Schaubühne am Lehniner Platz
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Bewertung und Kritik zu

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11 ÅR – Schaubühne am Lehniner Platz (Globe)

Gastspiel
Von: Goksøyr & Martens
Regie: Toril Goksøyr, Camilla Martens
Ort: Globe, Schaubühne Berlin
Vorstellung: 17. April 2026, 17.00–18.15
Sprache: Norwegisch, mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere: 28. Januar 2026, Rogaland Teater, Stavanger

Über die Inszenierung

„11 ÅR“ entfaltet ein präzises, dokumentarisch gearbeitetes Panorama des Schulalltags – und die Erschütterung, die ein tragisches Ereignis auslöst. Ausgangspunkt ist der Suizid einer elfjährigen Schülerin. Die Inszenierung folgt den Bewegungen eines jungen Lehrers, der nach dem Tod des Mädchens mit Eltern, Schulleitung und einem System konfrontiert wird, das auf Routinen und Abläufe vertraut. In seiner Tasche trägt er ein Detail, das auf ein mögliches Versäumnis verweist und das sich nicht mehr rückgängig machen lässt.

Goksøyr & Martens arbeiten mit ihrer charakteristischen Vogelperspektive: Das Publikum sitzt auf einer Tribüne und blickt von oben auf einen realistisch gestalteten Schulhof. Über Kopfhörer werden Gespräche, Erinnerungen und Perspektiven hörbar, die sich überlagern und ein komplexes Geflecht aus Fürsorge, Distanz, Verantwortung und institutionellen Strukturen erzeugen. Die Inszenierung basiert auf umfangreichen Interviews mit Eltern, Kindern, Pädagog_innen und Jurist_innen und verbindet dokumentarische Genauigkeit mit einer atmosphärischen, fast mikroskopischen Beobachtung des Schulalltags.

Ensemble

  • Amund Harboe
  • Ragnhild Tysse Jørgensen
  • Svein Solenes
  • Georg Devendra Apenes
  • Bahareh Razekh Ahmadi
  • Oliver Wilhelmsen Kaada
  • Matilde T. Berge
  • Anna Bormann
  • Tobias Dalaker
  • Eva Danielsen
  • Noor Fattoumi Handeland
  • Noelia Stautland Husebø
  • Isak J. H. Kilter
  • Henrik Mæland Idsøe
  • Saga Møller-Nessa
  • Benita Ranjbar-Kalvik
  • Jens Rogde
  • Lucas Lindager Rolness
  • Marte Sirevåg Berge
  • Johanne Jordanson Søyland
  • Mio Vatnaland
  • Edith Victoria Ødegård Dale
  • Billie Østin

Künstlerisches Team

  • Bühne und Kostüme: Anja Petkovic Karlsen, Olav Myrtvedt
  • Sound Design: Therese Næss Diesen, Fredrik Vogel
  • Dramaturgie: Matilde Holdhus
  • Recherche: Lisa Johannson Skjelbred
  • Licht: Ingeborg Staxrud Olerud
  • Assistenz Licht: Sander Sædberg
  • Produzent Goksøyr & Martens: Hedvig Bergem Søiland

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine dokumentarische Arbeitsweise, die reale Stimmen und Erfahrungen präzise integriert
  • eine Vogelperspektive, die den Schulhof als sozialen Mikrokosmos sichtbar macht
  • ein immersives Klangkonzept mit Kopfhörern und multiplen Gesprächsebenen
  • eine Inszenierung, die Verantwortung, Fürsorge und institutionelle Mechanismen scharf beleuchtet
  • ein Ensemble, das mit großer Genauigkeit und zurückhaltender Intensität agiert

Die Produktion untersucht, wie Verantwortung verteilt, verschoben oder übersehen wird – und wie schwer es ist, im System Schule wirklich hinzusehen. „11 ÅR“ wird so zu einer eindringlichen Studie über Fürsorge, Schuld, institutionelle Abläufe und die Fragilität der jüngeren Generation.

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MACACOS – Schaubühne am Lehniner Platz (Studio)

Gastspiel als Deutschland-Premiere am 17./18./19. April 2026
Von: Clayton Nascimento
Regie: Clayton Nascimento
Ort: Studio, Schaubühne Berlin
Herkunft: São Paulo, Brasilien, Premiere der Original-Fassung an der Schauspielschule 2015/16, als Work-in-Progress wird die Inszenierung je nach Aufführungsort angepasst

Über die Inszenierung

„Macacos“ ist eine radikale, körperlich präzise Solo‑Performance, in der Clayton Nascimento die Geschichte des Rassismus in Brasilien durch seinen eigenen Körper erzählt. Ausgangspunkt ist ein rassistischer Vorfall im Fußballstadion, der für den jungen Schauspielstudenten zum Auslöser wurde, sein erstes eigenes Stück zu schreiben. Die Inszenierung verbindet autobiografische Erfahrung, historische Recherche und performative Verdichtung zu einer intensiven Geisterbahnfahrt durch Kolonialismus, Sklaverei, Polizeigewalt und alltägliche Diskriminierung.

Nascimento nutzt eine leere Bühne, seinen Körper und seine Stimme, um ein ganzes Gesellschaftspanorama zu entfalten. Figuren, Räume und historische Ebenen entstehen allein durch Bewegung, Rhythmus und stimmliche Transformation. Die Performance bleibt in ständiger Entwicklung: Nascimento integriert reale Geschichten, Begegnungen und politische Ereignisse in das Stück – ein offener Prozess, der die Dringlichkeit des Themas unterstreicht. Besonders eindrücklich ist die Integration des Falls eines zehnjährigen Jungen, der in einer Favela von der Polizei erschossen wurde und dessen Mutter Nascimento nach einer Vorstellung um Hilfe bat. Durch das Theater gelangte der Fall erstmals vor Gericht.

Ensemble

  • Clayton Nascimento — Performance
  • Special Guest: Terezinha Maria de Jesus

Künstlerisches Team

  • Licht: Danielle Meireles, Cynthia Monteiro
  • Produktionsleitung: Alex Junior
  • Produktionsassistenz: Beatriz de Franco
  • Produktion: Cia do Sal

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine körperlich radikale Solo‑Performance, die Geschichte und Gegenwart des Rassismus verdichtet
  • eine leere Bühne, die durch Stimme, Körper und Rhythmus zum gesellschaftlichen Panorama wird
  • ein offenes, wachsendes Stück, das reale Fälle von Polizeigewalt integriert
  • eine Verbindung aus autobiografischer Erfahrung, politischer Analyse und performativer Wucht
  • ein seltenes Beispiel dafür, wie Theater juristische und gesellschaftliche Prozesse beeinflussen kann

Die Produktion untersucht, wie koloniale Gewalt, struktureller Rassismus und persönliche Erfahrung ineinandergreifen – und welche politische Kraft entsteht, wenn ein einzelner Körper die Geschichte eines ganzen Landes erzählt.

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BLUETS – Schaubühne am Lehniner Platz

Premiere der neuen Berliner Version: 15. April 2026, Saal A
Premiere der Original-Version: 17. Mai 2024, Royal Court Theatre London
Von: Maggie Nelson
Fassung: Margaret Perry
Aus dem Englischen von: Jan Wilm
Regie: Katie Mitchell

Über die Inszenierung

Katie Mitchell überführt Maggie Nelsons poetisch-philosophischen Text in eine präzise theatrale Form, die zwischen Essay, Erinnerung und emotionaler Verdichtung oszilliert. „Bluets“ wird zu einem vielschichtigen Erfahrungsraum, in dem Farbe, Verlust, Begehren und Wahrnehmung ineinandergreifen. Die Inszenierung arbeitet mit Mitchells typischer Detailgenauigkeit: filmische Mittel, Live-Kamera, fragmentierte Perspektiven und rhythmische Textarbeit erzeugen eine intime, zugleich analytische Atmosphäre.

Die Berliner Version erweitert die Londoner Uraufführung um eine spezifische räumliche und ästhetische Setzung: Der Saal A wird zu einem Labor der Wahrnehmung, in dem Bewegung, Licht und Sprache präzise ineinandergreifen. Die Inszenierung betont die körperliche Dimension des Denkens und die sinnliche Qualität von Nelsons Text, ohne dessen essayistische Offenheit zu verlieren. Der Abend entwickelt eine fragile, zugleich hochkonzentrierte Spannung zwischen persönlicher Verletzlichkeit und intellektueller Klarheit.

Ensemble

  • Eva Meckbach
  • Renato Schuch
  • Alina Vimbai Strähler

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine präzise, filmisch gedachte Regiehandschrift, die Text, Körper und Bild verzahnt
  • eine ästhetische Übersetzung von Nelsons poetischem Denken in räumliche und visuelle Strukturen
  • eine Inszenierung, die Wahrnehmung, Erinnerung und emotionale Intensität miteinander verbindet
  • ein Spielraum, der Intimität, analytische Schärfe und sinnliche Präsenz vereint
  • eine Weiterentwicklung der Londoner Uraufführung für den spezifischen Kontext der Schaubühne

Die Produktion untersucht, wie Farbe, Verlust und Begehren zu Denkbewegungen werden und welche theatrale Kraft aus der Verbindung von poetischer Reflexion und präziser Bildsprache entsteht.

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NEST (Bischkek) 
von Chagaldak Zamirbekov und Ensemble
Premiere: 2020 (Theatre 705, Bischkek, Kirgisistan)
Deutschland-Premiere: 11. April 2025 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Hinter geschlossenen Türen taucht in einem Wohnungsflur ein Mann auf. Er erzählt, wie sein Vater die Familie verlassen und sich der radikalislamistischen Bewegung Hizbut-Tahrir angeschlossen hat. Weitere Personen stoßen dazu. Die Gründerin eines Waisenheims, die Müttern und Kindern Zuflucht bietet. Eine Kellnerin, die in einer Bar arbeitet und alleine lebt, seitdem sie 15 Jahre alt ist. Ein Nationalist, der davon träumt, dass alle Menschen in diesem Land nur noch Kirgisisch sprechen. Eine junge Feministin, die bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist und nicht weiß, was sie mit ihrem Leben machen soll. Eine andere Frau, die entführt und zwangsverheiratet wurde. Geisterhaft und nahtlos blenden diese und noch weitere Lebensgeschichten ineinander.
Das unheimliche Gefühl, gerade den intimsten Raum, den Menschen haben – die eigene Wohnung – betreten zu haben, lässt einen niemals los. Oder eben das titelgebende »Nest«. Alle hier versammelten Stimmen verbindet ihre Herkunft Kirgisistan, einer zentralasiatischen Republik, die 1876 vom Russischen Reich annektiert wurde und erst 1991, mit der Auflösung der Sowjetunion, ihre Unabhängigkeit erhielt. Regisseur Chagaldak Zamirbekov und das Ensemble haben für »Уя (Nest)« Interviews mit Menschen aus der kirgisischen Gesellschaft geführt. Jede Stimme erkundet, was der Begriff Zuhause ist. Oder was er sein könnte. Ein seltenes Porträt einer Gesellschaft im Wandel, in der es so viele Perspektiven auf das richtige Leben wie Wohnungen im Land gibt.

CHAGALDAK ZAMIRBEKOV studierte am staatlichen Konservatorium Kirgistans und an der kirgisisch-türkischen Manas Universität, wo er seit 2021 auch unterrichtet. Er entwickelt experimentelle Dokumentartheaterformate, überschreibt und inszeniert klassische Texte und ist ebenfalls im Musik- und Tanztheater tätig.

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BALDWIN AND BUCKLEY AT CAMBRIDGE (New York) 
Konzept: Greig Sargeant, Elevator Repair Service
Regie: John Collins 
Premiere: 9. September 2021 (Philadelphia FringeArts Festival) 
Deutschland-Premiere: 10. April 2025 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Im Jahr 1965, auf dem Höhepunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, trafen der weithin verehrte Intellektuelle und Schriftsteller James Baldwin und William F. Buckley Jr., ein prominenter Vordenker der Neuen Rechten, in einer spektakulären, öffentlichen Diskussion an der Universität Cambridge aufeinander: Ging der amerikanische Traum auf Kosten der Schwarzen Bevölkerung? Die Einladung war von der Cambridge Union, dem ältesten studentischen Debattierclub der Welt, ausgesprochen worden. Auf der einen Seite eine der wichtigsten Stimmen der Bürgerrechtsbewegung, auf der anderen der »Vater des modernen amerikanischen Konservatismus«. Mit »Baldwin and Buckley at Cambridge« setzt »Elevator Repair Service«, das von der New York Times als eines der »wenigen wirklich wichtigen Theaterensembles New Yorks« hervorgehoben wurde, ihre erfolgreiche Beschäftigung mit dokumentarischen Materialien fort, die sie in klugen, wortgetreuen Inszenierungen auf die Bühne bringen. Das Stück ist ein zeitloser, intellektueller Schlagabtausch über Rassismus und Gesellschaft. Baldwins beißende Analyse der strukturellen Benachteiligung und vielfältigen Repression der Schwarzen Bevölkerung in Amerika und Buckleys unheimlich aktuelle Reaktion darauf werden hier Wort für Wort zum Leben erweckt. Die Inszenierung endet mit einem imaginären Gespräch zwischen Baldwin und seiner engen Freundin Lorraine Hansberry, Aktivistin und Autorin von »A Raisin in The Sun«, dem ersten Theaterstück einer Schwarzen Autorin, das am Broadway produziert wurde. 

ELEVATOR REPAIR SERVICE (ERS) wurde 1991 von Regisseur John Collins gegründet. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen »Gatz«, ihre preisgekrönte Inszenierung des gesamten Textes von »Der große Gatsby«, »The Sound and The Fury« oder »Arguendo«. ERS hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter mehrere Lucille Lortel Awards, einen Bessie Award und einen Obie Award. Seit 1998 sind sie das erste Mal wieder in Berlin zu Gast. 

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UN SUBLIME ERROR (Brüssel / Madrid) 
von Jan Lauwers
Premiere: 16. November 2024, Festival Temporade Alta (Girona)
Deutschland-Premiere: 8. April 2025 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Ein fast perfektes Trio: Alex, Kristin und Gonzalo sind unzertrennlich. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit bilden sie ein spiegelhaft symmetrisches Dreieck. Alex ist finster und grüblerisch, Gonzalo fröhlich und stets zu Scherzen aufgelegt. Christine scheint in souveräner Gleichmut in der Lage, die Gegensätze im Gleichgewicht zu halten. Dennoch muss irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein. Zu Beginn des Stücks findet sich Gonzalo am Tag nach seiner eigenen Beerdigung wieder und versucht in scheinbarer Ruhe, die Stücke der Vergangenheit wieder zusammenzufügen. Das Kippen einer Statik, die so fragil ist wie das Bühnenbild, das ihn umgibt: eine Installation aus aufgetürmten, durchsichtigen Glasgefäßen, die bei jeder Berührung einzustürzen und in tausend Scherben zu zerbrechen drohen. Der Figur hat der argentinisch-spanische Schauspieler Gonzalo Cunill seinen eigenen Vornamen geliehen. Bald aber verkörpert er im virtuosen Wechselspiel alle drei Freund_innen und ihre Passionen, die plötzlich und ungewollt in Brutalität, Trennung und Entfremdung gleiten. Doch wo ereignete sich der titelgebende »erhabene Fehler«? Cunill, dem Festivalpublikum durch seine zahlreichen Aufritte in Stücken von Rodrigo García ebenso bekannt wie als Alter Ego von Pablo Fidalgo im Monolog »Die Enzyklopödie des Schmerzes« beim FIND 2023, tritt an der Schaubühne erstmals in einem von Jan Lauwers geschriebenen, inszenierten und mit seiner legendären »Needcompany« produzierten Monolog auf. Es ist das Produkt einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den beiden Künstlern und führt zahlreiche Fäden aus Lauwers Werk als Autor und Regisseur zusammen.

JAN LAUWERS ist Regisseur, Dramatiker, Bildender Künstler und Künstlerischer Leiter der Performancegruppe »Needcompany «. Er studierte Malerei an der Kunstakademie in Gent. Im Januar 2011 erhielt er das Goldene Ehrenzeichnen für Verdienste um die Republik Österreich und bei der Biennale von Venedig 2014 den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

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MEDEA’S KINDEREN (Gent) 
von Milo Rau / NTGent
Regie: Milo Rau 
Premiere: 18. April 2024 (NT Gent) 
Deutschland-Premiere: 4. April 2025 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Das rasende Weib, die Hysterikerin, die Rabenmutter, die ihren Hass nicht durch Vernunft zu bändigen weiß und an ihren unschuldigen Kinder auslässt: kaum ein antiker Stoff lieferte in der Geschichte des Theaters seit Euripides – der die Episode des Kindermordes dem alten Mythos überhaupt erst hinzufügte – Vorwand für so viele misogyne Klischees wie der von Medea. Milo Rau kehrt in seiner Inszenierung ihre Geschichte in radikaler Weise um. Anstelle der griechischen Sage rückt er einen realen belgischen Kriminalfall ins Zentrum. Eine Mutter lebt mit ihrem marokkanischen Ehemann und ihren fünf Kindern in Belgien. Der Vater aber verbringt mehr und mehr Zeit mit dem belgischen » Wohltäter«, der ihn einst nach Europa holte. Bis eines Tages die Mutter ihre Kinder in fast mathematischer Systematik ermordet. Die furchtbare Unbegreiflichkeit dieser Tat führt uns vor einen schwindelerregenden Abgrund von gesellschaftlichem Ausschluss, Erniedrigung, Abhängigkeit und Rassismus. Doch auch dramaturgisch und inszenatorisch stellt Rau den Mythos auf den Kopf. Sind die Kinder in den zahlreichen Dramatisierungen der Legende stumme Figuren, die sprachlos erleiden müssen, was ihnen angetan wird, so werden sie in »Medea’s Kinderen« nicht nur zu den Titelheld_innen: Sie werden auch von einem Ensemble von Kindern zwischen acht und dreizehn Jahren dargestellt. Dabei gelingt ihnen etwas Widersprüchliches: Während die Zuschauer_innen durch die perfekt inszenierte Nachahmung der Grausamkeit in einem fast unerträglichen Realismus mit den Taten der Mutter konfrontiert werden, gerät für die Darstellenden auf der Bühne das Inszenieren von Illusion und Theaterblut zu einem lustvollen Spiel. Die Gewalt als Mittel und ihre Wirkung auf die Zuschauer_innen kommt aus der Welt, die sie umgibt – und verwandelt sich nur auf der Bühne zur befreienden Übung in Traumabewältigung und Widerstand.

MILO RAU, geboren 1977 in Bern, ist Intendant der Wiener Festwochen | Freie Republik Wien. Er studierte Soziologie, Germanistik und Romanistik in Paris, Berlin und Zürich, u. a. bei Pierre Bourdieu und Tzvetan Todorov. Als Regisseur und Autor veröffentlichte er über 50 Theaterstücke, Filme, Bücher und Aktionen. Seine Theaterproduktionen waren u. a. zum Berliner Theatertreffen, Festival d’Avignon, Biennale di Venezia, Wiener Festwochen und Brüsseler Kunstenfestivaldesarts eingeladen und tourten durch über 30 Länder weltweit. Von 2018 bis 2023 war Milo Rau künstlerischer Leiter des NTGent (Belgien).

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SAFE HOUSE (Irland) 
von Enda Walsh und Anna Mullarkey
Regie: Enda Walsh 
Premiere: 3. Oktober 2024 (Abbey Theatre, Dublin) 
Deutschland-Premiere: 4. April 2025 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Galway, Irland, in den neunziger Jahren. Eine leerstehende Handballhalle, in der mehrere Fernseher, ein kaputter Kühlschrank und diverse Gartenmöbel rumstehen. Es ist das »Zuhause« von Grace, einer jungen Frau, die sich hier notdürftig eingerichtet hat und Zuflucht vor der Außenwelt sucht. Wie ist Grace hier gelandet? Warum hat sie kein richtiges Zuhause? Was ist passiert? In fragmentarischen Versatzstücken erfahren wir nach und nach immer mehr über Graces Leben. Eine Kindheit geprägt von Armut, alkoholsüchtigen Erwachsenen und missglückten Familienfeiern, eine isolierte Jugendzeit auf dem Land, eine verzweifelte Flucht in die Stadt, die Rückkehr aufs Land und der Versuch, das erlebte Trauma zu betäuben: Grace versucht, ihre eigene Vergangenheit zu verarbeiten, einen Sinn im Erlebten zu finden, indem sie sich entweder davon verabschiedet oder es als unwiderruflichen Teil von sich selbst akzeptiert. »SAFE HOUSE« ist die erste Zusammenarbeit zwischen der Komponistin Anna Mullarkey und dem Autor und Regisseur Enda Walsh. Es ist ein Soloabend, ein Liederzyklus mit Bildern und Filmsequenzen, in dem Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und Fantasie verschmelzen, in dem die Zeit vor und zurück springt, Tag zu Nacht wird und eine Jahreszeit in die andere übergeht.

ENDA WALSH ist Dramatiker, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u. a. die Stücke »Disco Pigs«, »Misterman«, zusammen mit David Bowie das Musical »Lazarus«, sowie die Drehbücher für u. a. die Filme »Hunger«, und »Small Things Like These«. Thomas Ostermeier inszenierte 1998 »Disco Pigs« am Schauspielhaus Hamburg und übernahm die Produktion 2000 an die Schaubühne. Die deutschsprachige Erstaufführung von »Misterman« fand 2000 an der Schaubühne statt.

Bewertung und Kritik zu

MANIFESTO TRANSPOFÁGICO - (São Paulo) 
von und mit Renata Carvalho
Regie: Luiz Fernando Marques 
Premiere: 20. März 2019 - Teatro Décio de Almeida Prado, Sao Paulo (Brasilien)
Deutschland-Premiere: 27. April 2024 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Am Anfang ist der Körper. Durch Scheinwerfer beleuchtet, bewegt sich Performerin Renata Carvalho kaum bekleidet über die Bühne. Ihr Gesicht sehen wir nicht. Sie setzt ihren Körper unseren Blicken aus, damit wir ihn beurteilen, einschätzen, einordnen. Schon immer wird dieser Körper beobachtet und untersucht. Widersetzt er sich der Einordnung, darf er bestraft, gedemütigt, entrechtet werden.

Renata Carvalhos Performance »Manifesto Transpofágico« beginnt beim Blick der Zuschauer_innen auf den Körper der Travesti, ein Begriff, der in Brasilien Menschen meint, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde, die aber für sich eine weibliche Geschlechtsidentität entwickelt haben. Die Selbstbezeichnung verweist auf eine kollektive Geschichte, die Carvalho zum Gegenstand ihrer Performance macht.

Bewertung und Kritik zu

MY LITTLE ANTARCTICA - (Komsomolsk am Amur/Lyon) 
von Tatiana Frolova/KnAM Theater
Premiere: 29. Juli 2019 - KnAM theatre Komsomolsk-on-Amur (Russland) 
Deutschland-Premiere: 24. April 2024 (Gastspiel FIND) 
Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Komsomolsk am Amur, von der Taiga umgeben, im »Förderationskreis Fernost«: dem russischen Teil Ostasiens nahe dem japanischen Archipel. Hier dauern die Winter bis zu sechs Monate und die Temperaturen fallen auf bis zu minus 40 Grad Celsius ab. In diese von der Welt vergessene »kleine Antarktis« kehren Tatiana Frolova und ihr Kollektiv KnAM Theater auf der Bühne zurück, nachdem sie im realen Leben nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, als Regimekritiker und Kriegsgegner bedroht, ins Exil nach Frankreich fliehen mussten.

Die offizielle Geschichtsschreibung behauptet, dass Komsomolsk in den 1930er-Jahren von einer Gruppe Freiwilliger der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol errichtet worden ist. Die Gründung einer Metropole in der unzugänglichsten Region des Sowjetreichs als Sieg des Sozialismus und der Zivilisation über die Naturgewalten. Die Wahrheit ist eine andere. Tatsächlich entstand die Stadt als Teil des Straflagernetzes Gulag. Die heutigen Bewohner_innen kennen daher vor allem zwei Arten von Vorfahren: Gefangene und Wächter des Lagers. Opfer und Täter des Stalinismus. Doch bis heute schweigen sie darüber.

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