Der Bockerer

Bewertung und Kritik zu

DER BOCKERER 
von Ulrich Becher und Peter Preses
Regie: Stephan Müller 
Premiere: 16. Oktober 2021 
Theater in der Josefstadt, Wien

Zum Inhalt: Wer kennt ihn nicht − den bockigen Fleischhauer aus der Paniglgasse, der sich den Anordnungen der Nationalsozialisten widersetzt? "Was braucht mi a Nürnberger Gesetz schützn, wann i mit’n Rosenblatt Tarock spiel? I bin a Weaner." ist Bockeres Maxime. Dabei ist Karl Bockerer alles andere als ein Widerstandskämpfer - er ist ein Mensch mit Herz, der in der Zeit der Barbarei auf Humanität pocht und sich dabei kein Blatt vor den Mund nimmt.

Die beiden Autoren Ulrich Becher und Peter Preses flohen vor den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat. In der Fremde schufen sie die Figur des unbeugsamen Wieners: den Bockerer.

Regie: Stephan Müller
Bühnenbild und Video: Sophie Lux
Kostüme: Birgit Hutter
Musik: Nikolaj Efendi
Choreografie: Daniela Mühlbauer
Dramaturgie: Barbara Nowotny
Licht: Pepe Starman


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Ein Wiener Schwejk
  · 17.10.21
''Das Bühnenbild von Sophie Lux arbeitet geschickt mit einer Kombination von sparsamen Requisiten und Räumen mit Projektionen, die die historische Situation beschwört. Die Technik ist funktional und erschlägt nicht das Bühnengeschehen. Altmodisch? Mag sein. Aber das Stück kann auch nicht gerade als Avantgarde gelten.

Den unheldischen Helden spielt, sozial wie geographisch sehr genau, der Publikumsliebling Johannes Krisch, der eigentlich dem Burgtheaterensemble angehört, aber gerne in der Josefstadt gastiert. Auch Ulrich Reinthaller, der sowohl den zur Flucht gezwungenen Juden Dr. Rosenblatt, wie auch den Gestapo-Mann Dr. von Lamm verkörpert, wechselt zwischen Burg und Josefstadt.

Am glücklichen Ende: Standing Ovations. Der antifaschistische Konsens hat das Theater in der Josefstadt erfasst. Wovor sind Becher und Preses eigentlich geflohen? Wimmelte es nicht von Bockerers, die sie versteckt hätten? Irgendetwas geht da nicht zusammen. Wer sich nicht in die Tasche lügen will, muss eingestehen: Der Bockerer ist, aus heutiger Sicht, eine rückwärtsgewandte Utopie.'' schreibt Thomas Rothschild am 17. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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