Bewertung und Kritik zu
MACACOS – Schaubühne am Lehniner Platz (Studio)
Gastspiel
Von: Clayton Nascimento
Regie: Clayton Nascimento
Ort: Studio, Schaubühne Berlin
Herkunft: São Paulo, Brasilien
Über die Inszenierung
„Macacos“ ist eine radikale, körperlich präzise Solo‑Performance, in der Clayton Nascimento die Geschichte des Rassismus in Brasilien durch seinen eigenen Körper erzählt. Ausgangspunkt ist ein rassistischer Vorfall im Fußballstadion, der für den jungen Schauspielstudenten zum Auslöser wurde, sein erstes eigenes Stück zu schreiben. Die Inszenierung verbindet autobiografische Erfahrung, historische Recherche und performative Verdichtung zu einer intensiven Geisterbahnfahrt durch Kolonialismus, Sklaverei, Polizeigewalt und alltägliche Diskriminierung.
Nascimento nutzt eine leere Bühne, seinen Körper und seine Stimme, um ein ganzes Gesellschaftspanorama zu entfalten. Figuren, Räume und historische Ebenen entstehen allein durch Bewegung, Rhythmus und stimmliche Transformation. Die Performance bleibt in ständiger Entwicklung: Nascimento integriert reale Geschichten, Begegnungen und politische Ereignisse in das Stück – ein offener Prozess, der die Dringlichkeit des Themas unterstreicht. Besonders eindrücklich ist die Integration des Falls eines zehnjährigen Jungen, der in einer Favela von der Polizei erschossen wurde und dessen Mutter Nascimento nach einer Vorstellung um Hilfe bat. Durch das Theater gelangte der Fall erstmals vor Gericht.
Ensemble
- Clayton Nascimento — Performance
- Special Guest: Terezinha Maria de Jesus
Künstlerisches Team
- Licht: Danielle Meireles, Cynthia Monteiro
- Produktionsleitung: Alex Junior
- Produktionsassistenz: Beatriz de Franco
- Produktion: Cia do Sal
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine körperlich radikale Solo‑Performance, die Geschichte und Gegenwart des Rassismus verdichtet
- eine leere Bühne, die durch Stimme, Körper und Rhythmus zum gesellschaftlichen Panorama wird
- ein offenes, wachsendes Stück, das reale Fälle von Polizeigewalt integriert
- eine Verbindung aus autobiografischer Erfahrung, politischer Analyse und performativer Wucht
- ein seltenes Beispiel dafür, wie Theater juristische und gesellschaftliche Prozesse beeinflussen kann
Die Produktion untersucht, wie koloniale Gewalt, struktureller Rassismus und persönliche Erfahrung ineinandergreifen – und welche politische Kraft entsteht, wenn ein einzelner Körper die Geschichte eines ganzen Landes erzählt.





