Bewertung und Kritik zu
ZANAIDA – Potsdamer Winteroper
Premiere: 27. Februar 2026, Friedenskirche Potsdam
Dramma per musica von: Johann Christian Bach
Musikalische Leitung: Johanna Soller
Regie: Rahel Thiel
Bühne & Kostüme: Judith Philipp
Dramaturgie und Produktionsleitung KAP: Clara Rempe
Cembalo: Rita Herzog
Orchester: Kammerakademie Potsdam
Über die Inszenierung
Die Winteroper präsentiert mit „Zanaida“ ein selten gespieltes Werk von Johann Christian Bach, das stilistisch zwischen italienischem Barock und Wiener Klassik steht. Die Inszenierung von Rahel Thiel verbindet die historische Vorlage mit einer klar strukturierten, bildstarken Erzählweise, die politische Intrigen, emotionale Konflikte und familiäre Verwicklungen in den Mittelpunkt stellt. Die Aufführung nutzt die besondere Architektur der Friedenskirche, um räumliche Tiefe und symbolische Ebenen zu erzeugen.
Judith Philipps Bühne greift die Rundbogenarchitektur des Kirchenraums auf und übersetzt sie in eine palastartige Szenerie, die durch mobile Säulenfragmente und ein zentrales Bildelement – einen Baum mit gelben Blättern – strukturiert wird. Die Inszenierung arbeitet mit starken Symbolen, etwa der Figur Zanaidas, die als Blinde tastend über die Bühne schreitet und als Verkörperung reiner, unbestechlicher Liebe erscheint. Die musikalische Leitung von Johanna Soller betont die Leichtigkeit, Transparenz und melodische Eleganz der Partitur, während die Akustik der Friedenskirche eine klare, differenzierte Klangwirkung ermöglicht.
Ensemble
- Zanaida — Miriam Kutrowatz
- Roselane — Pia Davila
- Mustafa — Matthias Lika
- Tamasse — Elmar Hauser
- Osira — Anna-Lena Elbert
- Cisseo — Philipp Mathmann
- Aglatida — Laila Salome Fischer
- Silvera — Sarah Gilford
- Gianguir — Florian Sievers
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine selten gespielte Oper, die stilistisch zwischen Barock und Klassik vermittelt
- ein Bühnenraum, der die Architektur der Friedenskirche in die szenische Struktur integriert
- eine Inszenierung, die politische Intrigen und emotionale Konflikte klar herausarbeitet
- ein Ensemble, das durch differenzierte stimmliche und darstellerische Profile überzeugt
- eine musikalische Interpretation, die Transparenz, Leichtigkeit und klangliche Präzision betont
Die Produktion untersucht, wie Macht, Liebe und Loyalität in einem politisch aufgeladenen Umfeld miteinander verwoben sind und welche ästhetischen Möglichkeiten sich aus der Verbindung von historischer Musik und zeitgenössischer szenischer Lesart ergeben.




