Kritik
''Die eigene Emanzipation vom Hof vorantreibend, taugt Elisabeth nicht gerade für ein feministisches Role Model. Um in Ruhe gelassen zu werden, sorgt sie selbst für Ersatz für ihren Mann. Natürlich kommt hier auch der ganze Körperkult Sisis auf die Bühne. Von der schmalen Taille über die Essstörungen bis zur übertriebenen Körperertüchtigung. Reiten, Turnen und Wandern. „Bewegliche Ziele sind schwerer zu treffen. Auch emotional.“ Wirklich emotional wird es hier aber nicht. Fallwickl ordnet ihre Sisi ziemlich genau ins gesellschaftspolitische Frauenbild der Zeit als willfährige Verfügungsmasse Habsburger Machtkalküls. „… sie muss stillhalten, weil beschlossen wurde: In diesen Körper soll hineingestoßen werden, damit er gefüllt wird mit einem Thronfolger.“ Die Autorin verweist in ihrem Text aber auch auf andere Frauen der Gegenwart als Beispiel etwa für die Verfügbarkeit des Körpers wie im Fall Gisèle Pelicot oder die algerische Olympiasiegerin im Boxen Imane Khelif, deren Körper für viele als nicht weiblich genug gilt.
Dazu passt es auch, dass Reinsperger ganz ironisch auf die nun wählbaren Männer verweist, die „keine verurteilten Vergewaltiger sind, keine Rassisten, keine egozentrischen Milliardäre, keine Frauenhasser, keine Volksverhetzer.“ Da gibt es kurze Lacher und Beifall, wie auch nach den punkigen Songs der Liveband mit Elena Ulrich an der E-Gitarre und Lilian Kaufmann am Schlagzeug, die im Zofengewand am Bühnenrand sitzen und den grandiosen Sprach- und Körpereinsatz von Stefanie Reinsperger begleiten. Die schleift irgendwann eine weiße Pferdepuppe auf die Bühne und staffiert sie aus mit den abgelegten Insignien ihrer Fraulichkeit, wie den Puffärmeln, dem Korsett oder den abgeschnitten Haaren. Das Symbol eines totgerittenen Gauls, der am Ende am Haken hochgezogen wird. Auch das ein Bild für eine Emanzipation und Selbstermächtigung nicht nur der überstrapazierten Sisi-Figur, sondern für alle Frauen. Mareike Fallwickl setzt da ein Statement an das andere. „Wenn Frauen permanent Krieg gegen ihren eigenen Körper führen, haben sie keine Zeit, eine Revolution anzuzetteln.“ Da hat Stefanie Reinsperger ihre Bühnenfigur längst verlassen und schließt diesen denkwürdigen Abend mit einem Appell für mehr Frauensolidarität. „Wenn eine Frau die Wahrheit sagt, erschafft sie einen Raum, in dem andere sicher sein können.“ Zumindest an diesem Theaterabend steht das Publikum beim Beifall an ihrer Seite.'' schreibt Stefan Bock am 5. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA