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Mata Leão

Bewertung und Kritik zu

MATA LEÃO – Volksbühne Berlin

von: Wallace Ferreira, Davi Pontes
Uraufführung: 29. Oktober 2026, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Künstlerisches Team

Konzept, Choreografie, Kostüm: Wallace Ferreira, Davi Pontes
Bühne: Celeste Burlina
Sound: Podeserdesligado
Dramaturgie: Tarun Kade
Outside Eye: Marlene Monteiro Freitas
Associate Production, Internationale Distribution: Something Great

Besetzung

Ensemble: Sebastião Abreu, Koko Yeji Boanyah, Wallace Ferreira, Gavin Law, Mai-Júli Machado Nhapulo, Davi Pontes, Rayne, Galina Rodríguez

Über die Inszenierung

„Mata Leão“ ist eine körperlich radikale, choreografisch präzise und politisch vibrierende Uraufführung, die sich mit Macht, Körper, Gewalt, Widerstand und queerer Selbstbehauptung auseinandersetzt. Ferreira und Pontes entwickeln eine hybride Form zwischen Tanz, Performance, Ritual und sozialer Analyse.

Celeste Burlinas Bühne schafft einen offenen, zugleich energetisch aufgeladenen Raum, der zwischen Arena, Trainingsfläche und symbolischer Installation wechselt. Die Kostüme von Ferreira und Pontes betonen die körperliche Intensität und die transformatorischen Momente der Performance.

Der Sound von Podeserdesligado bildet eine pulsierende, elektronische Klanglandschaft, die zwischen Bedrohung, Ekstase und rhythmischer Verdichtung oszilliert. Tarun Kades dramaturgische Arbeit hält die Balance zwischen choreografischer Freiheit und politischer Schärfe.

Marlene Monteiro Freitas’ Outside‑Eye‑Arbeit verstärkt die körperliche Überzeichnung und die rituellen Elemente der Inszenierung. Something Great unterstützt die internationale Ausrichtung und Produktionsstruktur.

Das Ensemble spielt und tanzt mit großer physischer Präzision und emotionaler Wucht. Die Performer*innen verkörpern unterschiedliche Perspektiven auf Körperpolitik, Widerstand und Verletzlichkeit.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– radikale, körperlich intensive Choreografie
– hybride Form zwischen Tanz, Ritual und Performance
– pulsierende elektronische Klanglandschaft
– starke politische und ästhetische Haltung
– kraftvolle Ensemblepräsenz

„Mata Leão“ ist ein intensiver, körperlich überwältigender und politisch aufgeladener Abend, der den Körper als Ort von Macht, Verletzung und Widerstand sichtbar macht.

1 Kritik

3.0 von 5 Sterne
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Flirten und Posen aus der Welt des Ballrooms
5 Tage her.
Kritik

Einen gewaltigen Catwalk hat Celeste Burlina ins Parkett hineingebaut, der fast bis Reihe 15 reicht und der vor allem während der ersten Hälfte des 80 Minuten kurzen Abends sehr intensiv genutzt wird. Das Oktett schreitet in schillernden und glamourösen Kreationen, die das Duo gemeinsam mit Djuna Reiner entworfen hat, und einer Extra-Portion Slay wieder und wieder die Rampe hinauf, wirft kokette Blicke ins Publikum, setzt aber nur sehr selten zu wirklicher Interaktion mit uns an.

Aus der Kultur von Ballroom und Voguing stammen die Bewegungsmuster. Jener Kultur, der René Pollesch während seiner jäh beendeten Intendanz Raum gab und die im Sternfoyer als Intro zu seiner Gedenkfeier im April 2024 für Aufsehen sorgte.

Nur in Spurenelementen kommen hingegen die Kampfsport-Elemente vor, auf die der Titel anspielt: „Mata Leão“ bedeutet „den Löwen töten“ und ist, wie wir im Programmheft lernen, ein Würgegriff aus dem Jiu-Jitsu. Auf der Bühne, auf der im Halbrund auch ein paar wenige Zuschauer sitzen dürfen, zeigen die Performer*innen ein etwas breiteres Bewegungs-Repertoire als in den Catwalk-Szenen.

Spaß macht es, diesem bunten Treiben an der Schnittstelle von Tanz und Performance zuzusehen. Lilienthal öffnet mit der vierten Premieren-Position seiner noch jungen Intendanz programmatisch das Haus für eine Ästhetik, die man in Berlin bis dato eher am von ihm gegründeten HAU oder in der Performing Arts Season der Berliner Festspiele verorten würde.

Spürbar ist aber auch, dass Pontes/Ferreira und ihr Team bei aller Voguing-Power doch noch etwas mit angezogener Handbremse agieren und den Teil des Publikums, der aus Sprechtheater-Blase kommt, am leider nicht ausverkauften Rosa Luxemburg-Platz nicht überfordern wollen. 

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