Komplizen

    Bewertung und Kritik zu

    KOMPLIZEN 
    nach Maxim Gorki
    Regie: Simon Stone 
    Premiere: 26. September 2021 
    Burgtheater Wien 

    Zum Inhalt: Eine lichtdurchflutete, modernistische Villa auf der Sonnenseite von Wien, voller Menschen, mit denen es das Leben nicht schlecht gemeint hat. Privatgelehrte und Industrielle, Schauspielerinnen und Filmemacher, Therapeuten und Anwältinnen, Geschäftsführer und Investorinnen – sie kreisen in ihrem kleinen Orbit um sich selbst und umeinander, häufen finanzielle und emotionale Schulden an und spinnen Pläne zur Rettung der Menschheit oder ihres eigenen kleinen Unglücks.

    Dafür haben sie sich mit Dienstleister*innen umgeben, die vor allem die Aufgabe haben, das Leben möglichst auf Abstand zu halten. „Draußen“ fordert die um sich greifende Pandemie nicht nur Tote auf Intensivstationen, sondern zunehmend auch soziale Opfer. Es kommt zu Entlassungen und Schließungen, ein Arbeitskampf eskaliert, am Ring brennen bereits Autos. Mittlerweile schleicht das Unbehagen den Millionenhügel hinan und stattet den Erben der Sonne Nacht für Nacht geisterhafte Besuche ab. Wie unter dem Mikroskop des Zellforschers zerfällt das Leben dieser Menschen – und ihre Ideen, Einfälle, Ideale geben sich zu erkennen als Bestandteile ihrer Komplizenschaft mit dem Bestehenden. Maxim Gorkis im Umfeld der russischen Revolution von 1905 entstandene Stücke KINDER DER SONNE und FEINDE behandeln einerseits die Choleraaufstände in Saratow Ende des 19. Jahrhunderts und andererseits den Streik in der Textilfabrik eines liberalen Unternehmers und Mäzens. Simon Stone hat für das Burgtheater- Ensemble auf der Basis beider Dramen ein lebenssattes Stück über die sozialen Verwerfungen unserer Tage geschrieben.

    Regie: Simon Stone
    Bühne: Bob Cousins
    Kostpme: Aino Laberenz
    Komposition: Alva Noto
    Licht: Friedrich Rom
    Dramaturgie: Sebastian Huber


    WIR EMPFEHLEN

    3.0 von 5 Sterne
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    Knoblauch ist so gut wie zehn Mütter
    2 years ago
    Kritik
    ''Die Theaterleiter haben Simon Stone die besten Schauspieler deutscher Sprache zur Verfügung gestellt. Davon zehren auch die Komplizen. Mit dieser Besetzung könnte selbst bei einem weniger gefeierten Regisseur nicht viel schief gehen. Es ist immer ein Vergnügen, der vertrauten Schlaksigkeit von Michael Maertens zuzusehen und seinem Rest-Missingsch zuzuhören, oder Peter Simonischek zu bestaunen, wie er sich zum Elder Statesman des Burgtheaters entwickelt hat mit einem patriarchalischen Gestus, der in diametralem Gegensatz steht zur brüchigen „Unsicherheit“ eines Gert Voss, eines Ignaz Kirchner oder beispielsweise eines André Jung. Birgit Minichmayr muss sich, weil sie in ihrer Rolle ziemlich neurotisch zu sein hat, ständig die Haare aus der Stirn wischen oder die Fäuste gegen einander schlagen. Nicht unerwähnt bleiben darf der stets zuverlässige Roland Koch, der vielleicht nur mangels Manierismen weniger charismatisch wirkt. Wer auf Kleinigkeiten achtet, erkennt seine präzise Schauspielkunst. Ein Teil von Simon Stones Erfolg dürfte darauf beruhen, dass man hierzulande Robert Lepage kaum kennt. Von dem Kanadier hat der Australo-Schweizer einiges abgeschaut, mit dem Unterschied freilich, dass Lepage mehr und Originelleres zu sagen hat. Macht nichts. Publikum und Kritik jubeln. Wir werden Simon Stone nicht so bald aus den Augen verlieren. Es gibt noch zu viele Theaterstücke, die darauf warten, von ihm verbessert – pardon: überschrieben zu werden.'' schreibt Thomas Rothschild am 18. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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