Nebenan

Bewertung und Kritik zu

NEBENAN 
von Daniel Kehlmann
Regie: Martin Kušej 
Premiere: 15. Oktober 2022 
Burgtheater Wien 

Zum Inhalt: An einem Sommertag in der Eckkneipe eines Szene-Stadtteils treffen sie aufeinander: Florian, ein Filmschauspieler, der beruflich wie privat auf der Sonnenseite des Lebens steht und der ältere Bruno, ein Ewigübersehener in der Glücks-Lotterie. Beide leben im selben Haus, „nebenan“, aber in unterschiedlichen Welten – der eine zugezogen im luxuriösen Loft, der andere schon seit Ewigkeiten in der 2-Zimmer-Wohnung zur Miete. Florian ist auf dem Sprung zu Probeaufnahmen für eine internationale Filmproduktion in London, Bruno bittet ihn um ein Autogramm – was wie ein harmloses Gespräch beginnt, entwickelt sich zu einem perfiden Katz- und Maus-Spiel, in dem alte Ost-West-Konflikte, Lebenslügen und die Deutungshoheit über die (eigene) Geschichte verhandelt werden. Bruno hat lange auf diesen Moment gewartet – und Florian muss erkennen, dass er die Zielscheibe einer Rache ist, die weit über die persönliche Begegnung hinausgeht. 

Mit: Florian Teichtmeister, Norman Hacker, Katharina Pichler, Elisa Plüss, Stefan Wieland, Arthur Klemt.

Inszenierung: Martin Kušej
Bühne: Jessica Rockstroh
Kostüme: Justina Klymczik
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Anika Steinhoff


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Die Fliege machen
  · 16.10.22
''Die Regie hatte, wie gesagt, Martin Kušej. Es ist – sprechen wir es unverblümt aus – eine Tragödie. Wo ist die Radikalität seines Herzog Theodor von Gothland oder seines King Arthur abgeblieben? So wie Nebenan hat man vor 60 Jahren am braven Wieer Volkstheater Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Jean Anouilh oder später noch Fritz Hochwälder gespielt. Als Kušej bei der Besetzung der Nachfolge von Klaus Bachler als Burgtheaterdirektor zugunsten von Matthias Hartmann, nicht ohne offensichtliche Kränkung, übergangen wurde, hat er am Münchner Residenztheater noch ein paar Glanzlichter gesetzt. Inzwischen strahlt der kärntner-slowenische Rebell von einst in Körperhaltung und Gesichtsausdruck nur noch Selbstzufriedenheit aus. Was auf der Bühne zu sehen ist, zeugt nicht von Genie, sondern allenfalls von Routine und Abgeklärtheit.

Das Premierenpublikum war dennoch happy. Anhaltender, kräftiger Applaus, erst recht, als Daniel Kehlmann und Daniel Brühl, ein veritabler Hollywood-Star, der die Idee zu dem Film beigesteuert und Regie geführt hat, die Bühne erklimmen.'' schreibt Thomas Rothschild am 16. Oktober 2022 auf KULTURA-EXTRA
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