma Rönnebeck, Malte Schlösser, Outside-Eye Anna Krauß, Produktionsleitung Aurora Kellermann Technische Produktionsleitung Chris Wohlrab.

Von und mit: Hauke Heumann, Emma Rönnebeck, Valentin Richter.
Im Film: Malte Schlösser, Rainald Grebe, Meike Droste, Julius Feldmeier, Anne Ratte-Polle.

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Pollesch-Sound und Bühnenzauber
12 Tage her.
Kritik

Die erste Hälfte dieser Freie Szene-Produktion folgt spürbar den Fußstapfen von Rene Pollesch. Hauke Heumann und Valentin Richter wechseln sich in Monologen ab, die den unverwechselbaren Sound imitieren. Lange Kaskaden über die enttäuschten Gefühle im Neoliberalismus und Turbo-Kapitalismus, aber nicht von den Stars am Rosa Luxemburg-Platz, somdern knapp 2 km entfernt im dritten Stock auf der kleinen, proppenvollen Off-Spielstätte.

Später ändert sich die Klangfarbe. Ping-Pong mit dadaistischen Wortspielereien setzen ein, mehrere Klassiker wie Tschechows „Möwe“ oder „Drei Schwestern“ und Schillers „Maria Stuart“ werden angespielt: Meta-Comedy für die Theater- und Kulturbetriebsszene.

In einem kurzen, noch im Herbst gedrehten Videoeinspieler geben sich die Promis verschiedener Kunstrichtungen die Klinke in die Hand: Rainald Grebe gibt den Staffelstab an Meike Droste, weiter geht es mit Julius Feldmeier und schließlich Anne Ratte-Polle, die das in diesem Clip leitmotivische „Schade“ am spöttischsten und melancholischsten sagt.

Nach knapp 90 Minuten läuft der Abend, der so vieles antippte, mit einer eindrucksvollen Bühnenzauber-Show noch zu großer Form auf. Was die Gewerke auch eines kleinen Hauses so alles können, demonstriert diese Schluss-Sequenz, in der Musik, Lichteffekte und Nebelmaschine effektsicher harmonieren.

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