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Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Treplew 
Stück: Die Möwe 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1896 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
Übersetzung (Englisch): George Calderon 


1. Aufzug

Treplew und Sorin 

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TREPLEW: Es verdrießt sie schon, daß hier auf dieser kleinen Bühne die Sarjetschnaja Erfolge haben wird und nicht sie. (Er sieht nach der Uhr.) Sie ist ein psychologisches Kuriosum, meine Mutter. Unstreitig sehr begabt und klug, über einem Buch kann sie bitterlich weinen; den ganzen Nekrassow kann sie auswendig, und am Krankenbett ist sie ein Engel; aber versuch mal, in ihrer Gegenwart die Duse zu rühmen! Oh! Nur sie allein soll man loben, nur von ihr schreiben, nur ihren Namen ausschreien, von ihrem unübertrefflichen Spiel in der »Kameliendame« oder im »Dunst des Lebens« entzückt sein, und weil sie hier, auf dem Lande, diesen Rausch entbehren muß, so langweilt sie sich, ist wütend – und wir alle sind natürlich ihre Feinde, wir alle sind daran schuld. Dann ist sie auch abergläubisch, erschrickt, wenn sie drei brennende Kerzen sieht, hat Angst vor der Zahl dreizehn. Und geizig ist sie – sie hat in Odessa siebzigtausend Rubel auf der Bank liegen, das weiß ich genau. Will man aber von ihr eine Kleinigkeit borgen – dann weint sie. [...] (die Blättchen einer Blume abzupfend) Sie liebt mich – liebt mich – liebt mich nicht, liebt mich – liebt mich nicht. (Lacht.) Siehst du, meine Mutter liebt mich nicht. Kein Wunder: Sie will leben und lieben, sie will helle Kleider tragen – und ich, ihr Sohn, bin fünfundzwanzig Jahre alt, ich erinnere sie beständig daran, daß sie nicht mehr jung ist. Bin ich nicht da, dann zählt sie erst zweiunddreißig, in meiner Gegenwart aber ist sie dreiundvierzig. Darum haßt sie mich. Sie weiß auch, daß ich für das Theater nichts übrig habe. Sie schwärmt für die Bühne, sie glaubt der Menschheit, der heiligen Kunst zu dienen, während ich das Theater von heut für Routine und Konvention halte. Wenn der Vorhang aufgeht und in dem Zimmer mit den drei Wänden diese großen Talente, diese Priester der heiligen Kunst dem Publikum im Rampenlicht vormachen, wie die Leute essen, trinken, lieben, umhergehen, ihre Röcke tragen; wenn sie aus banalen Bildern und Phrasen einen Moral herauszutüfteln suchen – eine kleinliche, vulgäre Moral für jedermanns Hausgebrauch, wenn sie mir in tausend Variationen immer und immer wieder dieselbe Kost servieren – dann möchte ich fortlaufen, weit. Weit weg, wie Maupassant vor dem Eiffelturm fortlief, dessen Banalität sein Hirn zu Boden drückte – [...] Dann muß es neue Formen annehmen. Wir brauchen neue Formen, und wenn sie nicht da sind – dann lieber gar nichts. (Blickt auf die Uhr.) Ich liebe meine Mutter, liebe sie sehr, aber sie führt ein unvernünftiges Leben, schleppt sich ewig mit diesem Belletristen herum, ihr Name wird immerfort durch die Zeitungen gezerrt – und das quält mich. Zuweilen regt sich in mir einfach der Egoismus eines gewöhnlichen Sterblichen; ich bedaure dann, daß meine Mutter eine bedeutende Schauspielerin ist, und es scheint mir, daß ich weit glücklicher sein würde, wenn sie eine einfache Frau wäre. Sag selber, Onkel: kann's eine fatalere, eine albernere Lage geben; da versammelten sich zuweilen bei ihr Künstler und Schriftsteller, lauter Berühmtheiten – und ich bin der einzige darunter, der gar nichts ist, der nur geduldet wird, weil ich ihr Sohn bin. Wer bin ich? Was bin ich? Als Student im dritten Semester habe ich die Universität verlassen müssen – unter Umständen, die, wie man zu sagen pflegt, von der Redaktion unabhängig waren; Talente sind mir nicht gegeben, Geld hab' ich nicht, und laut meinem Paß bin ich ein simpler Kleinbürger aus Kiew, wie mein Vater, der übrigens auch ein ganz tüchtiger Schauspieler war. Wenn nun in Mamas Salon diese berühmten Künstler und Schriftsteller sich wirklich einmal gnädig zu mir herabließen, dann war's mir immer, als wollten sie mit ihren Blicken meine ganze Erbärmlichkeit ermessen – und ich erriet ihre Gedanken und litt unter dieser Demütigung.


1. Act

Treplef and Sorin 


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TREPLEF: She is vexed at the idea of Nina Zarétchnaya and not herself having a success even in this poor little theatre. She is a psychological curiosity, my mother. A clever and gifted woman, who can cry over a novel, will reel you off all Nekrásof's poems by heart, and is the perfection of a sick nurse; but venture to praise Eleonora Duse before her! Oho! ho! You must praise nobody but her, write about her, shout about her, and go into ecstasies over her wonderful performance in La Dame aux Camélias, or The Fumes of Life; but as she cannot have these intoxicating pleasures down here in the country, she's bored and gets spiteful; we are her enemies, she thinks; it's all our fault. Then, she's superstitious, is afraid of the number thirteen, or three candles on a table. She's a miser, too. She has seven thousand pounds in the bank at Odessa; I know it for certain. But ask her to lend you anything and she'll cry. [Pulling the petals from a flower] She loves me, she loves me not, she loves me, she loves me not, she loves me, she loves me not. [Laughs] You see, my mother doesn't love me. Why should she? She wants to live, to love, to wear pretty frocks; and I, I am twenty-five years old, and a perpetual reminder that she is no longer young. When I'm not there, she is only thirty-two; when I am, she's forty-three, and she hates me for that. She also knows that I don't believe in the stage. She loves the stage; she thinks that she is advancing the cause of humanity and her sacred art; but I regard the stage of to-day as mere routine and prejudice. When the curtain goes up and the gifted beings, the high priests of the sacred art, appear by electric light, in a room with three sides to it, representing how people eat, drink, love, walk and wear their jackets; when they strive to squeeze out a moral from the flat, vulgar pictures and the flat, vulgar phrases, a little tiny moral, easy to comprehend and handy for home consumption, when in a thousand variations they offer me always the same thing over and over again--then I take to my heels and run, as Maupassant ran from the Eiffel Tower, which crushed his brain by its overwhelming vulgarity. We must have a new formula. That's what we want. And if there are none, then it's better to have nothing at all. I love my mother, I love her dearly; but it's a tomfool life that she leads with this novelist always at her elbow, and her name for ever in the papers--it disgusts me! Sometimes it is just the egoism of the ordinary man that speaks to me; I am sorry that I have a famous actress for my mother, and I feel that if she had been an ordinary woman I should have been happier. What position could be more hopeless and absurd than mine was at home with her? Her drawing-room filled with nothing but celebrities, actors and writers, and among them all the only nobody, myself, tolerated only because I was her son. Who am I? What am I? Sent down from the University without a degree through circumstances for which the editor cannot hold himself responsible, as they say; with no talents, without a farthing, and according to my passport a Kief artisan; for my father was officially reckoned Kief artisan, although he was a famous actor. So that when these actors and writers in her drawing-room graciously bestowed their attention on me, it seemed to me that they were merely taking the measure of my insignificance; I guessed their thoughts and felt humiliation.



 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Masha 
Stück: Die Möwe 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1896 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
 


3. Aufzug

Masha und Trigorin 

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Ein Speisezimmer im hause Ssorins. Rechts und links Türen. Ein Büfett. Ein Schrank mit Arzneien. In der Mitte des Zimmers ein Tisch. Ein Koffer und Kartons. Es sind Vorbereitungen zur Abreise bemerkbar.

Trigorin frühstückt, Mascha steht am Tisch.

MASHA: Alles das erzähle ich Ihnen als dem Schriftsteller: Sie können es verwenden. Ich beteuere Ihnen, wenn er sich ernstlich verwundet hätte, wäre ich keine Minute länger am Leben geblieben. Aber ich bin tapfer. Und deshalb habe ich mich entschlossen, diese Liebe aus meinem Herzen zu reißen, und zwar mit der Wurzel. Ich verheirate mich. Mit Medwjedenko. Hoffnungslos zu lieben, jahrelang immer auf irgend etwas zu warten … Wenn ich heirate, werde ich an andere Dinge zu denken haben als an Liebe, die neuen Sorgen werden alles Alte vergessen machen. Und dann, sehen Sie, ist es immerhin eine Veränderung. Wollen wir noch einen trinken? Schenkt die Gläser wieder voll. Sehen sie mich nicht so an. Frauen trinken häufiger, als Sie glauben. Die wenigsten trinken offen, wie ich, die meisten aber tun es heimlich. Ja. Und immer Branntwein oder Kognak. Stößt an. Prosit! Sie sind ein einfacher Mensch, es tut einem leid, von Ihnen Abschied nehmen zu müssen!

Sie trinken.

Nun, vielleicht ist's auch Eifersucht. Übrigens, das geht mich nichts an.

Eine Pause. Jakow geht von links nach rechts mit einem Koffer durch das Zimmer; Nina kommt herein und bleibt am Fenster stehen.

Mein Schulmeister ist nicht allzu klug, aber ein guter Kerl und ein armer Teufel, und er liebt mich sehr. Er tut mir leid, und auch sein altes Mütterchen tut mir leid. Nun, erlauben Sie, daß ich Ihnen alles Gute wünsche. Behalten Sie mich in gutem Andenken.

Drückt kräftig seine Hand.

Bin Ihnen sehr dankbar für Ihre freundliche Zuneigung. Schicken Sie mir Ihre Werke, aber unbedingt mit einer Widmung, und, bitte, schreiben Sie nicht »der Verehrten« usw., sondern »an Maria, die nirgends hingehört und nicht weiß, wozu sie auf dieser Welt lebt«. Leben Sie wohl! 

Ab.

 


 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Nina
Stück: Die Möwe 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1896 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 


4. Aufzug

Nina und Treplew 

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NINA: Warum sagen Sie, daß Sie die Erde geküßt haben, auf der ich gewandelt bin? Man sollte mich töten. (Neigt sich über den Tisch.) Ich bin so müde! Ausruhen möchte ich. Ausruhen! (Erhebt den Kopf.) Ich bin eine Möwe … Nein … Nicht das. Ich bin eine Schauspielerin. Nun ja. (Hört Arkadina und Trigorin lachen, horcht, stürzt zur linken Tür und blickt durch das Schlüsselloch.) Und auch er ist hier … (Kehrt zu Treplew zurück.) Nun ja … Tut nichts … Ja. Er glaubte nicht an das Theater, machte sich immer über meine Träume lustig, und nach und nach hörte auch ich auf zu glauben und verlor den Mut … Und dann der Liebeskummer, die ewige Eifersucht, die ewige Angst um das Kleine … Ich wurde so klein, so jämmerlich … spielte ganz sinnlos … Ich wußte nicht, wohin mit den Händen, konnte auf der Bühne nicht stehen, meine Stimme nicht beherrschen. Sie kennen diesen Zustand nicht, dieses Gefühl, daß man ganz abscheulich spielt. Ich bin eine Möwe. Nein, nicht das … Erinnern Sie sich noch? Sie haben damals eine Möwe geschossen. »Zufällig kam da ein Mensch, sah sie, und weil er nichts Besseres zu tun hatte, vernichtete er ihr Leben.« Ein Stoff für eine kleine Erzählung … Nein, nicht das … (Reibt sich die Stirn.) Wovon sprach ich? Ja, von der Bühne. Jetzt bin ich nicht mehr so. Jetzt bin ich schon eine richtige Schauspielerin, ich spiele mit Lust, mit Begeisterung, bin auf der Bühne wie berauscht und fühle mich schön. Und jetzt, solange ich hier bin, gehe ich den ganzen Tag herum, geh' herum und fühle, wie meine seelischen Kräfte wachsen. Ich weiß es jetzt, Kostja, ich verstehe es, daß bei unserer Arbeit, gleichviel, ob wir Theater spielen oder schriftstellern, nicht der Ruhm, nicht der Glanz, nicht das, wovon ich träumte, die Hauptsache ist, sondern die Fähigkeit zu dulden. Lerne dein Kreuz tragen, und glaube! Ich glaube, und das lindert meinen Schmerz, und wenn ich an meinen Beruf denke, so habe ich keine Angst mehr vor dem Leben. [...] Ich gehe. Leben Sie wohl. Wenn ich eine große Schauspielerin geworden bin, kommen Sie doch, um mich zu sehen. Versprechen Sie's. Aber jetzt … drückt ihm die Hand. Es ist schon spät. Ich halte mich kaum auf den Beinen … ich bin erschöpft … ich habe Hunger … [...] Nein, nein … Begleiten Sie mich nicht … Mein Wagen wartet in der Nähe … Sie hat ihn also mitgebracht … Nun, es ist ja gleich. Wenn Sie Trigorin sehen, sagen sie ihm nichts … Ich liebe ihn. Ich liebe ihn, sogar stärker noch als früher … Ein Stoff für eine kleine Erzählung … Ich liebe, liebe ihn leidenschaftlich, bis zur Verzweiflung. Wie schön war's doch früher, Kostja! Wissen Sie noch? Was für ein helles, warmes, freudiges, reines Leben welche Gefühle – Gefühle, die zarten graziösen Blumen glichen, wissen Sie noch? Sie trägt vor. »Menschen, Löwen, Adler und Feldhühner, geweihtragende Hirsche, Gänse, Spinnen, schweigsame Fische, die im Wasser wohnten, Seesterne und all die Wesen, die dem Auge nicht sichtbar waren, mit einem Wort: alles Leben, alles Leben ist erloschen, nachdem es seinen traurigen Kreislauf vollendet hat … Seit vielen tausend Äonen bereits trägt die Erde nicht ein Lebewesen mehr, und dieser arme Mond läßt sein Licht vergeblich erstrahlen. Nicht mehr erwachen auf der Wiese mit Geschrei die Kraniche, nicht mehr hört man die Maikäfer schwirren in den Lindenhainen.«

Sie umarmt heftig Treplew und stürzt durch die Glastür hinaus. 



 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Nina
Stück: Die Möwe 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1896 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
Übersetzung (Englisch): George Calderon 


1. Aufzug

Nina, Arkadina und Treplew 

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Der Vorhang geht auf; man erblickt den See; der Mond schwebt über dem Horizont, im Wasser sein Spiegelbild; auf einem großen Stein sitzt Nina Sarjetschnaja, ganz in Weiß.

NINA: 
Menschen, Löwen, Adler und Feldhühner, geweihtragende Hirsche, Gänse, Spinnen, schweigsame Fische, die im Wasser wohnten, Seesterne und all die Wesen, die dem Auge nicht sichtbar waren, mit einem Wort: alles Leben, alles Leben, alles Leben ist erloschen, nachdem es seinen traurigen Kreislauf vollendet hat … Seit vielen tausend Äonen bereits trägt die Erde nicht ein Lebewesen mehr, und dieser arme Mond läßt sein Licht vergeblich strahlen. Nicht erwachen auf der Wiese mit Geschrei die Kraniche, nicht mehr hört man die Maikäfer schwirren in den Lindenhainen. Es ist so kalt, so kalt, so kalt. Es ist so leer, so leer, so leer. Es ist so schaurig, so schaurig, schaurig. (Pause.) Die Körper der Lebewesen sind zu Staub zerfallen, die ewige Materie hat sie in Steine, in Wasser, in Wolken verwandelt, und ihrer aller Seelen sind in eine einzige zusammengeflossen. Diese eine, gemeinsame Weltseele bin ich … ich ... In mir ist die Seele Alexanders des Großen und Cäsars, Napoleons und die Seele des letzten Blutegels. In mir ist das Bewußtsein der Menschen mit den Instinkten der Tiere verschmolzen, und ich erinnere mich an alles, alles, alles, und jedes Leben durchlebe ich in mir selbst von neuem. (Es zeigen sich Irrlichter.) [...] Ich bin so einsam. Einmal in hundert Jahren öffne ich den Mund, um zu reden, und meine Stimme klingt traurig in dieser Öde, und niemand hört mich … Auch ihr, bleiche Lichter, hört mich nicht … Vor dem Morgengrauen gebiert euch der faulige Sumpf, und ihr irret umher, bis das Frührot schimmert, gedanken- und willenlos, ohne das Vibrieren des Lebens. Aus Furcht, daß nicht in euch Leben entstehe, läßt der Teufel, der Vater der ewigen Materie, jeden Augenblick in euch, gleichwie in den Steinen und im Wasser, die Atome durcheinanderwirbeln, daß ihr unaufhörlich euch wandelt. Im Weltall bleibt beständig und unveränderlich einzig der Geist. (Pause.) Wie ein Gefangener, in einen tiefen und leeren Brunnen geworfen, weiß ich nicht, wo ich bin und was meiner harret. Nur so viel ist mir kund, daß ich in dem harten, erbitterten Kampfe mit dem Teufel, dem Urprinzip der materiellen Kräfte, siegen werde und daß alsdann, wenn Materie und Geist in herrlicher Harmonie sich vereinigt haben, die Herrschaft des Weltwillens anbrechen wird. Das aber wird erst allmählich geschehen, wenn im Verlauf einer langen, langen Reihe von Jahrtausenden der Mond und der hell leuchtende Sirius und die Erde in Staub verwandelt sein werden. Bis dahin herrschet nur Schrecken, Schrecken … (Pause, im Hintergrunde des Sees erscheinen zwei rote Punkte.) Dort nahet schon, mein mächtiger Gegner, der Teufel – ich sehe seine schrecklichen, blutroten Augen …



1. Act

Nina, Arkadina and Treplew 


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NINA: Men and lions, eagles and partridges, antlered deer, geese, spiders, the silent fishes dwelling in the water, star-fish and tiny creatures invisible to the eye--these and every form of life, ay, every form of life, have ended their melancholy round and become extinct.... Thousands of centuries have passed since this earth bore any living being on its bosom. All in vain does yon pale moon light her lamp. No longer do the cranes wake and cry in the meadows; the hum of the cockchafers is silent in the linden groves. All is cold, cold, cold. Empty, empty, empty. Terrible, terrible, terrible. [A pause] The bodies of living beings have vanished into dust; the Eternal Matter has converted them into stones, into water, into clouds; and all their spirits are merged in one. I am that spirit, the universal spirit of the world. In me is the spirit of Alexander the Great, of Caesar, of Shakespeare, of Napoleon, and the meanest of the leeches. In me the consciousness of men is merged with the instinct of animals; I remember everything, everything, everything, and in myself relive each individual life. I am alone. Once in a hundred years I open my lips to speak, and my voice echoes sadly in this emptiness and no one hears.... You too, pale fires, you hear me not.... The corruption of the marsh engenders you towards morning, and you wander till the dawn, but without thought, without will, without throb of life. Fearing lest life should arise in you, the father of Eternal Matter, the Devil, effects in you, as in stones and water, a perpetual mutation of atoms; you change unceasingly. In all the universe spirit alone remains constant and unchanging. [A pause] Like a captive flung into a deep empty well, I know not where I am nor what awaits me. One thing only is revealed to me, that in the cruel and stubborn struggle with the Devil, the principle of material forces, it is fated that I shall be victorious; and thereafter, spirit and matter are to merge together in exquisite harmony and the reign of Universal Will is to begin. But that cannot be till, little by little, after a long, long series of centuries, the moon, the shining dog-star and the earth are turned to dust.... Till then there shall be horror and desolation.... Behold, my mighty antagonist, the Devil, approaches. I see his awful, blood-red eyes ...



 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Trofimow
Stück: Der Kirschgarten 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1904 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
Übersetzung (Englisch): George Calderon 
 


2. Aufzug 

Trofimow und Anja

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TROFIMOW: Sie fürchtet, wir könnten uns ineinander verlieben, und geht uns nicht vom Halse. Ihr enger Schädel erfaßt es nicht, daß wir über der Liebe stehen. All das Kleinliche, Trügerische abstreifen, das uns hindert, glücklich zu sein – das ist der Sinn und das Ziel unseres Lebens. Nur vorwärts! Wir schreiten unaufhaltsam dem hellen Stern entgegen, der dort in der Ferne erglänzt! Vorwärts! Bleibt nicht zurück, o Freunde! [...] Ganz Rußland ist unser Garten.Die Erde ist groß und schön, und es gibt auf ihr gar viele wundervolle Orte. (Pause) Bedenken Sie, Anja: Ihr Großvater, Ihr Urgroßvater und alle Ihre Vorfahren waren Sklavenhalter, Gebieter über lebendige Seelen; jede Frucht im Garten, jedes Blatt am Baum spricht von den menschlichen Wesen, die hier in Knechtschaft gelebt haben. O, dieser Garten hat etwas Schreckliches, und wenn man des Nachts ihn durchschreitet und die alte Rinde der Stämme in matten Reflexen erschimmern sieht, dann ist es, als ob diese Kirschbäume träumten, als ob sie in quälenden Visionen sähen, was hier vor hundert, vor zweihundert Jahren geschah. Was soll man schon viel Worte machen: wir sind um wenigstens zweihundert Jahre in der Entwicklung zurück, bei uns ist noch so gut wie nichts geschehen, wir haben noch gar keine Distanz zu unserer Vergangenheit gewonnen, wir philosophieren nur, klagen über Langeweile oder trinken Branntwein. Es ist ja doch sonnenklar: um wirklich und lebendig mit der Gegenwart zu leben, müssen wir erst mit der Vergangenheit abschließen und sie abbüßen, und das können wir nur durch hartes Leid, durch unermüdliche, anstrengende Arbeit erreichen. Merken Sie sich das, Anja! [...] Wenn Sie die Schlüssel der Wirtschaft hier führen, dann werfen Sie sie in diesen Brunnen und gehen Sie auf und davon. Seien Sie frei, wie der Wind der Steppe! [...] Glauben Sie mir, Anja, glauben Sie! Ich zähle noch nicht dreißig, bin noch jung, noch Student, und habe doch schon so unendlich viel durchgemacht. Hunger und Elend, Krankheit und Not hab' ich ertragen wie nur irgendein Bettler, von Ort zu Ort hat mich das Schicksal gejagt. Immer jedoch, jeden Augenblick, bei Tag und Nacht, blieb meine Seele von geheimnisvollen Ahnungen erfüllt: ich ahne das Glück, Anja – ja, ich sehe es schon … 

 


2. Act 

Trofimow and Anja


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TROPHIMOF: Barbara's afraid we shall go and fall in love with each other. Day after day she never leaves us alone. With her narrow mind she cannot understand that we are above love. To avoid everything petty, everything illusory, everything that prevents one from being free and happy, that is the whole meaning and purpose of our life. Forward! We march on irresistibly towards that bright star which burns far, far before us! Forward! Don't tarry, comrades! All Russia is our garden. The earth is great and beautiful; it is full of wonderful places. [A pause] Think, Anya, your grandfather, your great-grandfather and all your ancestors were serf-owners, owners of living souls. Do not human spirits look out at you from every tree in the orchard, from every leaf and every stem? Do you not hear human voices? . . . Oh! it is terrible. Your orchard frightens me. When I walk through it in the evening or at night, the rugged bark on the trees glows with a dim light, and the cherry-trees seem to see all that happened a hundred and two hundred years ago in painful and oppressive dreams. Well, well, we have fallen at least two hundred years behind the times. We have achieved nothing at all as yet; we have not made up our minds how we stand with the past; we only philosophize, complain of boredom, or drink vodka. It is so plain that, before we can live in the present, we must first redeem the past, and have done with it; and it is only by suffering that we can redeem it, only by strenuous, unremitting toil. If you have the household keys, throw them in the well and go away. Be free, be free as the wind. Believe what I say, Anya; believe what I say. I'm not thirty yet; I am still young, still a student; but what I have been through! I am hungry as the winter; I am sick, anxious, poor as a beggar. Fate has tossed me hither and thither; I have been everywhere, everywhere. But wherever I have been, every minute, day and night, my soul has been full of mysterious anticipations. I feel the approach of happiness, Anya; I see it coming.


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Lopachin 
Stück: Der Kirschgarten 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1904 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 


3. Aufzug 

Lopachin, Pischtschik und Anja

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LOPACHIN: Ich hab' ihn gekauft, ja … Entschuldigen Sie, Herrschaften … Das Reden fällt mir schwer, ich bin ein bißchen benommen (Lacht) Wir kommen also zum Termin, Deriganow ist auch schon da. Leonid Andreïtsch hatte nur fünfzehntausend Rubel, Deriganow aber bot gleich dreißigtausend mehr, als die Schuld beträgt. Ich sehen, die Sache kann schiefgehen, und sage vierzigtausend. Er bietet fünfundvierzig, ich fünfundfünfzig, und so legt er immer fünf zu und ich zehn … Na, schließlich kam das Ende, ich bot neunzig über die Schuldsumme und erhielt den Zuschlag. Der Kirschgarten ist jetzt mein! Mein! Lacht laut. Mein Gott und Herr, der Kirschgarten ist mein! So sagt mir doch, ich sei betrunken, ich sei verrückt, ich träume das alles nur! (Stampft mit den Füßen auf) Lacht nicht über mich! Mein Vater und Großvater müßten jetzt aus dem Grabe aufstehen, müßten sich's ansehen, wie ihr Jermolaj, der soviel Prügel bekommen hat, der kaum lesen und schreiben kann, der im Winter barfuß gelaufen ist, wie dieser selbe Jermolaj sich das schönste Gut gekauft hat, das auf Gottes Erdboden existiert. Dasselbe Gut hab' ich gekauft, auf dem mein Vater und Großvater leibeigene Knechte waren, die nicht mal die herrschaftliche Küche betreten durften. Es kann ja nicht sein … ich schlafe wohl, ich sehe das alles nur im Traum … Eine Frucht meiner Einbildung ist's nur, nichts weiter … (Hebt die Schlüssel auf, gerührt lächelnd) Da hat sie nun die Schlüssel hingeworfen … will zeigen, daß sie hier nicht mehr die Wirtschaft führt … (Läßt den Schlüsselbund erklirren) Nun, meinetwegen. (Man hört das Orchester die Instrumente stimmen) Heda, Musikanten, spielt auf! Ich will euch hören! Kommt alle her und seht zu, wie Jermolai Lopachin mit der Axt durch den Kirschgarten fährt, wie die Bäume zu Boden stürzen! Sommerhäuschen wollen wir hier errichten, unsere Enkel und Urenkel werden hier ein neues Leben schauen … Heda, Musik! 

 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Ljubow Andrejewna 
Stück: Der Kirschgarten 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1904 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
Übersetzung (Englisch): George Calderon 


3. Aufzug 

Ljubow Andrejewna und Trofimow 


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LJUBOW ANDREJEWNA (In heftiger Unruhe) Warum Leonid nicht kommt? Ich möchte nur eins wissen: ob das Gut verkauft ist oder nicht. Das Unglück erscheint mir ganz unfaßbar; ich weiß nicht, was ich denken soll. Schreien könnt' ich, irgendeine Dummheit begehen. Retten sie mich, Petja: reden Sie, reden Sie, irgend etwas ... [...] Sie sehen, wo die Wahrheit oder die Unwahrheit ist, ich aber habe einfach die Sehkraft verloren, ich sehe gar nichts. Sie wagen sich mutig an die Entscheidung aller wichtigen Fragen – aber sagen Sie, mein Lieber: Geschieht das nicht einfach darum, weil Sie noch so jung sind, weil Sie noch keine Zeit hatten, auch nur eine dieser Fragen in Ihrem eigenen Ich zu erproben? Sie schauen kühn in die Zukunft: vielleicht nur darum, weil Sie nichts Schlimme sehen und erwarten, da das Leben noch vor Ihren jungen Augen verborgen ist. Sie sind kühner, ehrlicher, tiefer als wir Alten, aber versetzen Sie sich in unsere Lage, urteilen sie rücksichtsvoll, schonen Sie mich! Ich bin hier geboren, meine Eltern und Großeltern haben hier gelebt … Ich liebe dieses Haus, ohne den Kirschgarten verstehe ich das Leben nicht, und wenn er schon verkauft werden soll, so mag man mich gleich mitverkaufen … (Umarmt Trofimow, küßt ihn auf die Stirn) Mein Sohn ist hier ertrunken ... (Weint) Haben Sie Mitleid mit mir, mein guter, lieber Junge … [...] Sie müssen mir das aber anders, anders sagen ... (Zieht ihr Taschentuch heraus, wobei ein Telegramm auf den Fußboden fällt) Mir liegt's heut' so schwer auf der Seele, Sie können sich das gar nicht vorstellen. Hier ist es so laut, jeder Ton läßt mein Inneres erbeben, ich zittre an allen Gliedern und auf mein Zimmer gehen kann ich auch nicht, ich fürchte mich vor dem Alleinsein. Verurteilen sie mich nicht, Petja, … ich liebe Sie wie meinen eigenen Sohn. Gern würde ich Ihnen Anja zur Frau geben, ich schwör's Ihnen, aber Sie müßten Ihre Studien fortsetzen, mein Lieber, müßten das Examen machen. Sie tun nichts, lassen sich vom Schicksal bald dahin, bald dorthin schleudern … Das ist doch nichts Rechtes, nicht wahr? Und dann müßten sie auch etwas dafür tun, daß Ihr Bart wächst … (Lacht) Sie sehen so komisch aus ohne Bart … [...] Ein Telegramm aus Paris. Jeden Tag bekomme ich eins, gestern, und heute, und alle Tage. Dieser tollköpfige Mensch ist wieder krank, es geht ihm wieder schlecht … Er bittet mich um Verzeihung, fleht mich an, ich solle zu ihm zurückkommen, und von rechtswegen müßte ich auch wirklich nach Paris fahren und ihm beistehen. Sie blicken mich strafend an, Petja, doch was soll ich tun, mein Lieber, was soll ich tun? Er ist krank, er ist einsam und unglücklich – wer wird nach ihm sehen, wer wird ihn von seinen Torheiten zurückhalten, ihm zur rechten Zeit die Medizin reichen? Nun, und … warum soll ich's verschweigen? – Ich liebe ihn, ganz klar. Ich liebe ihn, liebe ihn … Das ist der Stein an meinem Halse, der mich auf den Grund zieht, aber ich liebe diesen Stein und kann ohne ihn nicht leben. (Drückt Trofimow die Hand) Denken Sie nicht schlecht von mir, Petja, sagen Sie nichts, gar nichts … [...] Nein, nein, nein, so dürfen Sie nicht sprechen … (Hält sich die Ohren zu) 


3. Act 

Ljubow Andrejewna and Trofimow 


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LJUBOW ANDREJEWNA: [Deeply agitated] Why doesn't Leoníd come? Oh, if only I knew whether the property's sold or not! It seems such an impossible disaster, that I don't know what to think. . . . I'm bewildered . . . I shall burst out screaming, I shall do something idiotic. Save me, Peter; say something to me, say something. You can see what's truth and untruth, but I seem to have lost the power of vision; I see nothing. You settle every important question so boldly; but tell me, Peter, isn't that because you're young, because you have never solved any question of your own as yet by suffering? You look boldly ahead; isn't it only that you don't see or divine anything terrible in the future; because life is still hidden from your young eyes? You are bolder, honester, deeper than we are, but reflect, show me just a finger's breadth of consideration, take pity on me. Don't you see? I was born here, my father and mother lived here, and my grandfather; I loved this house; without the cherry orchard my life has no meaning for me, and if it must be sold, then for heaven's sake sell me too! My little boy was drowned here. Be gentle with me, dear, kind Peter. I am so wretched today, you can't imagine! All this noise jars on me, my heart jumps at every sound. I tremble all over; but I can't shut myself up; I am afraid of the silence when I'm alone. Don't be hard on me, Peter; I love you like a son. I would gladly let Anya marry you, I swear it; but you must work, Peter; you must get your degree. You do nothing; Fate tosses you about from place to place; and that's not right. It's true what I say, isn't it? And you must do something to your beard to make it grow better. I can't help laughing at you. [Showing him a telegraph] It's a telegram from Paris. I get them every day. One came yesterday, another today. That savage is ill again; he's in a bad way. . . . He asks me to forgive him, he begs me to come; and I really ought to go to Paris and be with him. You look at me sternly; but what am I to do, Peter? What am I to do? He's ill, he's lonely, he's unhappy. Who is to look after him? Who is to keep him from doing stupid things? Who is to give him his medicine when it's time? After all, why should I be ashamed to say it? I love him, that's plain. I love him, I love him. . . . My love is like a stone tied round my neck; it's dragging me down to the bottom; but I love my stone. I can't live without it. Don't think ill of me, Peter; don't say anything! Don't say anything!


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Ljubow Andrejewna 
Stück: Der Kirschgarten 
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1904 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): August Scholz 
Übersetzung (Englisch): George Calderon 


2. Aufzug 

Ljubow Andrejewna, Lopachin und Gajew 

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LJUBOW ANDREJEWNA(erschrocken): Nicht doch, Sie werden doch nicht gehen! Bleiben Sie, mein Lieber, ich bitte Sie darum. Es ist gemütlicher, wenn Sie da sind … (Pause) Mir ist immer so unheimlich zumute, als ob etwas Schreckliches eintreten müßte, als ob das Dach über uns einstürzen sollte … [...] Wir haben auch zu arg gesündigt. [...] O, meine Sünden, meine Sünden! … Ich bin mit dem Geld immer umgegangen wie eine Verrückte. Einen Schuldenmacher hab' ich geheiratet, der sich am Champagner totgetrunken hat, und dann hab' ich mich an einen andern gehängt, der es auch nicht besser trieb. Der Tod meines Jungen war die erste Strafe, er traf mich wie ein Schlag auf den Kopf. Ich floh blindlings, fort, nur fort, ins Ausland, um diesen Fluß nicht mehr zu sehen, der mir mein Kind geraubt hatte. Jener kam mir nach, und als er dort krank wurde, kaufte ich die Villa bei Mentone und pflegte ihn drei Jahre lang, gönnte mir Tag und Nacht keine Ruhe und kam selbst ganz und gar herunter. Und im vorigen Jahr, als man Schulden halber meine Villa verkauft hatte, fuhr ich nach Paris, und hier nahm mir der Mensch mein Letztes, wandte sich einer andern zu und ließ mich elend sitzen. Ich machte einen Selbstmordversuch … so dumm … so kläglich … und plötzlich erwachte in mir die Sehnsucht nach Rußland, nach der Heimat, nach meinen lieben kleinen Mädchen … (Wischt sich die Tränen aus den Augen) O Gott, mein Gott, sei mir gnädig, vergib mir meine Sünden! Straf' mich nicht länger! (Zieht ein Telegramm aus der Tasche) Das hab' ich heute aus Paris bekommen … Er bittet um Verzeihung, fleht mich an, ich möchte zu ihm zurückkommen … (Zerreißt das Telegramm) Lauscht. Ist das nicht Musik?


3. Act 

Ljubow Andrejewna and Trofimow 


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LJUBOW ANDREJEWNA: Please don't go; I want you. At any rate it's gayer when you're here. [A pause] I keep expecting something to happen, as if the house were going to tumble down about our ears. We have been very, very sinful! Oh, the sins that I have committed ... I've always squandered money at random like a madwoman; I married a man who made nothing but debts. My husband drank himself to death on champagne; he was a fearful drinker. Then for my sins I fell in love and went off with another man; and immediately--that was my first punishment--a blow full on the head ... here, in this very river ... my little boy was drowned; and I went abroad, right, right away, never to come back any more, never to see this river again.... I shut my eyes and ran, like a mad thing, and he came after me, pitiless and cruel. I bought a villa at Mentone, because he fell ill there, and for three years I knew no rest day or night; the sick man tormented and wore down my soul. Then, last year, when my villa was sold to pay my debts, I went off to Paris, and he came and robbed me of everything, left me and took up with another woman, and I tried to poison myself.... It was all so stupid, so humiliating.... Then suddenly I longed to be back in Russia, in my own country, with my little girl.... [Wiping away her tears] Lord, Lord, be merciful to me; forgive my sins! Do not punish me any more! [Taking a telegram from her pocket.] I got this to-day from Paris.... He asks to be forgiven, begs me to come back....

 


   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Natalia Stepanowna
Stück: Der Heiratsantrag
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1890 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): Luise Flachs-Fokschaneanu


3. Auftritt

Natalia und Lomow

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NATALIA: Es ist gar nicht so, wie Sie erzählen! Auch mein Großvater und Urgroßvater waren davon überzeugt, daß ihre Grundstücke sich bis zu den Sümpfen erstreckten -- das heißt also, die Ochsenwiesen gehörten uns. Was gibt es da zu streiten? Ich begreife gar nicht... Es ist wirklich ärgerlich. [...] Eine schöne Bescherung! Wir besitzen den Grund seit nahezu dreihundert Jahren und plötzlich macht man uns die Mitteilung, daß er nicht uns gehört! Iwan Wassiljitsch, verzeihen Sie, aber ich traue meinen Ohren nicht... Für mich haben diese Wiesen einen geringen Wert. Es sind im ganzen fünf Desjatin und sie haben den Wert von ein paar hundert Rubel, etwa 300 Rubel, aber mich empört die Ungerechtigkeit. Sagen Sie, was Sie wollen, aber Ungerechtigkeit kann ich nicht ertragen. [...] Die Wiesen gehören uns und Punktum. [...] Uns! Wenn Sie auch zwei Tage lang beweisen, und wenn Sie fünfzehn Fräcke anlegen, so sind sie doch unsere, unsere, unsere!... Was Ihnen gehört, begehre ich nicht, aber ich wünsche auch nicht, das zu verlieren, was mir gehört! [...] Wir haben Sie bisher für einen guten Nachbarn gehalten, für einen Freund, vergangenes Jahr überließen wir Ihnen unsere Dreschwalze und konnten deshalb unser Getreide erst im November zu Ende mahlen und Sie behandeln uns wie die Zigeuner. Sie schenken mir mein eigenes Grundstück. Entschuldigen Sie, so handeln Nachbarn nicht. Nach meiner Meinung ist es sogar eine Kühnheit ... wenn Sie wollen...

   


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Lomow 
Stück: Der Heiratsantrag
Autor: Anton Tschechow

Erscheinungsjahr: 1890 
Originalsprache: Russisch 
Übersetzung (Deutsch): Luise Flachs-Fokschaneanu


2. Auftritt

Lomow allein 

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LOMOW: Mir ist kalt... Ich zittere am ganzen Leibe, wie vor dem Examen. Die Hauptsache ist, man muß sich entschließen. Wenn man lange bedenkt, schwankt, viel spricht, auf ein Ideal oder auf die echte Liebe wartet, verheiratet man sich niemals. Brrr!... Es ist kalt! Natalia Stepanowna ist eine vorzügliche Wirtin, ist auch nicht übel, ist gebildet ... was brauche ich denn noch? Es rauscht mir vor Aufregung in den Ohren.

(Er trinkt Wasser.)

Und nicht heiraten, das geht nicht... Erstens bin ich schon fünfunddreißig Jahre alt -- ein kritisches Alter, sozusagen. Zweitens bedarf ich eines geordneten, regelmäßigen Lebens... Ich habe einen Herzfehler, beständiges Herzklopfen, ich bin empfindlich und gerate immer in furchtbare Aufregung. Sofort zittern mir die Lippen und auf der rechten Schläfe zuckt der Puls... Aber das Allerschrecklichste ist der Schlaf. Kaum habe ich mich ins Bett gelegt und beginne einzuschlummern, da zerrt und zupft plötzlich etwas an der linken Seite! und just in der Schulter und im Kopf hämmert etwas... Ich springe wie ein Verrückter auf, gehe eine Weile umher, dann lege ich mich wieder, aber kaum bin ich ein wenig eingeschlafen, habe ich wieder einen Krampf an der Seite! Und so geht es an die zwanzig Mal...

(Natalia Stepanowna kommt von rechts)

   


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